Dollarcrash Eingreifen der EZB gefordert

Der Euro setzt seinen Höhenflug fort und notiert zum Neuen Jahr über der Marke von 1,26 US-Dollar. Devisenexperten fordern bereits ein Einschreiten der Notenbank. Das US-Defizit und die Dollar-Schwindsucht dürften im Frühjahr auch die sieben wichtigsten Industrienationen beschäftigen.

Hamburg/Frankfurt am Main - Der Euro (Chart)  notierte am ersten Handelstag des neuen Jahres mit 1,2611 US-Dollar nur knapp unter seinem Rekordhoch, das er am Mittwoch erreicht hatte. Inzwischen mehren sich die Stimmen von Devisenexperten, die die Europäische Zentralbank zu Dollarkäufen auffordern, um die Abwertung der amerikanischen Währung zu bremsen.

"Wegen der labilen gesamtwirtschaftlichen Situation sollte die EZB am Devisenmarkt intervenieren", sagte der Würzburger Währungsexperte Peter Bofinger der "Financial Times Deutschland". Auch Joachim Fels, Europa-Chefvolkswirt von Morgan Stanley, rät zur Intervention: "Wenn sich der Euro nun schnell der Marke von 1,30 Dollar nähert, sollte die EZB Dollar kaufen", sagte Fels.

Eine zu schnelle Euro-Aufwertung kann die Konjunkturerholung in Europa gefährden, da europäische Exporte damit auf nichteuropäischen Märkten immer teurer werden. Die US-Regierung und die US-Notenbank Fed sehen im US-Wahl der Dollarabwertung gelassen zu, da sie die Exportchancen der eigenen Wirtschaft erhöht und gleichzeitig das enorme Handelsbilanzdefizit der USA über einen schwachen Dollar verringert wird.

20 Prozent aufgewertet - Intervention ab 1,30?

Insgesamt hat der Euro gegenüber dem Vorjahr knapp 20 Prozent zum Dollar aufgewertet. An den Märkten wird erwartet, dass Europas Währungshüter solange tatenlos zuschauen, wie der Anstieg in geordneten Bahnen verläuft. Ab einem Kurs von 1,35 Dollar je Euro wird aber mit einem Eingreifen der Notenbanken - sei es auch nur verbal - gerechnet, da sich der Kurs dann den historisch vergleichbaren Höchstkursen in alter D-Mark-Währung nähert.

Zudem werden Anfang Februar die Finanzminister der sieben führenden Industrienationen (G7) beraten. Dabei wird nach Angaben aus G7-Kreisen auch die Dollar-Schwäche zur Sprache kommen.

US-Daten enttäuschen

Neue US-Konjunkturdaten hatten den Dollar am Dienstag weiter geschwächt. Die Einkaufsmanagerindex für die Region Chicago ist im Dezember stärker als erwartet gefallen. Er sei von 64,1 Punkten im November auf 59,2 Punkte gesunken, teilte die regionale Einkaufsmanagervereinigung von Chicago am Dienstag mit. Volkswirte hatten zuvor lediglich mit einem Rückgang auf 62,9 Punkte gerechnet. Indexstände über 50 Punkten signalisieren eine Expansion des Sektors, während Werte darunter auf einen Rückgang hinweisen.

Der Chicago-Index gilt als zuverlässiger Indikator für den nationalen Einkaufsmanagerindex ISM der am Montag veröffentlicht wird. Auch das Verbrauchervertrauen ist von 91,7 Stellen auf 91,3 und damit stärker als erwartet gesunken.

Kapitalanleger suchen Alternativen zu den USA

Händler erklären die Dollar-Schwäche vorwiegend mit dem weltweiten Kapitalstrom, der mehr und mehr um die USA einen Bogen mache. Dies nähre auch die Zweifel an der Lösbarkeit der strukturellen Probleme der US-Wirtschaft wie den hohen Fehlbeträgen im Staatshaushalt und der Leistungsbilanz.

Das Haushaltsdefizit der USA hatte im vergangenen Fiskaljahr (zum 30. September) mit 374 Milliarden Dollar den höchsten Stand in der US-Geschichte erreicht, immerhin 3,5 Prozent des Bruttoinlandsproduktes der weltgrößten Volkswirtschaft.

Das Irak-Engagement sowie der Kampf gegen die mutmaßlichen Drahtzieher des Anschlags vom 11. September 2001 werden nach Angaben von Analysten auch 2004 auf dem Haushalt lasten. Derweil beläuft sich der Fehlbetrag in der Leistungsbilanz auf rund fünf Prozent des Bruttoinlandsproduktes.

Teil des Defizits wird über schwachen Dollar finanziert

Um das alles finanzieren zu können, müssten die USA Kapital anziehen. Doch zeigen die Statistiken, dass die Attraktivität der USA als Anlage-Land 2003 nachgelassen hat. Somit wird zum Teil der Fehlbetrag über den fallenden Dollar finanziert.

Die Europäer sehen indes die Kursentwicklung des Euro gelassen. So bezeichnete der Vizegouverneur der Österreichischen Nationalbank (OeNB), Wolfgang Duchatczek, am Montagabend den Wechselkurs des Euro zum Dollar als nicht bedrohlich und schloss sich mit dieser Einschätzung der deutschen Bundesregierung vom Vortag an.

Die Aussage aus G7-Kreisen, wonach ein Kursniveau des Euro von deutlich über 1,20 Dollar nicht im europäischen Interesse sein kann, blieb am Devisenmarkt ohne spürbare Auswirkung. Dies galt auch für die Aussage, wonach bei 1,30 Dollar die "Schmerzgrenze" erreicht sein soll.

G7-Treffen Anfang Februar

Zudem werden Anfang Februar die Finanzminister der sieben führenden Industrienationen (G7) beraten. Dabei wird nach Angaben aus G7-Kreisen auch die Dollar-Schwäche zur Sprache kommen. Zuletzt hatten die USA mit ihrem Drängen nach mehr Flexibilität den Märkten nach Ansicht von Händlern signalisiert, dass sie einer Abschwächung des Dollar-Kurses positiv gegenüberstehen. Dies hatte den Dollar weiter unter Druck gebracht.

Zu Jahresbeginn werden Analysten zufolge neue Konjunkturindikatoren aus den USA in den Mittelpunkt des Handels rücken. "Zahlreiche Marktteilnehmer setzen auf eine deutliche Wachstumsverlangsamung der US-Ökonomie während des ersten Vierteljahrs", schrieben die Analysten von Helaba Trust in einem Marktkommentar.

Nach Einschätzung von Thomas Mayer, Europa-Chefvolkswirt der Deutschen Bank, drohe der Weltwirtschaft mittelfristig eine Rezession. Dies werde noch nicht im Jahr 2004 der Fall sein. "Aber danach wird sich zeigen, dass das Defizit Amerikas nicht mehr finanzierbar ist. Dann steigen dort die Zinsen, um Kapital zu locken. Das wird den Aktienmarkt drosseln und die Nachfrage dämpfen. Das ist dann das rasche Ende dieses kurzen Aufschwungs", sagte Mayer der "Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung".

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