Schwarz Pharma "Das ist der Jackpot"

Der Monheimer Pharmakonzern Schwarz Pharma hat nach einem US-Gerichtsbeschluss das alleinige Vertriebsrecht für das Magenmittel Omeprazol in den USA zugesprochen bekommen - ein Milliardengeschäft. Die Aktie verbucht satte Gewinne.

Frankfurt/Main - Die Aktie des im MDax  notierten Pharmakonzerns Schwarz Pharma  hat am Freitag zeitweilig um mehr als 20 Prozent zugelegt, gab bis 17 Uhr aber einen Teil der Gewinne wieder ab. Händler begründeten den Kurssprung mit der Entscheidung eines US-Gerichts vom Vorabend. Demnach darf die zur Schwarz-Pharma-Gruppe gehörende Kremers Urban Development Co (Kudco) auch künftig ihr Magen-Darm-Nachahmermedikament Omeprazol in den USA vertreiben.

Omeprazol ist ein ein Nachahmerprodukt des Magenmittels Prilosec von AstraZeneca. Es ist das das Umsatz- und gewinnstärkste Medikament von Schwarz Pharma. Allein in den USA erwirtschaftete das Präparat im ersten Halbjahr 2003 für Schwarz Pharma einen Umsatz von umgerechnet 703,5 Millionen Euro. In Reaktion auf das Urteil bestätigte Schwarz Pharma am Freitagmorgen seine Prognosen für das laufende Geschäftsjahr. Demzufolge rechnt der Konzern in 2003 mit einem Umsatz von 1,4 Milliarden Euro und einem Überschuss von 110 bis 120 Millionen Euro.

Analyst: "Das ist der Jackpot"

In einer ersten Reaktion haben die Analysten der Landesbank Rheinland-Pfalz (LRP) am Freitag die Aktie von Schwarz Pharma mit "Outperformer" bestätigt. Die Entscheidung des US-Berufungsgerichts habe die Rechtsposition des Unternehmens bestätigt. Falls mit dem Entscheid ein Verbot für die Wettbewerber wie Andrx einherginge, wäre das für Schwarz Pharma "der Jackpot", hieß es in der Kurz-Analyse vom Freitag. Dies scheint nach anderen Berichten offenbar der Fall zu sein.

Schließlich würde die alte Situation wiederhergestellt, dass allein Schwarz Pharma ein Generikum in den USA vertreiben dürfe. Darüber hinaus werde einiges an Unsicherheit von der Aktie genommen. Schadensersatzklagen von Astrazeneca  gegen Schwarz Pharma seien damit "ziemlich aussichtslos", erklärte Analyst Alexander Groschke.

Europäischer Gerichtshof entschied ebenfalls

Bereits am Vortag hatte der Europäische Gerichtshof (EuGH) in einem Streit um den Magenmittel-Wirkstoff Omeprazol dem Ulmer Generika-Hersteller ratiopharm Recht gegeben. Die Entscheidung gilt nach Auffassung von Branchenbeobachtern als grundlegender Sieg für Hersteller von Nachahmerprodukten in Europa.

Seit dem Ablauf des Patentschutzes für den Wirkstoff liegt AstraZeneca weltweit mit einer Vielzahl von Unternehmen im Patentstreit um Omeprazol. Die jetzige Entscheidung werde aber keine große Auswirkung haben, da der Patentschutz für Omeprazol in Deutschland bereits 1999 abgelaufen sei, sagte AstraZeneca.