Steuerkompromiss Karstadt-Aktie schmiert ab

Die "Steuerreform light" wird der Konjunktur nicht den erhofften Auftrieb bringen. Das Ifo-Institut spricht von einem "Reförmchen". Aktien der Einzelhandelskonzerne KarstadtQuelle und Metro geben deutlich ab.

Frankfurt - Enttäuschung über den Kompromiss zum Vorziehen der Steuerreform hat die Anleger am Montag nach Einschätzung von Händlern zum Verkauf von Aktien aus der Einzelhandelsbranche veranlasst. Nach drei Adventswochenenden zog die Branche am Wochenende eine ernüchternde Zwischenbilanz.

"Diese Reform wird definitiv nicht den erhofften Ruck für die Konjunktur bringen", sagte Händler Stefan Müller vom Bankhaus Sal. Oppenheim. "Ich kann mir nicht vorstellen, dass die Menschen jetzt im verbliebenen Weihnachtsgeschäft mehr Geld ausgeben werden."

Die im Dax  notierten Aktien von Metro  lagen am Montagnachmittag rund zwei Prozent im Minus bei 35,80 Euro. Die Papiere von KarstadtQuelle  verloren rund 6,50 Prozent auf 21,05 Euro. Die ebenfalls im MDax  geführten Titel von Douglas  rutschten um ein halbes Prozent auf 23 Euro ab. Der Gesamtmarkt tendierte dagegen freundlich.

Regierung und Opposition einigten sich im Vermittlungsausschuss in der Nacht zum Montag bei zentralen Reformvorhaben. Allerdings fiel der Umfang der geplanten Steuerentlastungen mit 7,8 Milliarden Euro aber nur halb so groß aus wie zunächst geplant. Finanziert wird das Paket unter anderem durch eine Kürzung der Pendlerpauschale und der Eigenheimzulage sowie durch weitere Privatisierungen von Staatsbesitz.

Ifo-Institut: Deutschland zu großen Reformen unfähig

Nach Einschätzung des Ifo-Instituts wird der Steuerkompromiss die Konjunktur nicht beflügeln. "Wir erwarten keinen konjunkturellen Effekt, es wird eher die Enttäuschung dominieren", sagte Rüdiger Parsche, Leiter des Tfo-Bereichs Öffentlicher Sektor, am Montag. Der Kompromiss zeige, dass Deutschland zu großen Reformen nicht in der Lage sei. "Jetzt ist es halt ein Reförmchen geworden."

Grundsätzlich sei aber jeder Schritt zu begrüßen, der zu hohe Abgabenbelastung reduziere. Daher sei der Steuerkompromiss besser als nichts. Das Weihnachtsgeschäft zeige, dass die Verbraucher derzeit extrem zurückhaltend seien, sagte Parsche. Dies werde sich jetzt wohl nicht ändern. "Das war nicht der große Startschuss."

"Die Aktien sind im Minus, weil die Anleger enttäuscht darüber sind, dass die Steuerentlastung geringer als erwartet ausfällt", erklärte Analyst Thilo Kleibauer von M.M. Warburg. "Den Konsumenten wird im kommenden Jahr weniger Geld als bisher geplant zur Verfügung stehen. Das ist ein Thema, das die Aktionäre sehr sensibel verfolgen." KarstadtQuelle etwa erziele rund 90 Prozent seines Umsatzes in Deutschland.

Rabattschlacht und geringe Kauflust drücken die Stimmung

Händler Müller ergänzte: "In den Einzelhandelswerten war sicher mehr als die beschlossene Steuersenkung eingepreist, deshalb geben die Kurse nach." Nach Einschätzung Kleibauers ist der gefundene Kompromiss keine wirkliche Verbesserung für die Verbraucher und somit für den Einzelhandel. "Das Geschäftsumfeld war schwierig und es wird auch weiterhin schwierig bleiben."

Eine Rabattschlacht ohne gleichen und die nach wie vor gebremste Kauflust der Konsumenten lassen den Handel nach drei Adventswochenenden eine ernüchterte Zwischenbilanz ziehen. Zwar berichteten Händler diesmal vielerorts von vollen Geschäften - aber der erhoffte Durchbruch im bislang flauen Weihnachtsgeschäft bleibt nach verbreiteter Einschätzung weiterhin aus.

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