Märkte Die magischen Marken im Blick

Die Bullen wollen es wissen. Die brummende US-Konjunktur und das Weihnachtsgeschäft sorgen für einen Endspurt. Der Dax notiert auf Jahreshoch - obwohl auch der Euro und die Krisenwährung Gold Höchststände markieren. Bereits heute könnten Dow Jones und Nasdaq die "magischen Marken" von 10.000 bzw. 2000 Punkten knacken.

Hamburg - Trotz der Währungsturbulenzen, der Terroranschläge im Irak und US-Fondsskandals lassen sich die Käufer an den Börsen nicht bremsen. Obwohl der Euro gestern im Handelsverlauf mit 1,2041 US-Dollar zeitweise ein Rekordhoch verzeichnete, schloss der Dax  mit 3821 Punkten (2,0 Prozent) auf dem höchsten Stand dieses Jahres und dürfte heute zum Auftakt weiter klettern. Nach 90 Minuten Handel kletterte der Dax um 0,4 Prozent und notierte bei 3834 Zählern auf einem neuen Jahreshoch.

Die US-Börsen haben nach Xetra-Handelsschluss um 17.30 Uhr weiter zugelegt. Getrieben von guten Konjunkturdaten schloss der Dow Jones  mit 9899 Punkten ebenfalls auf dem höchsten Stand seit 52 Wochen. Einen guten Handelstag mit einem Plus von 1,1 Prozent vorausgesetzt, könnte der US-Industrieindex bereits heute die oft beschworene "magische Marke" von 10.000 Punkten durchbrechen.

Die Krise bei Boeing , die Konzernchef Phil Condit gestern zum Rücktritt zwang, ließ die Börsianer ungerührt. "Die Konjunkturdaten sind einfach sehr stark - Anleger wollen die beiden wichtigen psychologischen Marken noch in diesem Jahr testen", sagte ein Händler.

Nasdaq 2000 zum Greifen nah

Auch an der Nasdaq könnte es heute soweit sein. Der Technologieindex Nasdaq Composite  schloss gestern 1,5 Prozent im Plus und ist nur noch elf Pünktchen von der 2000-Punkte-Marke entfernt: Die 2000 Punkte könnten bereits zum Handelsauftakt heute Nachmittag erreicht werden. Ein deutlich über den Erwartungen ausgefallener ISM-Index für das Verarbeitende Gewerbe in den USA hatte die Börsen bereits gestern beflügelt: Der Index ist im November auf 62,8 Punkte gestiegen, erwartet worden waren 58 Punkte.

Weiterhin lockt das fulminant gestartete Weihnachtsgeschäft weitere Käufer an der Börse hervor. Die Handelskette Wal-Mart  hatte am Freitag nach Thanksgiving einen Rekordumsatz gemeldet.

Dow 10.000 - und was dann?

Dow 10.000, Nasdaq 2000, Dax 4000 - und was dann?

In der allgemeinen Euphorie gehen jedoch erste Warnungen fast unter. Die Bewertungen an den US-Börsen sind deutlich gestiegen und notieren längst wieder über dem historischen Durchschnitt. Selbst der Dax  ist auf einem Niveau von knapp 4000 Punkten nicht mehr als billig anzusehen.

"Es ist gut möglich, dass nach Erreichen von 10.000 Punkten im Dow und 2000 Punkten an der Nasdaq erst einmal Gewinne mitgenommen werden", meinte ein Händler. Ein Niveau jenseits dieser Marke bedeute äußerst dünnes Eis für Einsteiger - trotz der wieder anziehenden Konjunktur.

Der Deutsche Aktienindex Dax  dürfte früher oder später vom starken Euro eingeholt werden, der vor allem die exportorientierten Autowerte belastet. Sobald Gewinnmitnahmen einsetzen, sind DaimlerChrysler , Volkswagen  und BMW  wie auch die deutlich gestiegenen Finanztitel wie die Allianz  Kandidaten für eine deutliche Korrektur.

Goldman-Sachs Chefvolkswirt Jim O'Neill rechnet insgesamt jedoch mit einem freundlichen Börsenjahr 2004. Angetrieben vom starken Wachstum der asiatischen Länder, allen voran China, dürfte die globale Wirtschaftsleistung im Jahr 2004 um 4,2 Prozent zulegen, schätzt O'Neill. Auch für Euroland rechnet der Goldman-Sachs-Experte mit deutlichem Wachstum.

Daimler fest - Kerkorians neue Bescheidenheit

Kerkorian: Nur eine statt acht Milliarden Dollar

Doch Risiken sind an der Börse derzeit kein Thema. DaimlerChrysler  legte trotz des Prozessbeginns in den USA und des starken Euro deutlich zu. Der US-Investor Kirk Kerkorian verlange von dem Autokonzern mehr als 1 Milliarde Dollar Schadenersatz, erklärte Kerkorians Anwalt Terry Christensen am Montag zum Auftakt des Prozesses um die Umstände der Fusion von Daimler-Benz und Chrysler 1998. Bei der Einreichung der Klage vor drei Jahren war noch ein Betrag von acht Milliarden Dollar genannt worden.

Autotitel fest - Volkswagen mit ehrgeizigen Zielen

Bei Volkswagen  könnte die Klettertour heute sogar noch weitergehen: Nach dem Ergebniseinbruch im laufenden Jahr erwartet der Autobauer in den kommenden drei Jahren kontinuierlich steigende Gewinne. "2004 wird unser Umsatz wieder steigen. Und wir werden uns auf der Ertragsseite verbessern", sagte der VW-Finanzvorstand Hans Dieter Pötsch der "Frankfurter Allgemeine Zeitung".

Daten zu Auto-Verkäufen in den USA

Von der Konjunkturseite gibt es heute wenig Neues. Für Deutschland und für die Eurozone werden heute die Einzelhandelsumsätze für Oktober gemeldet, und der Medienkonzern Vivendi Universal  meldet heute seine Zahlen für das dritte Quartal.

Heute Nachmittag werden dann die Autoverkäufe in den USA gemeldet, was auch für die vier deutschen Autokonzerne Daimler, VW, BMW und Porsche Auswirkungen haben dürfte. Bereits jetzt warten Börsianer auf die US-Arbeitsmarktdaten am Freitag: Beobachter gehen davon aus, dass in den USA im November 140.000 neue Jobs geschaffen wurden.

Nikkei gut behauptet - Dollar leicht erholt

Die Aktienbörse in Tokio hat am Dienstag gut behauptet geschlossen. Der Nikkei legte um 0,1 Prozent auf 10410 Punkte zu. Der breit gefasste Topix stieg um 0,3 Prozent auf 1023,50. Der Euro gab am frühen Morgen zum Dollar etwas nach. Die Gemeinschaftswährung lag bei 1,1982- 84 Dollar, nach 1,2010-12 am Vortag.

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