Aventis Novartis als Weißer Ritter?

Der Schweizer Pharmariese Novartis könnte Aventis als "Weißer Ritter" zu Hilfe eilen, um eine feindliche Übernahme durch Sanofi abzuwehren. Aventis-Chef Igor Landau hat Aktionäre und Belegschaft auf einen monatelangen Abwehrkampf eingeschworen.

London - Der Schweizer Pharmariese Novartis prüfe, ob er sich als "Weißer Ritter" bei dem deutsch-französischen Konzern Aventis  engagiere. Dies berichtet das "Wall Street Journal Europe" (Freitagsausgabe) unter Berufung auf Unternehmenskreise.

Aventis-Chef Igor Landau sei offensichtlich bereit, einen Partner für eine freundliche Übernahme zu suchen. Damit wolle der Konzern die feindliche Übernahme durch den Konkurrenten Sanofi-Synthélabo abwehren. Zu Beginn der Woche hatte Sanofi-Synthélabo 47 Milliarden Euro für Aventis geboten.

Gerüchte über einen weißen Ritter ins Spiel zu bringen, gehört indes zu den Grundregeln im Abwehrkampf gegen eine feindliche Übernahme. Bereits am Tag zuvor hatte Landau das Übernahmeangebot von Sanofi als "lächerlich" bezeichnet. Investoren warten, ob Sanofi seine Offerte nun noch einmal nachbessert.

Außer Novartis seien auch die Konzerne GlaxoSmithKline und Roche Holding als "Weiße Ritter" möglich, so das "WSJ". Am Donnerstag hatte Landau dem französischen Rundfunksender Europe 1 gesagt: "Wir prüfen alle Szenarien und schließen dabei nichts aus."

Derlei Äußerungen sind zum Auftakt der Übernahmeschlacht keine Überraschung - sie gehören zum Repertoire des angegriffenen Management. Landau selbst hatte am Vortag gesagt, der Abwehrkampf könne sich über Monate hinziehen.

Aventis-Aktie klettert weiter

Die Aktie von Aventis  legte am Freitag in Paris um weitere drei Prozent zu und kletterte über die Marke von 63 Euro. Damit übersteigt der Marktwert von Aventis das Angebot von Sanofi bereits deutlich: Investoren setzen offenbar darauf, dass Sanofi entgegen ersten Beteuerungen noch ein deutlich verbessertes Angebot nachlegt. Die Aktie von Sanofi  legte am Freitag ebenfalls zu.

Die Aktie des Schweizer Konzerns Novartis  zeigte sich von den Spekulationen um den möglichen "Weißen Ritter" unberührt. Eine freundliche Übernahme von Aventis könnte für die Schweizer von Interesse sein, hieß es am Markt. Nach Angaben von Analysten kommen sich Novartis und Aventis geographisch kaum ins Gehege - und beide Konzerne seien in der Krebstherapie, der Behandlung von Herzkrankheiten und bei Diabetes stark.

Andererseits halte sich ein dritter Konzern üblicherweise zurück, bevor er sich in eine Übernahmeschlacht zweier Konkurrenten einmische - es sei denn, Novartis würde von Aventis explizit dazu eingeladen.

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