China Life "Der Geruch von schnellem Geld"

Es wird der größte Börsengang des Jahres, wenn der chinesische Lebensversicherer diese Woche erstmals in New York und Hongkong notiert wird. Händler sprechen bereits von einem vorgezogenen Weihnachtsgeschenk.

Peking/Hongkong - Es ist weltweit der größte Börsengang des Jahres. Drei Milliarden US-Dollar werden die Aktien in die Kassen des größten chinesischen Lebensversicherers China Life Insurance Co. bringen. Es ist auch der erste Versicherer der Volksrepublik, der von Mittwoch an auf dem Börsenparkett in New York zu haben ist. Am Tag darauf beginnt der Handel in Hongkong. Nach drei Jahren Unsicherheit auf den Aktienmärkten keimt mit dem Börsengang neuer Optimismus, vor allem weil in diesem Jahr und insbesondere im letzten Quartal wieder zunehmend mehr Unternehmen an die Börse gegangen sind.

Die 6,47 Milliarden Aktien sind derart weit überzeichnet, dass der Einstandspreis in Hongkong am obersten Ende der Bietpreisspanne von 2,98 und 3,65 Hongkong-Dollar liegt. Einige Analysten sprechen begeistert von einem frühen "Weihnachtsgeschenk" und erklären: "Der Geruch von schnellem Geld hängt wieder in der Luft." Die Stimmung für chinesische Aktien ist ohnehin gut. Ihr Indexstand in Hongkong hat sich in diesem Jahr verdoppelt und ein Sechs-Jahres-Hoch erreicht. So wird beim Einstand von China Life ein Kurssprung von möglicherweise 25 bis 30 Prozent erwartet.

Die Begeisterung rührt vor allem daher, dass China Life etwa die Hälfte des schnell wachsenden Marktes mit Lebensversicherungen in China kontrolliert. Der Gewinn des Unternehmens soll dieses Jahr um 18 Prozent auf 5,4 Milliarden Yuan (534 Millionen Euro) steigen. Das Prämienaufkommen dürfte nächstes Jahr um 20 Prozent zunehmen. Positiv stimmt ferner die hohe Wachstumsrate der chinesischen Wirtschaft von derzeit acht Prozent, die auch in den kommenden Jahren erreicht werden soll.

Branche mit Rückenwind

Versicherer in China haben dieses Jahr mit einem Volumen von 305,4 Milliarden Yuan (30 Milliarden Euro) schon 45 Prozent mehr Verträge als im Vorjahr abgeschlossen. Sie können in die Lücken vorstoßen, die der Staat bei seinem Rückzug aus der kommunistischen Rundumversorgung des Milliardenvolkes hinterlässt. Chinas neue Wohlstandsbürger, die schon Auto und Wohnung haben, wenden sich jetzt Versicherungen zu. "Das Einnahmepotenzial ist sehr hoch", sagte Raymond Chan von der Pacific Century Insurance Holdings in Hongkong. "Die wesentliche Unsicherheit ist die Fähigkeit, in Zukunft die Kunden zu halten."

Mit der Marktöffnung durch Chinas Beitritt in die Welthandelsorganisation (WTO) muss sich China Life wachsendem Wettbewerb durch ausländische Versicherer stellen. Beobachter warnen zudem vor den begrenzten Möglichkeiten von China Life, auf Chinas Kapitalmarkt zu investieren. Das Bankensystem Chinas, das von faulen Krediten geplagt ist, berge weitere Risiken. Ferner hinkten Aufsicht und interne Kontrollen im Versicherungswesen hinter den Standards entwickelter Staaten her.

Solche Warnungen weist Zuo Xiaolei von der größten chinesischen Wertpapierfirma Yinhe zurück. Mit dem Börsengang unterwerfe sich China Life internationalen Standards. Der Lebensversicherer sei zum Erfolg verurteilt. "Wer als erster vorangeht, muss erfolgreich sein, weil er als Beispiel dient", sagte die Analystin. China Life ist der zweitgrößte Börsengang eines chinesischen Unternehmens überhaupt und wird nur von China Unicom mit 5,25 Milliarden US-Dollar im Jahre 2000 übertroffen. Das frühere Staatsunternehmen genieße starke politische Unterstützung durch die Regierung. "Deswegen ist das Risiko relativ gering."

Andreas Landwehr, dpa

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