Thilenius-Kolumne Chinas Börse wünscht "Guten Appetit!"

Fulminant stieg die Aktie des größten chinesischen Lebensversicherers China Life beim Börsengang. Die Phantasie der Anleger ist mittlerweile jedoch kräftig erwärmt, das Aufwärtspotenzial beschränkt. Andere Aktien dürften von einem anhaltenden China-Boom stärker profitieren.

Chinesische Restaurants sind innen in einem warmen, roten Ton angestrichen. Dies soll den Appetit fördern und die Gäste wiederbringen. Eine rein psychologische Wirkung. Das gute chinesische Essen ist oft sehr kräftig gewürzt, gilt als bekömmlich und soll ebenfalls die Gäste zum Wiederkommen animieren.

Ganz ähnlich sieht es derzeit an der chinesischen Aktienbörse aus. Die Aussichten auf ein kräftiges und langfristiges Wirtschaftswachstum im größten Land Welt mit mehr als einer Milliarde Einwohnern nach 50 Jahren Sozialismus hat die Phantasie der Anleger bereits kräftig erwärmt.

Jetzt bricht in China das Fieber der Neuemissionen aus, ein wenig wie wir es vom neuen Markt in den Jahren 1998-2000 kennen. Eine besonders spektakuläre Neuemission ist die in der vergangenen Woche erstmals notierte Aktie der großen Versicherung China Life . China Life ist die größte Versicherung des größten Landes der Welt und bedient einen Markt mit mehr als einer Milliarde Menschen.

Neuemissions-Boom wird nach Kräften angeheizt

Klar ist, dass die Emittenten und internationalen Investmentbanken mit allen ihnen zur Verfügung stehenden Mitteln den Boom bei Neuemissionen ebenso anheizen wie das gute Essen im chinesischen Restaurant. Die größte Neuemissionen des Jahres 2003 hat mehr als drei Milliarden Dollar gebracht. Der Kurs ist am ersten Tag um 24 Prozent gestiegen.

Nach dem Erfolg von China Life stehen bereits Unternehmen aus den Branchen Auto und Bergbau Schlange, um weitere 3,5 Milliarden Dollar in der nächsten Zeit auf den Markt zu bringen. Im Jahr 2004 wird wahrscheinlich auch ein Chiphersteller an die Börse gehen. Der an China interessierte Investor sollte aber China Life nicht nachlaufen.

Zwar sind die Chinesen sparsame Leute: Lebensversicherung macht nur etwa 2 Prozent von Chinas Bruttosozialprodukt aus im Vergleich zu 6 Prozent in Taiwan. Aber China Life ist recht hoch bewertet. Die derzeitige Bewertung liegt etwa auf der Höhe von anderen Lebensversicherungsunternehmen.

Zwei Kernprobleme für China Life

China Life sollte jedoch deutlich billiger sein. Das Unternehmen hat eine niedrige zweistellige Kapitalrendite was recht wenig in einem Markt ist, in dem ab 2004 und 2005 ausländische Wettbewerber zugelassen werden - nach den Regeln der World Trade Organisation.

Beobachter meinen auch, dass das Management nicht so gut wie in anderen Lebensversicherungen sei. Die frühere Muttergesellschaft von China Life, die das selbe Management hat wie die jetzige China Life, versprach in den 90er Jahren Renditen von mehr als 10 Prozent, als chinesische Anleihen eine Rendite von 11 Prozent hatten. Diese Policen fuhren jedoch hohe Verluste ein, als die chinesischen Zinsen auf zwei Prozent sanken. Die Aktionäre der neuen China Life haben zwar nicht diese verlustreichen Policen geerbt, das Management ist aber noch dasselbe.

Die Probleme der europäischen Versicherungsgesellschaften zeigen, dass selbst exzellentes Management Schwierigkeiten mit Kapitalanlagen nicht verhindern kann. Der weitsichtige Investor sollte China Life nicht nachlaufen, sondern auf eine bessere Gelegenheit warten.

Derartige Gelegenheiten liegen beispielsweise in den Aktien der großen Konsumgüter Hersteller wie Procter & Gamble  und Colgate Palmolive , die bereits ein starkes und wachsendes Geschäft in Ländern wie China haben und von dort aus auch in den nächsten Jahren hohe Wachstumsraten erzielen werden.

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