Intel Stars müssen höher springen

Welche Aktie hat im Dow Jones im vergangenen Jahr die größten Kursgewinne erzielt? Richtig. Nun muss Intel Farbe bekennen und seinen Gewinn fast verdoppeln. Schafft der Branchenführer diesen Sprung, könnte auch der Index neue Höhen erreichen.

Hamburg - Bescheidenheit hat an der Börse nichts zu suchen. Im Dezember ließ Intel-Chef Paul Otelli durchblicken, dass die Geschäfte im abgelaufenen vierten Quartal gut gelaufen sind, und erhöhte die Umsatzprognose auf 8,7 Milliarden Dollar. Das war zunächst einmal ein Schock. Anleger, die selbstverständlich deutlich mehr als läppische 8,7 Milliarden Dollar erwartet hatten, straften die Aktie prompt ab.

Mittlerweile hat das Papier aber seine Klettertour wieder aufgenommen. Die Aktie von Intel , die sich seit März mehr als verdoppelt hat, notiert derzeit bei rund 33 Dollar und damit etwa auf Zweijahreshoch. Mit einem Kursgewinn von 105 Prozent war sie im vergangenen Jahr das lohnendste Investment im Dow Jones .

Gewinn dürfte sich fast verdoppelt haben

Nun erwarten Analysten, das der weltgrößte Chiphersteller seine Gewinne im traditionell starken vierten Quartal im Vergleich zum Vorjahr vor Sonderposten fast verdoppelt hat. Der schwache Dollar wirkt bei dem US-Unternehmen wie ein Gewinnturbo: Der Konzern erzielt mehr als die Hälfte seiner Umsätze im Ausland, während die Kosten in Dollar anfallen. Für den erwarteten Gewinnsprung haben Zinssenker Alan Greenspan und Dollar-Weichmacher John Snow tüchtig Hilfestellung geleistet.

Analysten erwarten einen Gewinn von 30 US-Cent pro Aktie (EPS) vor Sonderposten. Nach Sonderposten und Wertberichtigungen sollten es mindestens 24 Cent pro Aktie sein. Die Erholung in der Chipbranche müsste damit beim Marktführer, der weltweit 80 Prozent der PC-Prozessoren und 16 Prozent der Halbleiter verkauft, voll durchschlagen.

Der Gewinnsprung kann deshalb so imposant ausfallen, weil Intel im Vergleichsquartal 2002 noch mit Schwierigkeiten zu kämpfen hatte. Ende 2002 hatte Intel einen Gewinn von 16 Cent je Aktie verbucht, der Umsatz lag bei 7,1 Milliarden Dollar. Ab Frühjahr 2003 zeigte sich jedoch eine deutliche Erholung auf dem Markt - die Aktie schritt bei der Erholungsrallye stets voran.

"Nur" erfüllen heißt verlieren

In welch dünner Höhenluft sich Intel inzwischen bewegt, deuten die Kursverluste unmittelbar vor Bekanntgabe der Quartalszahlen an. Sollte das Management die Erwartungen "nur" erfüllen, sind weitere Kursverluste programmiert. "Auf aktuellem Niveau ist eine Verdoppelung des Gewinns nahezu eingepreist", sagte ein Händler. Falls Intel nicht noch einen draufsetzt, dürfte die 35-Dollar-Marke kaum zu knacken sein.

Die Analysten von Prudential schätzen den Gewinn auf 25 Cent je Aktie und den Umsatz bei 8,7 Milliarden Dollar. Sie verwiesen auf den innovationsstarken Produktzyklus bei Laptops, Marktanteilsgewinne bei Chipsets und Motherboards und die Tatsache, dass immer mehr Unternehmen ihre Computer aufrüsten.