Aventis Landau in der Zwickmühle

Sanofi-Chef Jean-Francois Dehecq schließt eine "Fusion unter Gleichen" mit Aventis aus und drückt aufs Tempo. Aventis-Chef Igor Landau droht dagegen Ärger mit seinem Aufsichtsrat: Angeblich hat er bereits vor Wochen von den Übernahmeplänen gewusst.

Straßburg - Der Angreifer ist zwar kleiner als sein potenzielles Opfer, doch er zeigt sich selbstbewusst: Der Chef des französischen Pharmakonzerns Sanofi-Synthélabo , Jean-Francois Dehecq, schließt eine Fusion unter Gleichen mit dem Konkurrenten Aventis  aus. "Wir können nicht Monate warten, bis wir alle Befindlichkeiten geklärt haben. Wir müssen schnell agieren", sagte Dehecq der "Financial Times Deutschland".

Frankreichs zweitgrößter Pharmakonzern Sanofi-Synthélabo hatte vorige Woche eine Übernahmeofferte im Volumen von damals rund 48 Milliarden Euro für Aventis vorgelegt. Aventis ist gemessen am Umsatz etwa doppelt so groß wie Sanofi. Das Management und der Aufsichtsrat von Aventis hatten die Offerte zurückgewiesen.

Gleichzeitig bekräftigte Dehecq dem Zeitungsbericht zufolge, sein aktuelles Angebot für Aventis aufrechtzuerhalten. "Wenn ich das Angebot erhöhen würde, würden mich meine Aktionäre fragen, warum ich das tue." Offen ließ er, ob eine Erhöhung zu einem späteren Zeitpunkt möglich sein könnte. Im Gespräch mit dem "Handelsblatt" zeigte sich Dehecq schon etwas beweglicher: Auf die Frage, ob Sanofi die Offerte für Aventis noch aufstocken könnte, sagte er: "Wir werden sehen".

Was wusste Igor Landau?

Unterdessen bahne sich zwischen Aufsichtsrat und Vorstand von Aventis ein Konflikt an, wie die "Welt" in ihrer Mittwochsausgabe berichtet. Demnach habe Aventis-Chef Igor Landau bereits drei Wochen vor dem feindlichen Übernahmeangebot, das am 26. Januar vorgelegt wurde, von den Sanofi-Plänen gewusst. Die Konzernkontrolleure seien darüber jedoch nicht informiert worden.

Wie aus einer Stellungnahme von Sanofi gegenüber der US-Börsenaufsicht SEC hervorgehe, die der "Welt" nach eigenen Angaben vorliegt, habe es bereits am 7. Januar ein Telefonat zwischen Landau und Sanofi-Chef Dehecq gegeben, in dem eine feindliche Übernahme thematisiert wurde.

In diesem Gespräch habe Landau selbst unter Bezug auf eine unverbindliche Übernahmeanmeldung von Sanofi bei der EU-Kommission gefragt, ob die Pariser tatsächlich eine feindliche Übernahme planten. Dehecq habe diese Frage ausdrücklich weder bejaht noch verneint. "Da war klar, was Sache ist", werde auch in Aventis-Reihen eingeräumt. Zudem seien die Vorbereitungen für einen Abwehrkampf nur schleppend angelaufen, schreibt die Zeitung weiter.

Börsenaufsicht genehmigt Übernahmeangebot

Die Aktien von Aventis  und von Sanofi  tendierten am Mittwoch kaum verändert. Aventis notiert weiterhin über der Marke von 62 Euro: Ein Anzeichen dafür, dass Investoren von Sanofi ein verbessertes Angebot erwarten.

Die französische Börsenaufsicht Autorite des Marches Financiers hat die feindliche Übernahmeofferte von Sanofi für Aventis unterdessen zugelassen. Sie werde die von Sanofi eingereichten Unterlagen in den nächsten Tagen genehmigen, teilte die Behörde am Dienstag mit. In den Unterlagen seien auch Details zu anhängigen Patentrechtsklagen enthalten.

Das Ergebnis der Rechtsstreitigkeiten könnte deutliche Auswirkungen auf den Wert der beiden Pharmakonzerne haben, hieß es. So wollen die Aktionäre von Aventis mehr Informationen über ein Verfahren gegen zwei Generikahersteller wegen des Patentschutzes für das Medikament "Plavix", einer der Bestseller von Sanofi.

Sobald die Börsenaufsicht die von Sanofi gelieferten Informationen genehmigt hat, habe Aventis fünf Arbeitstage Zeit, um offiziell auf die Offerte zu antworten. Sobald diese Stellungnahme vorliege, werde die Börsenaufsicht den Starttermin für das Gebot festlegen.

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