DaimlerChrysler Wie erwartet schwach - Trostpflaster Dividende

Der Autobauer bleibt mit Umsatz und Betriebsergebnis für 2003 hinter den Erwartungen der Analysten zurück. Die Verlustbringer aus den USA und Japan trüben die Bilanz der "Welt-AG". Zumindest die Dividende bleibt ein Rettungsanker.

Stuttgart - Das Betriebsergebnis für 2003 fiel mit 5,6 Milliarden Euro etwas schwächer als erwartet aus: Analysten hatten mit 5,8 Milliarden Euro gerechnet. Im Vorjahr hatte DaimlerChrysler noch ein Ergebnis von 6,8 Milliarden Euro erzielt.

Auch der Umsatz blieb mit 136,4 Milliarden Euro rund eine Milliarde Euro hinter den Erwartungen zurück. Kleines Trostpflaster: Für das Jahr 2003 soll wie für das Vorjahr eine Dividende von 1,50 Euro gezahlt werden.

Im Jahr vier der Fusion zwischen DaimlerBenz und Chrysler sind Daimler-Aktionäre aber sehr leidensfähig geworden und offenbar schlechte Nachrichten gewöhnt. Die Aktie von DaimlerChrysler , die bereits vor Bekanntgabe der schwachen Zahlen deutlich nachgegeben hatte, tendierte unmittelbar nach Bekanntgabe der ersten Eckdaten wieder etwas fester und kletterte wieder über die Marke von 37 Euro. In der vergangenen Woche hatte das Papier noch bei 39 Euro notiert.

Entscheidend wird sein, ob DaimlerChrysler  im operativen Geschäft die angekündigten rund fünf Milliarden Euro Gewinn schafft. Dies hängt wesentlich davon ab, ob die amerikanische Chrysler Group für 2003 noch einen kleinen Gewinn ausweisen wird, was viele Analysten inzwischen bezweifeln.

Trotz eines Verlustes von knapp einer Milliarde Euro im zweiten Quartal hatte Chrysler an dem Ziel festgehalten, im Gesamtjahr einen Gewinn auszuweisen. Vielen Aktionären erscheint die US-Sparte als Klotz am Bein, da die Sanierung des US-Konzerns sich weitaus schwieriger gestaltet als erwartet. Wie das Chrysler- Ergebnis genau ausgefallen ist, wird erst auf der Bilanzpressekonferenz am 19. Februar mitgeteilt.

Starker Euro drückt Umsatz - hält die Dividende?

Der Umsatz des weltweit agierenden Autokonzerns wird wegen der Euro-Stärke auf jeden Fall deutlich unter dem des Vorjahres von knapp 150 Milliarden Euro liegen. Im Oktober hatte DaimlerChrysler Erlöse in Höhe von 138 Milliarden Euro prognostiziert.

Veröffentlicht wird in Stuttgart auch der Dividendenvorschlag für das abgelaufene Geschäftsjahr. DaimlerChrysler hatte Berichte nicht kommentiert, wonach die Dividende unverändert bei 1,50 Euro je Aktie liegen soll.

Hoffen auf Nutzfahrzeuge

Der Hoffnungsschimmer: Dank der Nutzfahrzeugsparte und des guten Leasing-Geschäfts könnte DaimlerChrysler-Chef Jürgen Schrempp das Ertragsziel für das abgelaufene Jahr trotz der erneuten Verluste bei Chrysler doch noch erreicht haben. Das ist das Szenario, das sich aus den Prognosen der über 30 von Reuters befragten Analysten ergibt.

Die Hoffnung auf einen Gewinnbeitrag von zwei Milliarden Euro bei Chrysler ist inzwischen zerstoben. Nach dem US-Bilanzierungsstandard GAAP muss der Konzern allerdings auch die 1,2 Milliarden Euro als "operativ" verbuchen, die der Verkauf des Münchener Triebwerksbauers MTU eingebracht hat.

Chrysler-Sanierung verschlingt weitere Millionen

Auf der anderen Seite rechnen Analysten mit rund 300 Millionen Euro Kosten für die Sanierung von Chrysler, die für den Konzern nicht zum laufenden Geschäft gehören. Wenn die Analysten im Durchschnitt einen operativen Gewinn von 5,89 Milliarden Euro erwarten, wäre die Prognose des Konzerns also knapp erfüllt.

Zu verdanken hätte dies Schrempp vor allem der von Eckhard Cordes geführten Lastwagen- und Bus-Sparte. Nach der Trendwende bei der US-Tochter Freightliner trauen ihr die Analysten einen eindrucksvollen Turnaround zu. Sie kalkulieren hier mit 660 Millionen Euro Gewinn - eine Milliarde Euro mehr als 2002, als Restrukturierungskosten die Sparte tief in die roten Zahlen gedrückt hatten.

Das Bank- und Leasing-Geschäft dürfte erneut von den niedrigen Zinsen profitiert haben. Darauf deuten auch die Zahlen der Konkurrenten GM  und Ford  hin. Knapp 1,3 Milliarden Euro könnte DaimlerChrysler dort verdient haben, ein Drittel mehr als im Jahr davor.

Jahr der Wahrheit für Chrysler

Analysten: Chrysler muss 2004 eine Milliarde bringen

An eine operative "schwarze Null" bei Chrysler glaubt nach den Andeutungen von Chrysler-Chef Dieter Zetsche in Detroit, dies sei eine "herkulische Aufgabe", dagegen kaum noch ein Experte. Im vierten Quartal hätte Chrysler dazu mehr als 600 Millionen Euro Verlust aufholen müssen. Möglicherweise könne DaimlerChrysler einen Teil der Rückstellungen für den Wertverlust der Autos angesichts der Rabattschlacht wieder aufgelöst haben, spekuliert Oliver Girzick von der Bayerischen Landesbank auf eine Überraschung.

Die Analysten blicken indes längst auf 2004. Das "Jahr der Wahrheit" für Chrysler stehe bevor, mit neun neuen Modellen - den ersten unter der Ägide von DaimlerChrysler entwickelten Fahrzeugen.

"Alles unter einer Milliarde (Euro) Gewinn wäre enttäuschend", formuliert Analyst Stürzer die Ansprüche der Experten bei Chrysler. Sein Kollege Girzick ist skeptisch: "Neue Modelle bringt in diesem Jahr jeder."

Neue Probleme mit Mitsubishi

Eine neue Baustelle erwächst für DaimlerChrysler unterdessen in Japan, wo sich Spekulationen über eine Kapitalerhöhung für Mitsubishi Motors seit Wochen halten, seit Gentz die Bereitschaft dazu erklärt hat. In Zeitungsberichten heißt es, DaimlerChrysler könnte umgerechnet 540 Millionen Euro ausgeben, um dem klammen japanischen Partner die Entwicklung der dringend benötigten Modelle zu finanzieren. Mitsubishi drohe - wie Chrysler - zu einem strategischen Fehlschlag zu werden, fürchtet Analyst Jürgen Pieper vom Bankhaus Metzler.

Für den einzigen zuverlässigen Ertragsbringer Mercedes-Benz Pkw hat dessen Chef Jürgen Hubbert die Erwartungen bereits tief gehängt: Die überarbeitete C-Klasse ist die einzige Neuheit in diesem Jahr, M- und A-Klasse kommen erst 2005, der Absatz werde wohl trotz der anziehenden Autokonjunktur stagnieren. "2004 wird ein Übergangsjahr, da darf man nicht allzu viel erwarten", sagt Stürzer dazu. Analyst Pieper will das nicht gelten lassen. "Auch Mercedes könnte erheblich rentabler sein. 6 Prozent Rendite sind nur noch knapp über dem Durchschnitt der Branche."