Märkte Zeichen stehen auf rot

Die schwachen US-Absatzzahlen setzen deutsche Auto-Aktien am Mittwoch erneut unter Druck. Die ganze Aufmerksamkeit gilt jetzt den Zahlen von DaimlerChrysler. Siemens und Infineon leiden unter dem schwachen Ausblick des weltgrößten Netzwerkherstellers Cisco Systems. Kein guter Tag für den Dax.

Hamburg - Die deutsche Automobilbranche ist noch lange nicht über den Berg. Galt bereits 2003 als das Jahr des Übergangs, dürfte sich das laufende Jahr wohl kaum besser entwickeln. Der Branchenverband VDA hat bei seinem Ausblick auf die kommenden zwölf Monate unlängst deutlich leisere Töne angeschlagen. Von einem Abgesang in Moll auf das Autojahr wollen die Experten noch nicht sprechen. Doch derzeit ist der Nachrichtenfluss wenig dazu angetan, das Herz der Aktionäre zu erwärmen.

Sicher ist: Die Zulassungszahlen in Deutschland werden kaum steigen. Auch die Auftragsbücher geben noch keinen Hinweis auf die erhoffte Wende. Und der deutsche Käufer hängt schon lange nicht mehr an "Made in Germany". Wen wundert's? Die schleppende Konjunkturentwicklung, die Angst um den Job und die kaum einzuschätzende Entwicklung der Sozialabgaben sind denkbar schlechte Voraussetzungen, dass die Bürger freudig ihre Brieftasche öffnen. Der Autokauf ist mehr denn je eine Frage des Preises.

Pischetsrieders bittere Erkenntnis

Auch Volkswagen hat sich jetzt dieser einfachen aber unangenehmen Erkenntnis beugen müssen. Eher widerwillig räumt VW-Chef Pischetsrieder den Kunden Preisnachlässe von rund acht Prozent auf den neuen Golf ein. Opel-Astra lässt grüßen. In Wolfsburg sieht man das verständlicherweise ganz anders, und von Rabatten will man auch nicht sprechen.

"Mehr Golf fürs Geld" mag die Verbraucher freuen. Ob aber damit das sehr ehrgeizige Absatzziel für das wichtigste Modell des Konzerns in diesem Jahr noch erreicht werden kann, ist eher unwahrscheinlich. Die Wolfsburger Autobauer haben dies am Dienstag selbst angedeutet. 600.000 Golf 5-Modelle will VW in diesem Jahr verkaufen, rund ein Drittel davon allein in Deutschland.

Der Markt misstraut diesen Prognosen, sieht vor allem die Margen und damit die künftige Gewinnentwicklung in Gefahr. Zu allem Überdruss wird aktuell spekuliert, dass der Gewinneinbruch bei Volkswagen in 2003 deutlich höher ausfallen wird als bislang angenommen. Die Reaktion der Investoren ist verständlich. Bei Volkswagen aber auch bei den anderen Autowerten hielten sich die Anleger am Dienstag zurück. Autotitel zählten zu den größten Verlierern im Dax .

US-Absatz: Nur Porsche kann wirklich punkten

Doch auch am Mittwoch geben deutsche Auto-Aktien weiter nach. Denn nicht nur der Inlandsmarkt bietet Anlass zur Sorge. Die am späten Dienstag veröffentlichten US-Absatzzahlen sind alles andere als erfreulich. Mit Ausnahme von Porsche  haben BMW , DaimlerChrysler  und Volkswagen  auf dem weltgrößten Automarkt einen Fehlstart ins Jahr 2004 hingelegt.

Volkswagen hat in den USA im Januar ein Absatzminus von rund 29 Prozent verbucht. Der Münchener Autokonzern BMW legte mit einem Absatzminus von 22 Prozent ebenfalls einen Fehlstart hin. Einen Absatzrückgang von 6,8 musste auch der deutsch-amerikanische Autobauer DaimlerChrysler bei der Marke Mercedes hinnehmen. Der Gesamtkonzern erhöhte dank besserer Verkäufe seiner zuletzt krisengeschüttelten Tochter Chrysler aber den US-Fahrzeugabsatz unter dem Strich aber um 7,6 Prozent.

DaimlerChrysler: Und noch ein Patient

DaimlerChrysler wird indes im Laufe des heutigen Tages seine vorläufigen Zahlen für das Geschäftsjahr 2003 vorlegen. Dank der Nutzfahrzeug-Sparte und des guten Leasing-Geschäfts könnte Vorstandschef Jürgen Schrempp das Ertragsziel für das abgelaufene Jahr trotz der erneuten Verluste bei Chrysler doch noch erreicht haben, sagen Analysten. Andererseits wird die Sanierung des amerikanischen Patienten Chrysler auch in diesem Jahr Millionen verschlingen. Das "Jahr der Wahrheit" für Chrysler stehe bevor, sagen Analysten.

Doch das ist nicht die einzige Baustelle für Konzernchef Schrempp. Der hoch verschuldete Partner Mitsubishi hält auch die Hand auf. Mit rund 530 Millionen Euro wird DaimlerChrysler  den Japanern in diesem Jahr wohl unter die Arme greifen müssen. Das ist kein Pappenstiel und hat die Investoren am Dienstag zusätzlich verunsichert.

Sollte DaimlerChrysler  heute nicht die große Überraschung abliefern, dürften Autowerte den deutschen Aktienmarkt am Mittwoch erneut belasten. Händler rechnen jedenfalls mit einem schwächeren Handelsauftakt in Frankfurt.

Börse in Tokio schmiert ab

Dabei haben die Aktienindizes an der Wall Street am Dienstag gegenüber dem Handelsschluss in Deutschland kaum verändert geschlossen. Der Dow Jones  verbuchte ein kleines Plus von 0,1 Prozent auf 10.505 Zähler. Der Nasdaq Composite  legte um 0,2 Prozent auf 2066 Punkte zu. An der asiatischen Leitbörse in Tokio rutschte der Nikkei um 1,8 Prozent auf 10.447 Punkte ab. Händler führten dies vor allem auf die Schwäche des US-Dollar im Vergleich zum Yen zurück.

Cisco-Ausblick könnte Siemens und Infineon belasten

Unter Druck sehen Händler heute die Aktien von Siemens  und Infineon . Sie machen dafür den schwachen Ausblick des weltgrößten Netzwerkherstellers Cisco Systems  verantwortlich. Das Unternehmen hat nach Börsenschluss in den USA seine Geschäftszahlen vorgelegt und die Analystenerwartungen beim Gewinn zwar leicht übertroffen. Mit dem prognostizierten Umsatzanstieg sind die Märkte aber unzufrieden. Die Aktie hat nach nachbörslich mehr als fünf Prozent verloren.