Märkte Die Job-Maschine stottert

Obwohl die Wirtschaft in den USA wieder deutliche Wachstumssignale aussendet, bleibt der Arbeitsmarkt angespannt. Die Zahl der Beschäftigten ist weniger stark gestiegen als erwartet.

Washington/Frankfurt am Main - Der Aktienmarkt hat auf die mit Spannung erwarteten US-Arbeitsmarktdaten am Freitag nervös reagiert. Zwar ist die Zahl der Beschäftigten im Januar schwächer gestiegen als erwartet, dafür fiel die Arbeitslosenquote überraschend auf 5,6 Prozent von 5,7 Prozent im Vormonat. Analysten hatten mit einer unveränderten Quote von 5,7 Prozent gerechnet. Insgesamt waren nach Angaben des Ministeriums 8,3 Millionen Menschen ohne Arbeit.

Die Zahl der Arbeitsplätze außerhalb der Landwirtschaft kletterte im Januar um 112.000 nach einem nach oben revidierten Anstieg um 16.000 im Vormonat, teilte das US-Arbeitsministerium am Freitag mit. Analysten hatten im Schnitt mit einem stärkeren Plus von 150.000 Stellen gerechnet.

Der Dax  reagierte auf die Zahlen mit Kursschwankungen und hat einen großen Teil seiner Gewinne wieder abgegeben. Eine halbe Stunde vor Handelsbeginn an der Wall Street notierte der deutsche Leitindex nur noch mit 0,3 Prozent im Plus auf 4026 Punkten. Der Euro ist hingegen deutlich auf 1,2672 Dollar gestiegen.

"Der Markt hält sich trotz der enttäuschenden Daten erstaunlich gut", sagte Marktanalyst Giuseppe Amato vom Handelshaus Lang & Schwarz. "Das spricht dafür, dass der Glaube an die Erholung vor allem auch der europäischen Wirtschaft ungebrochen ist."

Die ebenfalls überraschend schwach ausgefallenen Zahlen für Dezember hatten vor einigen Wochen noch für Kursverluste an den internationalen Börsen gesorgt. Anleger blicken deshalb besonders gespannt auf Arbeitsmarktdaten, weil eine Konjunkturerholung nur dann als nachhaltig gilt, wenn sie mit Beschäftigungszuwachs einhergeht.

Positiv äußerten sich Börsianer zu den Wirtschaftsdaten aus Deutschland. Die Erzeugung im produzierenden Gewerbe erhöhte sich im Dezember im Vergleich zum Vormonat überraschend. Sie ist vorläufigen Zahlen zufolge saisonbereinigt um 0,6 Prozent gestiegen. Volkswirte hatten hingegen mit einem Absinken von 0,5 Prozent gerechnet.

Handelspanne auf Xetra

Der Handel am deutschen Aktienmarkt litt am Vormittag unter technischen Problemen des elektronischen Handelssystems Xetra. Für rund anderthalb Stunden musste ab 11 Uhr der Handel mit Werten des Dax  gestoppt worden, nachdem die Probleme bereits zuvor massiv den Handel in MDax  und TecDax  beeinträchtigt hatten. Gegen 12.30 Uhr konnte der Handel wieder aufgenommen werden.

Händler reagierten insgesamt gelassen. "Xetra gilt eigentlich als sehr zuverlässiges System", hieß es bei einer ausländischen Bank. Lediglich zu Beginn des Ausfalls sei es etwas hektisch geworden, sagte ein Händler einer deutschen Bank.

Über 90 Prozent der Standardwerte des deutschen Aktienmarktes werden über Xetra abgewickelt. Damit hat Xetra seit seiner Einführung im September 1997 dem Parketthandel den Rang abgelaufen. Das Handelssystem ist das Flaggschiff der Deutschen Börse, deren Aktien in die Berechnung des Dax einfließen. Täglich werden über Xetra der Börse zufolge Umsätze in Höhe von drei bis fünf Milliarden Euro abgewickelt.

Händler hatten von einem ruhigen Geschäft mit geringen Umsätzen im Vorfeld des US-Arbeitsmarktberichts am Nachmittag berichtet. Der Markt werde bis dahin weiter unterhalb des Widerstandes bei 4050 Punkten seitwärts tendieren, so die Prognosen der Händler.

G-7-Treffen im Blickpunkt

G-7-Treffen im Blickpunkt

Zum Wochenende rückt auch das G-7-Treffen in Boca Raton (Florida) in den Blickpunkt der Börsianer. Topthemen der Finanzminister werden die jüngsten Wechselkursschwankungen, das Leistungsbilanzdefizit der USA und die Wachstumsschwäche in Euroland sein. Das Hauptaugenmerk der Märkte wird sich aber auf Äußerungen zu den Devisenkursen richten.

Es wird allerdings nicht damit gerechnet, dass sich die G-7-Staaten auf gemeinsame Schritte oder nur eine eindeutige Erklärung einigen werden, um der anhaltenden Dollar-Abwertung entgegenzuwirken. Das dürfte die US-Währung Experten zufolge nach dem Treffen weiter unter Druck setzen.

Europäer klagen, doch Zinsen bleiben unverändert

Vor allem von europäischer Seite wird von den USA ein Einlenken gefordert. Der französische Premierminister Jean-Pierre Raffarin sagte, für Europa sei der Augenblick gekommen, von Washington eine andere Währungspolitik einzufordern. "Für die starke Stimme der Euro-Gruppe ist der Moment gekommen, sich selbst auszudrücken", sagte er.

Es gebe eine sehr deutliche amerikanische Wirtschaftsstrategie, aber: "Die Instabilität in der Parität der Wechselkurse ist für niemanden gut, nicht einmal für die Vereinigten Staaten." Auf dem G-7-Treffen sollten alle Mitglieder der Euro-Gruppe in diesem Punkt "hinreichend deutlich" sein, dass eine Kluft wie zurzeit "niemandem einen Gefallen erweist". Von einer Senkung der Zinsen in Euroland - die Leitzinsen sind mit 2,0 Prozent immer noch doppelt so hoch wie in den USA - hatte die EZB gestern aber abgesehen.

Interventionsschlacht: Japan hortet mehr als 740 Milliarden Dollar

Der schwache Dollar stärkt schon seit Monaten auch dem Yen den Rücken. Am Freitag gab das Finanzministerium in Tokio bekannt, dass Japans Währungsreserven im Januar ein neues Rekordhoch erreicht haben. Die Reserven stiegen im Vergleich zum Vormonat um 67,72 Milliarden Dollar auf 741,25 Milliarden Dollar.

Hintergrund des jüngsten Zuwachses seien vor allem Yen-Verkäufe auf dem Devisenmarkt gewesen, hieß es. Japan verfügt nunmehr im 50. Monat in Folge über die weltweit höchsten Bestände an konvertiblen fremden Währungen, Gold und Sonderziehungsrechten des Internationalen Währungsfonds (IWF).

Mehr lesen über