Märkte Anleger im Techfieber

Investoren setzen darauf, dass Intel, Yahoo und General Electric eine exzellente Berichtssaison einläuten. Die Technologiebörse Nasdaq notiert auf 30-Monats-Hoch und dürfte auch den Dax stützen. Für DaimlerChrysler gibt es gute Nachrichten.

Hamburg - Die Zuversicht kennt keine Grenzen. Technologiewerte haben in den USA ihre Rallye fortgesetzt, obwohl die Bewertungen in der Branche schon so stark gestiegen sind, dass der deutsche Konzern Siemens  gleich 150 Millionen Infineon-Aktien  auf den Markt geworfen und damit seine Beteiligung halbiert hat.

Doch jenseits des Atlantiks scheint man sich weniger Sorgen über Kursrückschläge zu machen als in Deutschland Großkonzernen. Trotz eines enttäuschenden Arbeitsmarktberichtes zum Ende der vergangenen Woche setzte der Technologieindex Nasdaq Composite  seine Klettertour fort und schloss bei 2111 Zählern, das ist der höchste Stand seit August 2001. Auch der Dow Jones  drehte im späten Handel noch in die Gewinnzone und schloss bei 10485 Punkten.

Rekordquartal erwartet - Nasdaq auf 30-Monats-Hoch

Der Grund für die anhaltende Kauflaune: US-Investoren erwarten ein Rekordquartal. Die US-Unternehmen dürften ihre Gewinne im abgelaufenen vierten Quartal so stark gesteigert haben wie seit zehn Jahren nicht mehr, schätzt der Finanzdienstleister Thomson / First Call. Er erwartet eine Gewinnsteigerung um durchschnittlich 26 Prozent, wobei die Technologie- und Finanzwerte zu den stärksten Werten zählen dürften.

Bei soviel Zuversicht legen Investoren ihr Geld weiter in Aktien an - zumal bei einem Zinssatz von 1,0 Prozent in den USA mit Anleihen derzeit kaum Geld zu verdienen ist. Deutliche Kursgewinne verbuchten die Techwerte Broadcom , Juniper Networks  und Yahoo , nachdem das Brokerhaus SG Cowen die Gewinnprognose für Yahoo  deutlich erhöht hat.

Yahoo vor Zahlen gefragt - Intel setzt Erwartungen hoch

Sowohl das Internet-Portal Yahoo als auch der weltgrößte Chiphersteller Intel  werden am Mittwoch ihre Quartalszahlen vorlegen. Intel selbst hatte im Dezember seine Umsatz-Prognose auf 8,7 Milliarden Dollar erhöht, die Aktie hat sich seit März mehr als verdoppelt.

Da gerät schon eher in den Hintergrund, dass die Investmentbank Merrill Lynch  die meisten Telekom-Ausrüster inzwischen wieder für "teuer" hält. Anleger sollten bei den hochkapitalisierten Unternehmen die großen, diversifizierten Konzerne wie Alcatel  und Nortel Networks  bevorzugen.

Good news für DaimlerChrysler

Dax kämpft mit 4000 Punkten

Der Dax  dürfte heute zum Auftakt wieder über die 4000-Punkte-Marke klettern, nachdem die US-Börsen im späten Handel den Sprung in die Gewinnzone geschafft haben. "Ob sich der Dax oberhalb von 4000 etabliert, hängt vor allem vom Verlauf der US-Berichtssaison in dieser Woche ab", sagte ein Händler. An den festen Euro hätten sich die Investoren inzwischen gewöhnt: Die Gemeinschaftswährung notierte am Dienstag Morgen bei 1,2765 US-Dollar.

Der etwas schwächere Euro und Neuigkeiten aus Wilmington könnten heute auch die Aktie von DaimlerChrysler  stützen. Im Milliardenprozess, den der Investor Kirk Kerkorian gegen den Konzern in den USA führt, hat der Autobauer einen Teilerfolg verbucht. Ein Sonderrichter, der prüfen sollte, ob DaimlerChrysler der Gegenseite absichtlich Unterlagen vorenthalten hat, kam am Montag zu dem Schluss, dass es dafür keinerlei Beweise gebe. Wann der Prozess weitergeht, ist noch nicht entschieden.

Kapitalspritze für Mitsubishi?

Unterdessen spekuliert der Markt weiterhin über eine Kapitalspritze von DaimlerChrysler an den japanischen Autobauer Mitsubishi. DaimlerChrysler-Finanzchef Manfred Gentz hatte vor wenigen Tagen erstmals nicht mehr ausdrücklich eine finanzielle Unterstützung für Mitsubishi abgelehnt. Es gebe eine Debatte um eine Kapitalerhöhung, eine Entscheidung sei aber noch nicht gefallen, hatte der Manager gesagt. Die Aktie von Mitsubishi hatte daraufhin zweistellig zugelegt.

Infineon angeschlagen - Gegenwind von Goldman Sachs

Anleger sind gespannt, ob sich Infineon  heute von seinen herben Vortagesverlusten erholen kann. Die Papiere waren am Montag um mehr als sechs Prozent eingebrochen, nachdem Siemens seine Beteiligung halbiert hatte.

Nun folgen negative Analystenkommentare. So hat die US-Investmentbank JP Morgan für das Jahr 2004 die Prognose beim Gewinn je Aktie (EPS) für den Chiphersteller um 16 Prozent und für 2005 um 9 Prozent gesenkt. Niedrigere Preise für Speicherchips und der starke Euro würden das Geschäft bei Infineon belasten, hieß es.

Die Analysten von Goldman Sachs senkten ihre EPS-Erwartungen für Infineon für das laufende Jahr von 0,32 auf nun 0,18 Euro. Das Papier bestätigten sie zugleich mit "In-line". Sollte der Branchenführer Intel  jedoch am Mittwoch die hohen Erwartungen noch übertreffen, dürften sich auch in der Chipbranche wieder neue Käufer finden.

Asien und Euro schwächer

Asien schwächer - Euro unter 1,28 Dollar

In Japan gab der Nikkei um 1,1 Prozent auf 10849 nach. Nach einem verlängerten Wochenende in Japan holten die Anleger die schwachen US-Arbeitsmarktdaten nach und nahmen einige Gewinne mit. Auch in Hongkong zeigte sich der Hang Seng schwächer.

Der Euro gab am Dienstag auf 1,2764 US-Dollar nach. Zum Yen notierte der Euro dagegen leichter mit 135,80-84 Yen. EZB-Trichet hat seine "verbale Intervention" am Montag nachgeholt, nachdem sich die EZB am vergangenen Donnerstag noch sehr gelassen gezeigt hatte. Man sei "besorgt und nicht gleichgültig" gegenüber dem Euro-Anstieg, hatte Trichet gesagt. Marktteilnehmer bezweifeln jedoch, dass diese Äußerungen den Kursanstieg des Euro über die Marke von 1,30 US-Dollar bremsen werden.

In China deutet sich unterdessen auf mittlere Sicht eine Lockerung des Wechselkurses an. Notenbankpräsident Zhou Xiaochuan hat eine Änderung der Wechselkurspolitik angedeutet, die sich aber sehr langsam vollziehen dürfte. Die chinesische Währung Renminbi Yuan ist mit einem festen Wechselkursband an den Dollar gebunden - an einer raschen Aufwertung der eigenen Währung hat China auf Grund seiner Exporte kein Interesse.

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