Londoner Börse Nicht mit den Deutschen

Die Deutsche Börse hat sich im Rennen um die Position als Clearing-Dienstleister der LSE nicht gegen die etablierte Konkurrenz durchsetzen können. Dadurch rücken die Londoner wieder näher an Euronext, die dritte große Europäische Börse, heran.

London/Frankfurt am Main - Mit dem London Clearing House (LCH) sei ein neues Abkommen mit deutlich gesenkten Tarifen abgeschlossen worden, teilte die Londoner Börse LSE am Dienstag mit. Zuvor war spekuliert worden, die LSE könne zu Eurex Clearing, dem Dienstleister der Gruppe Deutsche Börse , wechseln. Die Börse lehnte eine Stellungnahme ab.

Ein Clearing-Haus sorgt für die korrekte Abrechnung der Börsengeschäfte im Hintergrund und gehört zu jedem Handelsplatz.

Entzündet hatte sich die Diskussion über eine mögliche Abkehr der LSE von LCH an der bevorstehenden Fusion von LCH mit dem französischen Konkurrenten Clearnet, an dem der Pariser Börsenverbund Euronext beteiligt ist. Eine Entscheidung der LSE für Eurex Clearing hätte wohl Spekulationen über ein Zusammengehen der Börsen Frankfurt und London, die vor drei Jahren mit ihrem Fusionsvorhaben bereits an lokalen Widerständen gescheitert waren, neue Nahrung gegeben. Analysten zeigten sich indes nicht überrascht von der Entscheidung. Allerdings werde nun die Expansion der Derivatetochter Eurex wieder stärker in den Blickpunkt treten.

Die Aktien der Deutschen Börse legten bis zum Nachmittag in einem kaum veränderten Gesamtmarkt rund ein Prozent auf 43,26 Euro zu, die LSE-Titel gewannen in London 0,64 Prozent auf 356,5 Pence.

Analysten nicht überrascht - LCH senkt Preise

"Nach dem vehementen Widerstand der Londoner Marktteilnehmer war das keine Überraschung", sagte Peter Barkow, Börsen-Analyst bei HSBC Trinkaus & Burkhardt. Einige große Banken in London hatten sich wegen der daraus entstehenden Kosten gegen den Wechsel zu Eurex Clearing ausgesprochen.

Bereits im Vorfeld hatten Analysten vor einer zu großen Enttäuschung und einem entsprechenden Kursrückgang über eine für die Deutsche Börse negative Entscheidung gewarnt. "Zunächst bleibt das ohne Auswirkung auf das Geschäft der Börse. Umso wichtiger ist jedoch, dass sie bei der US-Expansion der Eurex Fortschritte macht", hatte ein Frankfurter Analyst gesagt.

Die weltgrößte Derivatebörse Eurex, ein Gemeinschaftsunternehmen der Deutschen und der Schweizer Börse, will am 1. Februar 2004 eine eigenen Börse in den USA aufmachen. Die Genehmigung der Aufsichtsbehörden steht aber weiterhin aus.

LCH wird den Angaben zufolge auf Grund der neuen, ab Januar 2004 geltenden Vereinbarung seine Gebühren um 25 Prozent senken. Der Vertrag enthalte eine dreijährige Exklusivitätsklausel und erstrecke sich auch auf die Derivatehandelsplattform EDX. Außerdem erhält die LSE einen Sitz im Board der LCH-Clearnet.

Rolf Benders und Louise Heavens, Reuters

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