Thilenius-Kolumne Aventis bietet noch Chancen

Um Aventis ist eine Übernahmeschlacht entbrannt. Aktionäre können von dieser Neuordnung in der Pharmabranche profitieren. Noch liegt der Einstiegspreis auf einem günstigen Niveau.

Das feindliche Angebot von Sanofi Synthelabo  für Aventis  weist den Weg zu einer Neuordnung der europäischen Pharmabranche. Eine mehr oder weniger freiwillige Fusion der beiden Unternehmen würde das gemessen am Umsatz drittgrößte Pharmaunternehmen der Welt entstehen lassen. Größer wären nur noch das amerikanische Unternehmen Pfizer  und das englische Unternehmen GlaxoSmithKline . Der Pharmaumsatz der kombinierten Unternehmen Sanofi und Aventis würde bei 21 Milliarden Euro liegen. Damit wäre damit der neue Konzern etwas größer als die amerikanische Merck & Co. .

Die zahlreichen großen Fusionen in der Pharmaindustrie, allen voran bei Pfizer, die auf diese Weise zum weltweit größten Pharmakonzern wurden, geben den Weg vor. Insbesondere die Pharmaforschung ist sehr aufwendig. Die Entwicklung eines neuen Medikaments kostet etwa eine Milliarde Dollar und dauert ungefähr fünf Jahre. Einen derartig großen Forschungsaufwand können sich nur sehr kapitalstarke Konzerne leisten. Ein solcher Forschungsaufwand ist jedoch notwendig, um neues Potenzial bei Umsätzen und Gewinnen zu erschließen.

Aus Sicht der Aktionäre beider Unternehmen hätte ein Zusammenschluss viel für sich. Sanofi hat eine Reihe viel versprechende Medikamente in der Entwicklung. Der Hauptumsatzträger ist jedoch ab dem Jahr 2006 von Patentabläufen bedroht. Bei Aventis ist der Vertrieb besonders stark. Die Produktpipeline gilt als nicht so gut wie die von Sanofi.

Hausaufgaben erledigt

Sanofi hat die Übernahme gut vorbereitet. Die beiden Großaktionäre Total Fina Elf  und L'Oréal  sind sehr finanzkräftig. Hinter L'Oréal steht zudem noch die sehr finanzkräftige Nestlé . Gleichzeitig hat sich Sanofi der Unterstützung der französischen Regierung für das Fusionsvorhaben vorab versichert, die gerne einen großen und international fähigen Pharmakonzern mit Heimat in Frankreich sähe.

Das Angebot von Sanofi, eine kombinierte Offerte aus Aktientausch und Bargeld, hat Aventis zunächst einmal abgelehnt. Dies ist das übliche Verfahren in solchen Übernahmeschlachten. Es ist anzunehmen, dass das Angebot deutlich erhöht wird, oder dass ein anderer Konzern als so genannter weißer Ritter einspringt, um Aventis mehr Eigenständigkeit zuzusprechen, als es unter der Regie von Sanofi zu erwarten hätte.

Gute Nachrichten für Aktionäre

Den Aktionär von Aventis kann die Entwicklung freuen. Er sollte in jedem Fall engagiert bleiben, bis das Ende der Übernahmeschlacht erreicht ist. Große Hoffnungen auf ein lang anhaltendes Bietergefecht wie seinerzeit bei Mannesmann und Vodafone  sollte er sich jedoch nicht machen.

Am Ende des Tages könnte ein Aufschlag von etwa 15 Prozent auf den Aventis-Aktienkurs liegen, der derzeit bei 60 Euro notiert. Abgesehen von der Übernahmeschlacht ist Aventis bei 60 Euro mit einem Kursgewinnverhältnis (KGV) von 14,5 günstig bewertet. Die Bewertung liegt nicht allzu weit von der durchschnittlichen Bewertung aller Aktien des EuroStoxx 50  mit 12,2 entfernt. Die internationalen Pharmakonzerne werden mit KGVs von 16,7 für Pfizer, 14,8 für Merck und 24,7 für Eli Lilly sowie 12,5 für GlaxoSmithKline gehandelt.

Günstiges Einstiegsniveau

Für den langfristigen Investor lohnt sich ein Einstieg. Historisch wurde die Pharmabranche wegen ihrer hohen Zuverlässigkeit meistens mit einer Prämie von 20 bis 30 Prozent im Gesamtmarkt gehandelt. Da derzeit zyklische Aktien in Mode sind und die Pharmabranche wenig gefragt ist, sind die Bewertungen günstig.

In der letzten weltweiten Rezessionsphase vor zehn Jahren waren Investoren gut beraten, auf die vernachlässigte Pharmabranche zu setzten. Die Pharmawerte sind in den 1990er Jahren kräftig gestiegen und haben sich im Abschwung von 2000 bis 2003 besser als der Gesamtmarkt gehalten.

Wer jetzt Aventis kauft, hat gute Chancen im Übernahmepoker im Laufe einiger Monate einen respektablen Gewinn einzufahren. Unabhängig davon ist die Aktie auch fundamental und im Branchenvergleich günstig bewertet.

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