Aventis "Wir brauchen sie nicht"

Was sind schon Quartalszahlen?! Im Übernahmekampf spielt eine andere Musik, und die ist laut. Aventis-Chef Landau rührt die Trommel. Zehn neue Blockbuster verspricht er. "Sanofi braucht uns, aber wir brauchen sie nicht." Zu laute Töne für die Börse.

London - Der französisch-deutsche Pharmakonzern Aventis  rüstet sich mit einem starken Gewinnanstieg im vergangenen Jahr gegen den feindlichen Übernahmeversuch seines Rivalen Sanofi-Synthélabo. Auch für das laufende Jahr kündigte der Straßburger Arzneimittelhersteller eine positive Entwicklung an.

Der Reingewinn aus dem Kerngeschäft sei 2003 um 17,5 Prozent auf 2,44 Milliarden Euro gestiegen, teilte das Unternehmen am Donnerstag in Straßburg mit. Dies entsprach einem 18,6-prozentigen Zuwachs beim Gewinn je Aktie auf 3,11 Euro, womit Aventis innerhalb der Schätzungen der Analysten lag.

"Die heute vorgelegten Ergebnisse belegen, dass die Sanofi-Offerte Aventis fundamental unterbewertet", sagte Aventis-Chef Igor Landau. Für das laufende Jahr stellte Aventis ein Umsatzwachstum von sechs bis sieben Prozent in Aussicht sowie eine Steigerung des Gewinns je Aktie von rund 15 Prozent. Die Aventis-Aktie lag am Vormittag leicht im Minus bei rund 62 Euro.

Erträge steigen zum vierten Mal in Folge

Der französische Wettbewerber Sanofi hatte vorige Woche eine Übernahmeofferte im Volumen von damals rund 48 Milliarden Euro für die - gemessen am Umsatz - etwa doppelt so große Aventis  vorgelegt. Das Aventis-Management hat die Offerte bereits mehrmals als zu niedrig zurückgewiesen.

Mit dem Zusammenschluss der beiden Pharmakonzerne entstünde der weltweit drittgrößte Branchenvertreter nach dem US-Branchenprimus Pfizer  und der britischen GlaxoSmithKline . Das Sanofi-Management hatte unlängst gesagt, es sehe keinen Grund, die Offerte zu erhöhen.

Für das Jahr 2003 weise Aventis zum vierten Mal in Folge ein hohes Ertragswachstum aus, sagte Aventis-Chef Landau. "Wir haben damit eine solide Grundlage für die Zukunft geschaffen." Angesichts des starken Euro sowie sich abschwächender Umsätze des verkaufsstarken Allergiemittels Allegra sank der Umsatz im Kerngeschäft im vergangenen Jahr allerdings auf 16,79 Milliarden Euro von zuvor 17,59 Milliarden Euro in 2002. Neuere Produkte hätten hingegen positiv abgeschnitten.

Die Produktpipeline ist voll ...

Vier Markteinführungen allein in diesem Jahr ...

Erneut wies Aventis-Chef Landau das Übernahme-Angebot von Sanofi zurück. "Das feindliche Übernahmeangebot ist lediglich ein Versuch von Sanofi, die eigenen Risiken auf unsere Aktionäre zu übertragen", sagte Landau. Eines werde dabei deutlich: "Sanofi braucht uns, aber wir brauchen sie nicht." Landau hatte unlängst die Sanofi-Offerte als lächerlich niedrig bezeichnet und gesagt, erst ab einer Aufstockung von 40 bis 50 Prozent werde die Offerte interessant.

Für das laufende Jahr kündigte das Aventis-Management vier Markteinführungen neuer Produkte an. Zudem teilte der Konzern mit, er wolle sich von älteren, nicht-strategischen Produkten im Volumen von etwa 1,5 Milliarden Euro Jahresumsatz trennen.

Für die Jahre 2005 bis 2007 stellte Aventis zudem ein durchschnittliches Umsatzwachstum von zehn bis elf Prozent auf operativer Basis in Aussicht. Im gleichen Zeitraum werde ein Anstieg des Gewinns je Aktie von 13 bis 15 Prozent erwartet.

... und doch es gibt auch Rückschläge

Aventis hat nach eigenen Angaben derzeit mehr als 94 neue Wirkstoffe und Impfstoffe in der Entwicklung. Zu den vier Blockbustern, die der Konzern derzeit besitzt, gehe Aventis von bis zu zehn weiteren Verkaufsschlagern mit Umsätzen über der Milliardenschwelle aus. Diese seien bereits auf dem Markt oder aber befänden sich in fortgeschrittenen Phasen der klinischen Entwicklung.

Das umsatzstarke Antibiotikum Ketek soll noch dieses Jahr auf dem wichtigsten Pharmamarkt USA eingeführt werden. Zu den Produkten, die dieses Jahr neu auf den Markt kommen sollen, gehören auch das schnell wirkende Insulin Apidra, das Krebsmittel Genasense, sowie das Dermatologie-Produkt Sculptra.

Es gibt allerdings auch Rückschläge in der Forschung bei Aventis. So teilten die Straßburger mit, dass die Entwicklung des Krebsmittels Flavopiridol beendet wurde. Auch soll das Allergiemittel Allegra nicht mehr für die Behandlung von Asthma weiterentwickelt werden.

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