Märkte "Saddam-Effekt" nahezu verpufft

Die Festnahme des ehemaligen Diktators Saddam Hussein hat die Märkte am Montag nur vorübergehend beflügelt. Mit deutlichen Kursabschlägen reagierten dagegen die Aktien von Einzelhandelskonzernen auf den Steuerkompromiss. Die Steuerentlastung wird in 2004 demnach nur halb so hoch ausfallen wie geplant.

Hamburg/Frankfurt am Main - An der Frankfurter Börse haben die Indizes am Montag mit Gewinnen geschlossen. Der "Saddam-Effekt" hielt allerdings nicht lange vor. Nachdem US-Truppen den ehemaligen irakischen Diktator Saddam Hussein am Wochenende gefangen genommen hatten, markierte der Dax  am Montag zu Handelsbeginn zunächst ein Jahreshoch bei 3930 Punkten, gab einen Großteil der Gewinne zum Handelsschluss aber wieder ab.

"Die US-Börsen liegen nicht so deutlich im Plus, wie sich das einige vielleicht erhofft haben und das belastet auch den Dax. Außerdem legt der Euro wieder etwas zu", sagte ein Händler. Der Euro lag am Abend bei 1,2285 Dollar.

Im elektronischen Xetra-Handel legte der Index um 0,40 Prozent auf 3875 Zähler zu. Der MDax  stieg um 0,03 Prozent auf 4452 Punkte und der TecDax  um 0,26 Prozent auf 546 Punkte. Am Devisenmarkt übersprang der Euro am Abend kurzzeitig die Marke von 1,23 Dollar.

Zum Handelsschluss in Deutschland notierte an der Wall Street der Dow Jones  0,6 Prozent fester bei 10.105 Punkten. Der Index für die US-Technologiebörse gewann 0,4 Prozent auf 1956 Zähler hinzu. Nach US-Börsenschluss erwarteten die Märkte die Quartalszahlen des US-Softwarekonzerns Oracle .

Die Terrorgefahr ist noch nicht gebannt

Aktienstrategen hatten zwar bereits am Sonntag mit steigenden Kursen zu Wochenbeginn gerechnet. Wie Volker Borghoff, von HSBC Trinkaus & Burkhardt, gaben sie aber zu bedenken, dass mittelfristig die Gefahr durch terroristische Anschläge noch nicht vom Tisch sei. Man wisse schließlich nicht, inwiefern Saddam Hussein die Anschläge im Irak gesteuert habe.

Positiv wirkte die Festnahme Saddams nach Einschätzung von Händlern auf Luftfahrt- und Touristikwerte, die nach Anschlägen immer überproportional betroffen seien. Mit einem Plus von 2,4 Prozent auf 13,02 Euro setzten sich die Lufthansa -Aktien an die Spitze der Dax-Gewinner. Die Titel von Tui  legten um 0,8 Prozent auf 16,26 Euro zu.

Bei der Lufthansa begründeten Händler die Zugewinne auch mit Plänen für Einsparungen bei der Frachttochter. Lufthansa Cargo will bis 2005 rund 300 Millionen Euro einsparen und die Stückkosten "im niedrigen zweistelligen Prozentbereich" senken.

Einzelhandelswerte verlieren nach Steuerkompromiss

Börsianer äußerten sich enttäuscht über die Einigung im Vermittlungsausschuss über die vereinbarte Halbierung der Steuerentlastungen für das kommende Jahr. Regierung und Opposition hatten sich in der Nacht zum Montag auf Steuerentlastungen von 7,8 Milliarden Euro verständigt, nachdem die ursprünglichen Planungen 15,6 Milliarden Euro umfasst hatten.

"Die Lösung ist eigentlich eine Enttäuschung, da viel mehr angekündigt worden war, als jetzt letztendlich umgesetzt wurde", sagte Aktienstratege Klude. "Diese Reform wird definitiv nicht den erhofften Ruck für die Konjunktur bringen", sagte Händler Stefan Müller vom Bankhaus Sal. Oppenheim.

Die Enttäuschung über die geringer als erhoffte Steuerentlastung belastete Einzelhandelswerte. "Den Konsumenten wird im kommenden Jahr weniger Geld als bisher geplant zur Verfügung stehen", sagte Analyst Thilo Kleibauer von M.M. Warburg. Zudem hatte die Branche zuvor eine ernüchternde Bilanz des bisherigen Weihnachtsgeschäfts gezogen.

KarstadtQuelle-Aktie schmiert ab

Papiere von Metro  fielen um 1,34 Prozent auf 36,01 Euro. KarstadtQuelle -Aktien brachen im MDax  um 7,60 Prozent auf 20,80 Euro ein. Titel der Parfümerie-Kette Douglas  verloren 1,82 Prozent auf 22,68 Euro.

Das Schlusslicht im Dax bildeten die Papiere von Henkel . Der Kaufpreis von rund 2,9 Milliarden Dollar für die angekündigte Übernahme des US-Konkurrenten Dial belastete nach Einschätzung von Händlern die Titel des Düsseldorfer Konsumgüterkonzerns. Henkel-Aktien verloren knapp vier Prozent auf 59,30 Euro.

Die Papiere von Bayer  gewannen 0,6 Prozent auf 22,39 Euro, obwohl der Pharma- und Chemiekonzern eine Wertberichtigung in Höhe von 2,2 Milliarden Euro für das vierte Quartal angekündigt hatte.

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