Märkte Börse feiert Husseins Festnahme

Der Dax ist zum Wochenauftakt auf ein Jahreshoch geklettert. Die Festnahme des irakischen Ex-Diktators Hussein und die Steuerreform treiben den Aktienmarkt an. Henkel leidet unter der angekündigten milliardenschweren Übernahme in den USA.

Frankfurt/New York - Zum Wochenauftakt zeigt sich die Börse von ihrer besten Seite. Bereits im frühen Handel ist der Dax  auf ein neues Jahreshoch von 3930 Punkten geklettert. Im weiteren Verlauf reduzierten sich die Gewinne bis zum Mittag leicht auf ein Plus von 1,5 Prozent auf 3916 Zählern.

Vor allem die am Wochenende gemeldete Festnahme vom irakischen Ex-Diktator Saddam Hussein habe die Börse beflügelt, hieß es auf dem Parkett. Die in der Nacht zum Montag verabschiedete Steuerreform hat hingegen zwiespältige Reaktionen ausgelöst.

"Mit der Gefangennahme von Hussein steigt die Hoffnung, dass sich der Irak-Konflikt schneller löst als bisher gedacht", sagte ein Helaba-Händler am Montagmorgen. Das spare Kosten. Zugleich könne eine konstantere Ausfuhr von Öl aus dem Irak eine Entspannung für den Ölpreis bringen.

Angesichts der guten Rahmenbedingungen halten viele Marktbeobachter nun auch einen Sprung über die 4000-Punkte-Marke im Dax noch vor Weihnachten für möglich. Die Nachricht von der Gefangennahme könne möglicherweise sogar für eine Jahresendrallye sorgen, gab sich Giuseppe Amato, Marktanalyst bei Lang & Schwarz, optimistisch. Luftfahrt- und Touristikwerte könnten zunächst profitieren, weil die Gefahr von Anschlägen möglicherweise sinke.

Politische Börsen haben kurze Beine

Trotz der Gefangennahme von Hussein warnten einige Marktteilnehmer vor allzu großen Hoffnungen. In der Vergangenheit habe sich bereits mehrfach gezeigt, dass von politischen Effekten ausgelöste Kurssteigerungen sich langfristig meist nicht halten könnten.

Volker Borghoff, Aktienstratege von HSBC Trinkaus & Burkhardt, gab zu bedenken, dass: mittelfristig die Gefahr durch terroristische Anschläge noch nicht vom Tisch sei. Man wisse schließlich nicht, inwiefern Saddam Hussein die Anschläge im Irak gesteuert habe.

Ob mit der Verhaftung ein stabiles Fundament für langfristige Kurssteigerungen gelegt wurde, wird sich nach Ansicht von Raed Mustafa von der Baden-Württembergischen Bank er dann zeigen, wenn absehbar wird, ob der Widerstand tatsächlich geschwächt oder eher noch angefacht werde. Mit der Festnahme Husseins verringern sich nach Ansicht von Mustafa jedoch letztendlich die Probleme der Amerikaner im Irak nicht. "Daher ist zunächst einmal nur ein kurzfristiger positiver Effekt an den internationalen Börsen sicher."

Steuerreform light

Die abgespeckte Steuerreform ist von einigen Marktteilnehmern als enttäuschend gewertet worden. Andere Börsianer begrüßten, dass die Bürger überhaupt steuerlich entlastet würden. Die im Vermittlungsausschuss beschlossenen Steuererleichterungen werden im kommenden Jahr halb so hoch ausfallen wie von der Regierung ursprünglich geplant.

Henkel übernimmt US-Firma The Dial

Von der Unternehmensseite her stand der Konsumgüterhersteller Henkel  im Mittelpunkt des Interesses. Der Dax-Konzern will nach eigenen Angaben den US-Wettbewerber The Dial Corp für rund 2,9 Milliarden Dollar übernehmen und damit seine Position auf dem US-Markt bedeutend stärken.

Die Börse reagierte auf die Pläne mit einem deutlichen Kursabschlag. Die Aktie verlor 1,8 Prozent auf 60,65 Euro und war damit der größte Verlierer im Dax. Der Preis von 2,9 Milliarden Dollar sei hoch, sagten Marktbeobachter. "Der Preis ist kein Schnäppchen, sondern liegt am oberen Ende der branchenüblichen Preise", berichtete Analystin Silke Stegemann Landesbank Rheinland-Pfalz (LRP). Dennoch scheine ein Schwachpunkt im Henkel-Portfolio gelöst, da die wichtigsten Märkte von Dial die USA, Kanada, Puerto Rico, Asien und Lateinamerika seien. "Dies ist eine ideale Ergänzung für die umsatzstärkste Waschmittel- und Reinigungsmittelsparte von Henkel."

Nach Einschätzung der Experten von Steubing sieht der Preis für Dial hoch aus. In den USA seien Procter&Gamble oder Unilever nach wie vor größer. Auch ein Händler erklärte die Kursverluste bei Henkel mit dem Preis für den US-Mitbewerber.

Deutliche Aufschläge haben dagegen die beiden Tourismuswerte Lufthansa  und Tui  verzeichnet. Sie führten mit Aufschlägen von 3,2 bzw. 2,5 Prozent die Gewinnerliste an. Händler erklärten das Plus mit der Festnahme Husseins.

Nikkei legt kräftig zu

In Tokio ging der Handel bereits mit kräftigen Aufschlägen zu Ende: Der Nikkei  gewann 3,2 Prozent auf 10.490 Punkte. In Australien gewann der S&P/ASX 200 1,1 Prozent auf 3247 Zähler. Öl-Werte gehörten hingegen zu den Verlierern, da die Händler mit einem sinkenden Ölpreis rechnen.

"Die Gefangennahme von Hussein hat die Börsen gepuscht", sagte Mitsushige Akino, Fonds-Manager bei Ichiyhoshi Investment Management. "Die Investoren erwarten, dass die Kriegskosten für die Amerikaner nun sinken und sich die Stimmung der Verbraucher zum vorweihnachtlichen Shopping verbessert", ergänzte er. Auch der rasante Anstieg des Dow, der die Marke von 10.000 Zählern am Freitag nachhaltig überwunden hatte, beförderte die Stimmung weiter nach oben.

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