Thilenius-Kolumne Die Rechnung kommt

Wahljahre in den USA sind zumeist gute Börsenjahre. Das zeigt ein Blick in die Geschichte. Angesichts der horrenden Staatsverschuldung der Vereinigten Staaten sollte der Anleger aber spätestens nach dem Wahltag die Reißleine ziehen.

Hamburg - US-Präsident George W. Bush hat vor kurzem den Haushaltsentwurf seiner Regierung für dieses Jahr vorgelegt. Es ergibt sich ein Defizit von mehr als 520 Milliarden Dollar. Das ist selbst für die bedeutendste Volkswirtschaft der Welt eine beachtliche Größe. In den letzten Regierungsjahren von Amtvorgänger Bill Clinton hatte der Haushalt noch Überschüsse erzielt. Die Verschlechterung ist also dramatisch.

Diese Verschlechterung kann nur zu einem Teil auf die Rezession des Jahres 2001 mit den Terroranschlägen des 11.September und die folgende, bis ins Jahr 2003 hinein nur mäßige Erholung der Konjunktur geschoben werden. Verantwortlich sind hauptsächlich die hohen Steuersenkungen, die Maßnahmen für den Heimatschutz und der Krieg im Irak.

Diese Finanzpolitik ist riskant. Denn sie soll nicht nur Amerika schnell wieder auf die Beine stellen, sondern auch die Wiederwahl von Bush am 2. November dieses Jahres fördern.

Wir sehen eine Parallele zu einem früheren Präsidenten: Richard Nixon hat 1971 und 1972 aus einem Budgetüberschuss ein damals horrendes Defizit von 23 Milliarden Dollar gemacht. Er wurde dann 1972 prompt wieder gewählt. Wahljahre sind immer gute Börsenjahre in Amerika gewesen. Das war 1972 so und bisher auch 2004.

Im Nachwahljahr 1973 wurde allerdings die Rechnung präsentiert. Durch die hohen Schulden wurden damals die Zinsen in die Höhe getrieben und führten zusammen mit anderen Faktoren zu einem Rückgang an den Aktienmärkten, der sich durch die Ölkrise vom Herbst 1973, die mit Nixons Finanzpolitik allerdings nichts zu tun hatte, noch verschärfte.

Aufgrund historischer Erfahrungen ist der Investor gut beraten, vor allem in den USA investiert zu bleiben. Er sollte aber beim Näherrücken des Wahltermins die Folgen des hohen Budgetdefizits und der hohen Kreditaufnahme im Auge behalten. Irgendwann wird die Rechnung präsentiert werden. Dies kann schon im Jahr 2005 oder erst im Jahr 2006 der Fall sein. Für diesen Zeitpunkt sollten Investoren das Umschichten in defensive Werte oder sogar den Ausstieg aus dem Aktienmarkt ins Auge fassen.