Wella Lizenzvertrag sorgt für Wirbel

Der Haarpflegespezialist räumt Procter & Gamble per Lizenzvertrag das Recht ein, seine Produkte weltweit zu vermarkten. Dies hat Konsequenzen für die Mitarbeiter und dürfte auch auf der außerordentlichen Hauptversammlung für Zündstoff sorgen: Minderheitsaktionäre meinen, dass P&G rechtliche Grenzen überschreite.

Darmstadt / Hamburg - Mit der Lizenzvereinbarung räumt Wella Procter&Gamble das Recht ein, als Lizenznehmer weltweit die Wella-Consumer-Marken - das sind beispielsweise Haarpflegeprodukte für den Einzelhandel - zu vermarkten und zu vertreiben. Dies teilte Wella am Donnerstag Abend in einer Pflichtmitteilung mit.

Der Vertrag habe eine Laufzeit bis Ende 2008. Die Umsetzung der Vereinbarung erfolge von Land zu Land.

P&G hatte vergangenes Jahr Wella für rund sechs Milliarden Euro mehrheitlich übernommen. Der US-Konzern hält 81,1 Prozent der Wella-Aktien und 99,6 Prozent der Stimmrechte. Eine Komplettübernahme war am Widerstand einiger Wella-Vorzugsaktionäre gescheitert.

Lizenzvertrag nur ein Kunstgriff?

Der jetzt abgeschlossene Lizenzvertrag dürfte auf der außerordentlichen Hauptversammlung von Wella am 3. Februar für hitzige Debatten sorgen. Einige der verbliebenen Wella-Minderheitsaktionäre argwöhnen, dass Procter & Gamble das Einzelhandelsgeschäft von Wella letztlich outsourcen und der eigenen Deutschland-Zentrale im hessischen Schwalbach zuschlagen will. Offiziell haben die beiden Unternehmen eine "Kooperation" beschlossen. Die Minderheitsaktionäre werfen P&G dagegen vor, Wella widerrechtlich zu schlucken.

Ohne einen Beherrschungsvertrag sei es nicht möglich, die Kontrolle über den Consumer Bereich von Wella an P&G zu übertragen, so die Argumentation der Kritiker. Wenn P&G die unmittelbare unternehmerische Führung der Sparte Consumer von Wella übernehme, verstoße dies gegen die Grenzen, die dem herrschenden Unternehmen derzeit gesetzt sind.

Der Lizenzvertrag sei ein juristisches Hilfsmittel, letztlich die Kontrolle über den Consumer Bereich von Wella zu erlangen. Er bedürfe aber mit großer Wahrscheinlichkeit der Zustimmung der Hauptversammlung. Mit dem deutschen Aktienrecht sei das Abkommen in dieser Form kaum vereinbar - Klagen seien wahrscheinlich.

Beherrschungsvertrag könnte teuer kommen

Beherrschungsvertrag könnte teuer kommen

Sollte Procter & Gamble statt des Outsourcings einen Beherrschungsvertrag mit Wella schließen, müsste der US-Konzern möglicherweise eine Entschädigung als nachträglichen Aufschlag an die Aktionäre zahlen. Minderheitsaktionäre wollen deshalb per Hauptversammlungsbeschluss prüfen lassen, ob Wella-Chef Heiner Gürtler bei der Integration in P&G korrekt gehandelt hat, berichtet das manager magazin in seiner aktuellen Ausgabe. Dabei stützen sie sich unter anderem auf ein Gutachten des Aktienrechtlers Hans-Joachim Mertens.

"Lizenzvertrag hat nichts mit Outsourcing zu tun"

"Ein Lizenzvertrag hat nichts mit Outsourcing zu tun", betonte Wella-Sprecherin Birgit Klesper im Gespräch mit manager-magazin.de. Der Lizenzvertrag gebe lediglich das Recht zur Vermarktung und zum Vertrieb weiter, die Produkte hingegen verblieben im Unternehmen. Mit dem Vertrag erreiche Wella das seit Jahren angestrebte Ziel, durch externe Kooperation die kritische Masse im Wella-Consumer-Geschäft zu stärken.

Von den weltweit mehr als 2000 betroffenen Stellen werde es für mindestens zwei Drittel Möglichkeiten zur Weiterbeschäftigung geben, ergänzte die Wella-Sprecherin. Für die übrigen rund 600 Mitarbeiter sollten betriebsbedingte Kündigungen vermieden werden, unter anderem durch Vorruhestandsregelungen oder Altersteilzeit.

Rund 180 Stellen in Deutschland betroffen

Im Consumer-Bereich in Deutschland seien rund 180 Personen betroffen, die zum einen im internationalen Marketing der Wella Consumersparte oder in der deutschen Vertriebsgesellschaft beschäftigt seien. Für etwa 125 von ihnen werde es Weiterbeschäftigungsmöglichkeiten bei Procter & Gamble geben.

Ein Teil dieser Mitarbeiter werde weiterhin in Darmstadt, ein anderer Teil in der P&G Deutschlandzentrale im hessischen Schwalbach beschäftigt sein. "Darmstadt bleibt das globale Headquarter von Wella", betonte die Sprecherin.