Märkte US-Konjunktur stoppt Dax-Anstieg

Schwache US-Konjunkturdaten haben den Dax am Freitag jäh gestoppt. Markierte der Index am Vormittag noch ein Jahreshoch, gab er zum Handelsschluss seine Gewinne wieder vollständig ab. Zugleich kletterte der Euro in Schwindel erregende Höhen.

Frankfurt am Main - Schwächer als erwartete US-Konjunkturdaten haben am Freitag an den internationalen Finanzmärkten die Aktienkurse und den Dollar belastet. Der Euro erreichte am Abend mit 1,2284 Dollar den höchsten Kurs seit seiner Einführung an den Finanzmärkten vor fast fünf Jahren. An den Aktienmärkten drehten die Kurse zeitweise ins Minus. Die Anleihekurse zogen dagegen kräftig an, da mit den Daten Spekulationen auf weiterhin niedrige Zinsen in der weltgrößten Volkswirtschaft einhergingen.

Unter anderem fiel entgegen den Erwartungen das Verbrauchervertrauen in den USA, das die Universität Michigan vorläufig für Dezember berechnet hat. Darüber hinaus weitete sich das Defizit in der US-Handelsbilanz aus und ein überraschender Rückgang der Erzeugerpreise bestätigte schon Übernacht aufgekommene Spekulationen über ein weiterhin niedriges US-Zinsniveau.

Dax gibt Gewinne wieder ab und schließt unverändert

Der Dax  gab am Nachmittag seine Kursgewinne vollständig ab und drehte zeitweilig sogar in die Verlustzone, nachdem der viel beachtete Verbrauchervertrauensindex der Universität Michigan für Dezember mit 89,6 Punkten deutlich unter den Erwartungen von 96,0 Stellen zurückgeblieben war. Zum Handelsschluss konnte sich Index wieder fangen und schloss unverändert gegenüber dem Vortag bei 3860 Punkten. Am Vormittag hatte der Dax  mit 3904 Punkten noch ein Jahreshoch erreicht.

An der New Yorker Börse fiel der Dow Jones  zeitweise unter die psychologisch wichtige Marke von 10.000 Punkten, konnte sich am frühen Abend (MEZ) aber ebenfalls wieder fangen. Vor den Daten aus Michigan war der Index sogar noch auf ein Jahreshoch von 10.026 Punkten geklettert.

Das Vertrauen der US-Bürger in die Entwicklung der US-Konjunktur gilt als Indikator für ihre Konsumfreude in der Zukunft. Da der private Verbrauch einen großen Teil der Wirtschaftsleistung der USA ausmacht, reagieren die Märkte auf Veränderungen des Konsumentenvertrauens sehr sensibel.

Handels-Bilanzdefizit erneut gewachsen

Die schwächer als erwartet ausgefallenen US-Konjunkturdaten hatten den Dollar belastet und den Euro nach oben getrieben. Mit 1,2284 Dollar kletterte die europäische Gemeinschaftswährung auf das höchste Niveau seit ihrer Einführung an den Finanzmärkten zum 1. Januar 1999. Kurz vor den Daten hatte der Euro noch bei rund 1,2250 Dollar gelegen.

Bereits der zuvor bekannt gegebene überraschende Rückgang der Erzeugerpreise in den USA um 0,3 Prozent hatte den Dollar belastet. Auch die Ausweitung des Defizits in der US-Handelsbilanz im Oktober auf 41,77 Milliarden Dollar von revidiert 41,34 Milliarden Dollar im Vormonat nährte die Zweifel an der Finanzierbarkeit des hohen Defizits der USA in der Leistungsbilanz, das als eine der Hauptursachen der Dollar-Schwäche gilt.

Spekulationen um das Zinsniveau in den USA

Als Auslöser der Dollar-Verkäufe schon am Vorabend in New York hatten Händler die Veröffentlichung des Protokolls vom Oktober-Treffen des Offenmarktausschusses der US-Notenbank (FOMC) genannt. Daraus geht hervor, dass die Notenbanker erwarten, dass aufgrund der bislang schleppenden Erholung am US-Arbeitsmarkt und angesichts der steigenden Produktivität die Inflation voraussichtlich in den nächsten ein oder zwei Jahren auf niedrigem Niveau bleiben wird. Dies löste an den US-Finanzmärkten die Spekulation aus, die Fed könnte die Zinsen doch länger als zuletzt vermutet bei einem Prozent belassen.

Bei ihrem jüngsten Treffen in dieser Woche hatten die Notenbanker erstmals wieder die Gefahr einer Inflation als ebenso hoch wie die einer ungewollten rückläufigen Inflation beschrieben, womit sie nach Angaben von Analysten eine Straffung der Geldpolitik signalisierten.