Intel Gut ist nicht gut genug

Der weltgrößte Mikrochip-Hersteller schlägt die Erwartungen. Der Ausblick auf das laufende Quartal allerdings enttäuscht die Märkte. Die Aktie gibt nachbörslich deutlich nach.

San Francisco - Intel  hat nach einer unerwartet kräftigen Gewinn- und Umsatzsteigerung im abgelaufenen Geschäftsquartal mit seinem Ausblick für Ernüchterung bei den Investoren gesorgt. Branchenexperten zeigten sich in ersten Reaktionen zwar zufrieden mit der am Mittwochabend vorgelegten Bilanz. Der Umsatzausblick des US-Konzerns für das laufende Vierteljahr sei aber wohl nicht so optimistisch wie von den Anlegern erwartet.

Der Aktienkurs des Unternehmens fiel im nachbörslichen Handel um rund drei Prozent auf 32,40 Dollar von 33,39 Dollar zum Sitzungsschluss. Die grundsätzlichen Geschäftsperspektiven beurteilte Intel allerdings positiv. So sprach das Unternehmen von ersten Anzeichen steigender Investitionen in Informationstechnologie (IT).

Der Geschäftsverlauf beim Branchenprimus gilt als wichtiger Indikator nicht nur für die Entwicklung der Chip- und PC-Industrie, sondern auch für die Technologie-Nachfrage insgesamt. Der Technologiesektor beginnt sich allmählich von einer mehrjährigen Krise zu erholen, die hauptsächlich auf die weltweite Konjunkturabkühlung zurückging.

Gewinn je Aktie hat sich verdoppelt

Intel profitierte im vierten Geschäftsquartal (zum 27. Dezember) von einer starken Entwicklung im Kerngeschäft mit Mikroprozessoren, die gleichsam als die Gehirne von Personalcomputern fungieren. Trotz einer Sonderabschreibung von 611 Millionen Dollar auf das schwächer laufende Geschäft mit Lösungen zur drahtlosen Datenübertragung erwirtschaftete der Konzern einen Gewinn von 2,17 Milliarden Dollar.

Je Aktie ergab sich eine Verdopplung des Gewinns auf 33 (Vorjahresperiode 16) Cent. Das Ergebnis schließt einen Steuervorteil von neun Cent je Aktie ein, wovon nach Firmenangaben sechs Cent nicht erwartet worden waren. Der Gewinn lag über den Analystenerwartungen, die von 23 bis 28 Cent je Aktie reichten.

Der Umsatz legte um 22 Prozent auf 8,74 Milliarden Dollar zu. Von Reuters befragte Analysten hatten im Schnitt mit Erlösen von lediglich 8,65 Milliarden Dollar gerechnet, Intel selbst hatte 8,5 bis 8,7 Milliarden Dollar vorausgesagt.

Ausblick sorgt für Ernüchterung

"Auf den ersten Blick sehen die Zahlen in Ordnung aus", sagte Todd Clark von Wells Fargo Securities. Die nachbörslichen Kursverluste wurden von Stephen Massocca von Pacific Growth Equities auf den Intel-Ausblick zurückgeführt. "Ich denke, er ist wahrscheinlich ein bisschen konservativer als die Leute erwartet haben."

So sagte das im kalifornischen Santa Clara ansässige Unternehmen für das laufende erste Geschäftsquartal einen Umsatzrückgang zum Vorquartal voraus. Die Erlöse werden demnach nur noch zwischen 7,9 Milliarden und 8,5 Milliarden Dollar erwartet. Die durchschnittliche Analystenprognose beläuft sich hier auf 8,24 Milliarden Dollar.

Finanzchef rechnet mit ansteigenden IT-Investitionen

Intel-Finanzchef Andy Bryant sagte im Reuters-Interview, das Unternehmen sehe erste Anzeichen eines Anstiegs der IT-Investitionen. Darauf deute insbesondere eine überraschend starke Geschäftsentwicklung in Nordamerika und Westeuropa im vergangenen Quartal hin. Die Stärke in den Märkten in China, Russland und Indien habe zugleich angehalten.

Im laufenden Jahr wird Intel nach eigener Schätzung zwischen 3,6 und 4,0 Milliarden Dollar investieren, nach 3,7 Milliarden Dollar im vergangenen Jahr. Analysten äußerten die Einschätzung, dass sich die Investitionen für neue Ausrüstung bei Intel etwas langsamer entwickeln könnten als in der Branche insgesamt. Auch die Aktienkurse von Chip-Ausrüstern gaben im nachbörslichen Handel nach.