Bayer Der Abschreibungshammer

Der Chemie- und Pharmakonzern muss überraschend hohe Wertberichtigungen in Milliardenhöhe vornehmen und prognostiziert für das Gesamtjahr nun einen Verlust. Analysten senken den Daumen.

Leverkusen - Aufgrund der beschlossenen strategischen Neuausrichtung des Konzerns werde Bayer  für das vierte Quartal Wertberichtigungen in Höhe von rund 2,2 Milliarden Euro vornehmen, teilte das Unternehmen am Montagmittag mit. Allein in den Industriebereichen Polymere und Chemie dürften die Wertberichtigungen bei 1,7 Milliarden Euro liegen, weitere 500 Millionen Euro sollen im Bereich HealthCare wertberichtigt werden, hieß es.

Durch die Wertberichtigungen werde das operative Ergebnis (Ebit) voraussichtlich mit rund zwei Milliarden Euro belastet, hieß es. Daher werde der Konzern das Geschäftsjahr 2003 mit einem Betriebsverlust abschließen. Das Finanzergebnis werde mit 200 Millionen Euro beeinflusst.

Gleichwohl hält der Konzern vor Berücksichtigung dieser Sondereinflüsse an seiner Ergebnisprognose für das Gesamtjahr fest, das Ebit im zweistelligen Prozentbereich zu steigern.

Die Aktie wurde kurzfristig vom Handel ausgesetzt und fiel im am Nachmittag um 0,6 Prozent auf 22,13 Euro. "Die Höhe der Wertberichtigungen von 2,2 Milliarde Euro ist eine negative Überraschung", sagte Analyst Dennis Nacken von HelabaTrust. Er bestätigte den Titel mit "Untergewichten" und einem Kursziel von 20 Euro.

Analystin Silke Stegemann von der Landesbank Rheinland-Pfalz (LRP) sagte: "Die Höhe ist für uns eine negative Überraschung." Auch der Zeitpunkt verwundere. Ähnlich äußerte sich ein anderer Analyst. "Das ist eine sehr negative Nachricht." Auch sei fraglich, ob die Dividendenfähigkeit tatsächlich nicht durch die Maßnahme beeinträchtigt werde. Die Abschreibungen seien höher als erwartet ausgefallen. Auch ein Frankfurter Händler zeigte sich von der Nachricht "negativ überrascht".

"Sie versuchen, den Schreibtisch für die neue Strategie aufzuräumen", kommentierte Boris Boehm, Fondsmanager bei der Hamburger Nordinvest. "Es ist ein Schock und eine Überraschung, dass sie so eine hohe Wertberichtigung vorzeigen." Nach den guten Nachrichten für Bayer, werde dies den Aufwärtstrend der Aktien aufhalten, prognostizierte Boehm.

Bayer hob allerdings hervor, dass die Wertberichtigung nicht zahlungswirksam sei. Sie führe somit weder zu einer Beeinträchtigung des Mittelzuflusses (Cash-Flows) noch zu einer Beeinträchtigung der Dividendenfähigkeit.

Bei den im vergangenen Monat vorgestellten Geschäftszahlen zum dritten Quartal hat Bayer bereits auf Wertberichtigungen hingewiesen, allerdings keine genauen Zahlen genannt. Im Rahmen der Neuausrichtung wolle das Unternehmen die Bewertungen aller relevanten Vermögenswerte überprüfen, hieß es. Daraus könnten sich Belastungen für das Ergebnis im vierten Quartal ergeben, kündigte Bayer an.

Bayer hatte unlängst mitgeteilt, seine traditionelle Konglomeratsstruktur aufzubrechen. Teile der Chemie- und Polymergeschäfte sollen bis Anfang 2005 an die Börse gebracht oder als Spin-Off weiter geführt werden. Bisheriger Arbeitstitel der Geschäfte ist NewCo.

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