Euro-Höhenflug Wie reagiert die EZB?

Der Euro ist am Montag über 1,25 Dollar gestiegen. Der erneute Höhenflug der Gemeinschaftswährung konnte den Aufwärtstrend des Dax allerdings nicht bremsen. Jetzt rätseln Experten über eine mögliche Reaktion der EZB.

Hamburg/Frankfurt am Main - Der Euro (Chart)  hat zum Jahresende seinen Aufwärtstrend fortgesetzt und erstmals seit seiner Einführung an den Finanzmärkten vor fünf Jahren die Marke von 1,25 Dollar übersprungen. Mit zwischenzeitlich 1,2511 Dollar kostete die Gemeinschaftswährung am Montag so viel wie seit ihrer Einführung im Januar 1999 nicht mehr.

Die Gemeinschaftswährung nähere sich einem Niveau, das nun von den europäischen Währungshütern doch genauer beobachtet werden dürfte, sagten Händler am Montag. So prüfe die Europäische Zentralbank (EZB) angeblich eine Zinssenkung zur Dämpfung des Euro-Kursanstiegs, berichtete die FTD am Montag unter Berufung auf einen "hochrangigen Geldpolitiker" der EZB.

Die Aktienmärkte in Frankfurt zeigten sich von dem Höhenflug der Gemeinschaftswährung allerdings wenig beeindruckt. Unterstützt von einer festen Wall Street markierte der Dax  am Montag eine halbe Stunde vor Xetra-Handelsschluss mit 3955 Zählern den höchsten Stand in diesem Jahr und verbuchte ein Plus von 1,3 Prozent. Händler maßen den Kursbewegungen allerdings kaum Bedeutung zu und verwiesen auf äußerst niedrige Umsätze.

Wohin steuert die EZB?

Bis zum Herbst dieses Jahres hatte die EZB wiederholt erklärt, sie sehe keinen Grund für eine Senkung des Leitzinses von derzeit 2,0 Prozent. Devisenexperten hatten zudem noch vor wenigen Tagen den Anstieg der Gemeinschaftswährung damit begründet, dass die EZB nicht in den Devisenmarkt eingreifen werde. Sie beriefen sich dabei auf Kreise aus dem Umfeld der Währungshüter, wonach die EZB nicht intervenieren werde, bevor der Euro die Marke von 1,35 Dollar erreicht habe.

Die Äußerungen des von der FTD zitierten Geldpolitikers sowie jüngste Aussagen des niederländischen Notenbankchefs Arnout Wellink, der zugleich EZB-Ratsmitglied ist, deuteten nach Einschätzung der Zeitung jedoch auf einen möglichen Stimmungswechsel der Währungshüter hin.

Dagegen haben sich nach Informationen des "Handelsblatts" zwölf von 18 Mitgliedern des so genannten EZB-Schattenrates für eine Beibehaltung des gegenwärtigen Zinsniveaus ausgesprochen. Vier weitere Mitglieder empfehlen sogar, dass die EZB den Leitzinssatz auf 2,25 von 2,00 Prozent anheben soll. Lediglich zwei Mitglieder des Gremiums hätten sich für eine Zinssenkung auf 1,75 Prozent ausgesprochen, berichtete die Zeitung am Montag weiter. Der Schattenrat ist ein internationales Expertengremium, das jeweils vor den zinspolitischen EZB-Sitzungen eine Empfehlung abgibt.

US-Banken erwarten EZB-Zinsplus

US-Investmentbanken: EZB wird Zinsen erhöhen

Einer Umfrage des "Handelsblatts" unter amerikanischen Investmentbanken zufolge, gehen Institute wie Merrill Lynch, Goldman Sachs oder auch Credit Suisse First Boston davon aus, dass die EZB noch vor der US-Notenbank die Leitzinsen erhöhen werde.

Ian Stewart, Chefvolkswirt von Merrill Lynch, begründete seine Einschätzung dem Bericht zufolge mit der Annahme, dass die Inflationsrate in Euroland über der Marke von zwei Prozent bleiben, die Geldmenge zu stark wachsen und gleichzeitig die Konjunktur in Gang kommen werde. In den USA hingegen sei die Inflationsrate nicht nur niedriger als im Euro-Raum, sondern sie liege auch unter dem von der Fed angestrebten Wert, begründete Stewart seine Prognose, dass die US-Notenbank die Leitzinsen im kommenden Jahr nicht erhöhen werde.

Die US-Währung leidet nach einhelliger Übereinstimmung von Volkswirten und Devisenmarktexperten vor allem unter dem hohen Zwillingsdefizit der USA. Darunter verstehen die Experten die hohen Fehlbeträge in der US-Leistungsbilanz und im US-Haushalt. "Die Kursbewegungen gehen vom Dollar aus", sagte Währungsstratege Aziz McMahon von ABN Amro am Montag. "In einem durch Feiertage ausgedünnten Markt hat nichts die negative Stimmung für den Dollar aufhellen können." Ein anderer Banker erklärte: "Der Verkaufstrend beim Dollar ist unverändert. Der Markt konzentriert sich weiterhin auf das Zwillingsdefizit in den USA. Solange sich daran nichts ändert, glaube ich nicht, dass der Dollar wieder gekauft wird."

Deutsche Bank sieht Rezessionsgefahr

Verunsichert hätten die Kapitalmarktteilnehmer auch auf das Auftreten eines Falles der Rinderseuche BSE in den USA reagiert, sagten Händler. Nach dieser Meldung vom Wochenende hätten mehr als zwei Dutzend Länder vorsorglich ihre Rindfleischimporte aus den USA gestoppt. Der US-Agrarwirtschaft drohen nach Einschätzung von Volkswirten Milliardenverluste.

Zu Jahresbeginn werden Analysten zufolge neue Konjunkturindikatoren aus den USA in den Mittelpunkt des Handels rücken. "Zahlreiche Marktteilnehmer setzen auf eine deutliche Wachstumsverlangsamung der US-Ökonomie während des ersten Vierteljahrs", schrieben die Analysten von Helaba Trust in einem Marktkommentar.

Nach Einschätzung von Thomas Mayer, Europa-Chefvolkswirt der Deutschen Bank, drohe der Weltwirtschaft mittelfristig eine Rezession. Diese werde noch nicht in 2004 der Fall sein. "Aber danach wird sich zeigen, dass das Defizit Amerikas nicht mehr finanzierbar ist. Dann steigen dort die Zinsen, um Kapital zu locken. Das wird den Aktienmarkt drosseln und die Nachfrage dämpfen. Das ist dann das rasche Ende dieses kurzen Aufschwungs", sagte Mayer der "Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung".

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