Thilenius-Kolumne Die Musik spielt woanders

Lange wurde an dem Deal herumgefeilt, nun hat der US-Medienriese endlich seine Musiksparte verkauft. Für Aktionäre brechen wohl dennoch keine besseren Zeiten an. Selbst Insider verkaufen ihre Bestände.

Nach langen Bietergefechten hat der amerikanische Unterhaltungskonzern Time Warner  seine berühmte Musiksparte an ein Investorenkonsortium verkauft. Time Warner ist damit ein großer Stein vom Herzen gefallen, denn das Musikgeschäft hat unter anderem wegen Raubkopien aus dem Internet nicht viel Geld verdient.

Außerdem ist dieses Geschäft sehr schwankungsanfällig. Es steht und fällt mit attraktiven Interpreten und attraktiven Titeln. Hier gibt es wenig Sicherheit für zukünftige Ertragsprognosen.

Die anderen Geschäfte von Time Warner, insbesondere das berühmte Onlinegeschäft von AOL, haben in den vergangenen Jahren ebenfalls nur stark schwankende Erträge abgeliefert. Gleichzeitig ist die Verschuldung des Konzerns durch die vielen teuren Übernahmen in der großen Zeit der New Economy recht hoch. Der Verkauf des Musikgeschäftes ist also keinesfalls der große Befreiungsschlag, auf den viele Anleger gesetzt haben.

Der Aktienkurs hat zwar mit einem Anstieg von über 50 Prozent seit den Tiefstständen Anfang des Jahres an der allgemeinen Börsenerholung teilgenommen. Seit einigen Monaten läuft der Kurs aber nur noch seitwärts.

Für das nächste Jahr wird eine Gewinnsteigerung um die zehn Prozent auf 54 Cent je Aktie erwartet. Dieser Gewinn entspricht ungefähr dem des Jahres 2000. Die Gewinndynamik enttäuscht.

Als zyklisches Unternehmen lässt sich Time Warner nur schlecht einordnen, da die Erholung des Werbegeschäftes, die in der Regel Verlagen nutzt, aufgrund des Abwanderns vieler Anzeigen ins Internet aber nun mit einem großen Fragezeichen versehen ist. Außerdem haben sehr viele Insider den Kursaufschwung des laufenden Jahres seit dem Tief bei zehn Dollar im Februar zu umfangreichen Verkäufen genutzt.

Wenn sogar die Insider offensichtlich nicht an eine besonders große Zukunft des Unternehmens glauben, sollte auch niemand anders das tun. Da gleichzeitig das Kurs-Gewinn-Verhältnis bei 30 liegt auf dem erwarteten Gewinn des nächsten Jahres, sollte über einen Verkauf nachgedacht werden. Der Verkauf der Musiksparte ist jedenfalls kein Anlass, die Aktie zu kaufen.