Devisenhandel Mit kleinem Einsatz viel bewegen

Der Höhenflug des Euro liegt nicht unbedingt an der Stärke Eurolands. Devisenhändler versuchen ihr Glück, sobald eine Währung wie der Dollar erst einmal weichgeklopft ist. Wolfgang Stobbe, Vorstand des Devisenbrokers ibas, über Chancen und Risiken des Milliardenspiels.

mm.de:

Der Devisenmarkt gilt im Vergleich zum Aktienmarkt als hochspekulatives Segment. Welcher Anlegertyp geht diese riskanten Wetten ein?

Stobbe: Prinzipiell kann jeder Devisen handeln. Es ist richtig, dass der Devisenhandel ein hochspekulatives Umfeld darstellt. Auf der anderen Seite bietet der Devisenmarkt aufgrund seiner Größe - täglich werden hier über 1,5 Billionen US-Dollar bewegt- jedoch mehr Sicherheit vor Kursmanipulationen als der Aktienmarkt.

Auch der Aktienmarkt wurde in den vergangenen Jahren als Spekulationsinstrument missbraucht: Spekulativ sind heute nahezu alle Finanzinstrumente, und Spekulant ist jeder, der eine überdurchschnittliche Rendite sucht.

mm.de: Professionelle Devisenhändler bewegen Millionensummen und sorgen binnen Minuten für starke Währungsschwankungen. Der Anleger, der dort mitmischt, kann innnerhalb kurzer Zeit viel Geld verdienen - oder auch viel Geld verlieren.

Stobbe: Die beste Basis für einen Einstieg in den Devisenmarkt bildet unserer Meinung nach die Eröffnung eines Demokontos. Hier kann der Anleger schnell festzustellen, ob der Devisenhandel für ihn in Frage kommt und ob er seinem persönlichem Risikoprofil entspricht. Unter Realbedingungen kann er zunächst mit virtuellem Kapital handeln. Erst dann sollte er entscheiden, ob der Devisenhandel für ihn als Spekulationsinstrument sinnvoll ist.

mm.de: Wer bei ibas den Minimalbetrag von 5000 US-Dollar einzahlt, kann damit bis zum Hunderfachen dieser Summe bewegen, das heißt für 500.000 Dollar Euro kaufen. Steigt der Euro um einen halben US-Cent, hätte der Anleger 2500 Dollar gewonnen. Fällt der Dollar allerdings um einen halben Cent, wäre bereits die Hälfte des Startkapitals verzockt. Welche Absicherungsmechanismen bieten Sie?

Stobbe: Neben den üblichen Funktionen Stopp Loss, Limitaufträgen oder Zeitaufträgen bieten wir unseren Kunden auch ein auomatisches Trailing Stopp an. Der Anleger kann zum Beispiel ein Stopp Loss so einstellen, dass dieser bei einem offenen Gewinn seiner Position den Stopp Loss automatisch dem Markt hinterher zieht.

Außerdem ist eine Nachschusspflicht, wie sie bei den Profis üblich ist, für unsere Kunden ausgeschlossen. Im Gegenzug muss der Kunde aber akzeptieren, dass seine offenen Positionen zwangsliquidiert werden, falls sein Guthaben nur noch 25 Prozent der geforderten Sicherheitsleistung ausmacht.

Das heißt: Bei einem Verlust von mehr als 75 Prozent des eingesetzten Vermögens wird das Konto automatisch aufgelöst. Es kann also nicht ins Minus laufen.

Hohes Risiko, hohe Chancen

mm.de: Auch der Aktienmarkt zeigt starke Schwankungen. Wie lassen sich vor diesem Hintergrund Aktienmarkt und Devisenmarkt vergleichen?

Stobbe: Aus Anlegersicht muss ich sagen, dass der Spekulant beim Wechsel vom Aktienmarkt in den Devisenmarkt von einer Spekulation in die andere Spekulation wechselt. Natürlich hat jeder Markt seine Vor- und Nachteile. Für mich bietet der Devisenhandel den Vorteil, dass es sich um einen 24 Stunden-Markt handelt. Das schützt vor bösen Überraschungen am nächsten Morgen, wie es zum Beispiel beim Aktienhandel schon mal vorkommen kann.

Das Marktvolumen mit einem Tagesumsatz vom mehr als 1,5 Billionen Dollar und die Tatsache, dass der Anleger innerhalb dieser unglaublichen Liquidität auf fallende und steigende Kurse handeln kann, sind für mich ebenfalls Vorteile.

Auch halte ich persönlich den Devisenmarkt mit seiner Kursentwicklung für den prinzipiell ehrlicheren Markt. Welche Bedeutung der Devisenmarkt im Anlegerportfolio hat, sollte letztendlich jeder Anleger für sich selbst entscheiden.

mm.de: Wie viele Daytrader tummeln sich bei ibas?

Stobbe: Unsere FXdirekt-Handelsplattform lässt kurzfristige, mittelfristige (im Wochenbereich) und langfristige Strategien (im Monatsbereich) zu. Die für den Anleger optimale Strategie findet unser Kunde im Demokonto. Der Anteil an kurzfristig orientierten Strategien macht ca. 40 Prozent aus.

mm.de: Exportorientierte deutsche Autokonzerne wie BMW  oder DaimlerChrysler  sichern sich mit Devisengeschäften gegen einen fallenden Dollar ab. Sollte sich auch ein Daimler-Aktionär durch ähnliche Hedging-Geschäfte gegen Währungsrisiken absichern?

Stobbe: Die Depotabsicherungen oder die Absicherung von Fremdwährungskrediten ist ein komplexes Thema. Durch das Hinzufügen von Devisen-Terminkontrakten versucht man, das Portfolio optimal unter Risiko- und Ertragsgesichtpunkten zu gestalten.

So einfach wie es sich anhört, sind Absicherungsstrategien allerdings nicht. Es bedarf oft komplexer und genauer Studien des Depots, um eine vernünftige Strategie zu erarbeiten. Hier stoßen viele Privatanleger oft an ihre Grenzen, und es zeigt sich oft ein Defizit gegenüber dem Fondmanager, da dieser in der Regel über mehr Erfahrung für portfoliotheoretische Überlegungen beim Hedging verfügt. Absicherungsgeschäfte sollte der Privatanleger lieber einem Profi überlassen.

Kleiner Einsatz, viel Bewegung

mm.de: Zum Devisenhandel gehört, dass man mit vergleichsweise kleinem Einsatz viel Geld in Bewegung setzen kann. Wie viel Geld bewegt bei Ihnen im Durchschnitt ein Kunde pro Monat?

Stobbe: Die Nachfrage nach unserem Fondmanager I Tool ist besonders bei den Vermögensverwaltern sehr hoch. Da auch bei den Vermögensverwaltern der Devisenmarkt einen wachsenden Stellenwert einnimmt, nimmt das Interesse zu.

Zum Handelsvolumen allgemein ist zu sagen, dass unsere Privatkunden im Durchschnitt etwa 10 Millionen Dollar im Monat bewegen. Ein institutioneller Kunde bewegt natürlich ein Vielfaches.

mm.de: Die Zahl der Anleger, die in Hedgefonds investieren oder am Aktienmarkt mit hoch riskanten Termingeschäften wie etwa Aktienoptionsscheinen ihr Glück versuchen, nimmt zu. Ist der Vorwurf, beim Devisenhandel handele es sich um "Zockerplattformen", gerechtfertigt?

Stobbe: Der Markt kann die Entwicklung von immer schnelleren und ausgefeilteren Handelsplattformen nicht aufhalten. Alle Onlinebroker, ob für den Aktienmarkt oder für den Devisenmarkt, stehen hier im Wettbewerb. Das Risiko im Optionshandel oder im Devisenhandel liegt oft im Umgang mit solchen Instrumenten und nicht beim Instrument selbst.

Beim Handeln ist meistens der Händler das größte Risiko. Der Aktienboom hat gezeigt, dass Missbrauch in Form von "Zocken" mit der Entwicklung eines Marktes oft einhergeht. Trotz der negativen Erfahrungen, die viele Anleger hier gemacht haben, ist eine Wiederholung nicht auszuschließen.

Ob Aktien oder Devisen - die Suche nach dem "Lucky Deal" wird immer wieder Anleger verleiten. Die Philosophie unseres Unternehmens basiert jedoch auf dem Versuch, unseren Kunden von vornherein einen risikobewussten Umgang mit dem Devisenmarkt zu vermitteln und den Kunden damit langfristig an uns zu binden.