Volkswagen Golf V und China sind die Trumpfkarten

Erfüllt der neue Golf die hohen Erwartungen, dürfte es 2004 mit Volkswagen weiter aufwärts gehen. Mehr als fünf Millionen verkaufte Fahrzeuge sind das Ziel: China bleibt der wichtigste Markt, ein weiterer Dollar-Verfall das größte Risiko.

Das Jahr 2003 endet für Volkswagen eher unerfreulich. Sowohl das Luxusmodell Phaeton als auch der neue Golf V bleiben hinter den hoch gesteckten Erwartungen zurück: VW werde das Absatzziel für sein wichtigstes Modell verfehlen, räumte VW-Chef Bernd Pischetsrieder in einem Zeitungsinterview ein. Bis zum Jahresende würden 25.000 neue Golf weniger gebaut als die geplanten 135.000.

Dennoch bleibt der neue Golf der Hoffnungsträger, der im kommenden Jahr für die Ertragswende beim VW-Konzern sorgen soll. Mit bislang mehr als 22 Millionen verkauften Exemplaren aller Modellgenerationen ist der Golf noch vor dem Käfer das erfolgreichste Auto von VW.

Die Börse hat den ersehnten Aufschwung in der Autoindustrie bereits vorweg genommen. Seit März hat die Aktie von Volkswagen  rund 30 Prozent zugelegt und notierte zum Jahresende bei rund 43 Euro, obwohl auch der Start des Luxusmodell Phaeton alles andere als erfolgreich war. Statt der ursprünglich geplanten 12.000 bis 14.000 Fahrzeuge kann VW nach Informationen des Nachrichtenmagazins "DER SPIEGEL" in diesem Jahr gerade einmal 6000 Oberklasse-Limousinen verkaufen. Vergleichbare Fahrzeuge der Konkurrenz erreichten rund zehnmal so hohe Absatzzahlen.

Für weiteren Gegenwind hat zum Jahresende die Ratingagentur Moody's gesorgt, die das langfristige Kreditrating des Konzerns von "A1" auf "A2" gesenkt hat. Die schwache Ertragsentwicklung in 2003 und die verhaltenen Aussichten für 2004 sorgen nach Einschätzung der Kreditwächter für einen negativen Ausblick. Die neue Einstufung reflektiere außerdem den stagnierenden europäischen Automarkt mit ansteigendem Konkurrenzdruck und härterem Preiskampf.

5,3 Millionen verkaufte Autos sind das Ziel

Doch trotz dieser Widrigkeiten bleiben viele Analysten optimistisch, dass die Aktie im Jahr 2004 weiter zulegen kann. Sie stützen sich auf die ungebrochene Zuversicht des Konzernchefs: Er sei zuversichtlich, dass VW das für 2004 gesteckte Absatzziel von 600.000 Golf erreichen werde, betonte Pischetsrieder. Für 2004 strebe der Konzern weltweit eine Absatzsteigerung von derzeit fünf Millionen Fahrzeugen auf 5,3 Millionen Autos an.

Große Hoffnungen setzt Pischetsrieder außerdem auf das geplante Premium-Modell C 1, das 2007 auf den Markt kommen soll. Es ist zwischen Passat und dem Phaeton angesiedelt und als VW-Offensive gegen die Mercedes C-Klasse und die BMW-5-er-Reihe gedacht. Weltweit würden jährlich in der C-Klasse Ergebnisbeiträge von 61 Milliarden Euro erzielt. In der Golf-Klasse seien es nur 30 Milliarden Euro.

Touran und Touareg bereiten den Wolfsburgern dagegen schon jetzt Freude. Der Kompaktvan Touran habe in Deutschland bereits die Marktführerschaft in seinem Segment erobert. Der Touareg sei nach erfolgreichem Start auch in den USA zum besten Geländewagen der Luxusklasse gekürt worden.

Mehr Modelle mit geringeren Kosten

Mehr Modelle mit geringeren Kosten

Trotz stark gekürzter Investitionen will der VW daher keine Abstriche bei der geplanten Produktoffensive zulassen. "Wir werden eine größere Anzahl von Modellen mit geringeren Kosten herstellen", sagte Pischetsrieder in einem Interview des manager magazins. Dabei soll auch die Modulstrategie helfen.

Das volle Ertragspotenzial des Unternehmens werde erst im Jahr 2005 sichtbar werden, meint VW-Finanzchef Hans Dieter Pötsch. Bei anspringender Autokonjunktur hält VW selbst bis 2008 einen weltweiten Absatz von mehr als sechs Millionen Autos für möglich.

China bleibt wichtigster Markt für VW

Während die Absatzmärkte in Europa und Südamerika weiterhin schwierig bleiben und das Nordamerika-Geschäft nach wie vor durch extrem hohe Rabatte der US-Hersteller geprägt sei, entwickle sich die Region Asien/ Pazifik "äußerst positiv", erläuterte der Konzernchef. Der chinesische Markt bleibe mit zweistelligen Zuwachsraten der wichtigste Wachstumsmarkt für Volkswagen. Diesem Wachstum werde man mit dem Ausbau der dortigen Kapazitäten Rechnung tragen.

Die Analysten von Credit Suisse und Helaba Trust trauen Volkswagen für 2004 noch einiges zu. Die Lieferschwierigkeiten beim Golf V werden nur geringe Auswirkungen auf das Gesamtergebnis haben, heißt es bei Helaba Trust. Auch Credit Suisse rät zum Kauf und verweist vor allem auf das Wachstum in China. Mit Überkapazitäten rechnen die Analysten in den nächsten beiden Jahren nicht. Wenn sich das lokale Wachstum in zwei bis drei Jahren abschwächen werde, erwarten die Analysten erste Exporte nach Europa, vorausgesetzt die Qualität erreiche bis zu diesem Zeitpunkt den entsprechenden Standard.

Ein Risikofaktor für VW - wie auch für die anderen deutschen Autohersteller - bleibt jedoch der schwache Dollar. Die Analysten der HypoVereinsbank bewerten Volkswagen daher mit "Underperformer" und sehen ein Kursziel von 37 Euro. Sollte der Golf V enttäuschen und neben dem schwachen Dollar, dem hohen Investitionsaufwand und dem schwachen westeuropäischen Automarkt ebenfalls zum Problem für VW werden, seien für 2004 und 2005 keine großen Sprünge zu erwarten.

Neues Jahr, neues Glück


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