Tagesausblick Rückenwind aus New York

Mit den guten Vorgaben der Wall Street im Rücken sollten die Kurse in Frankfurt heute anziehen. Die Börsianer erwarten zudem gute Konjunkturdaten aus Deutschland und den USA.

Hamburg/Frankfurt am Main - Die Berichtssaison für das dritte Quartal geht in ihre letzte Runde. 27 der 30 Dickschiffe haben ihre Zahlen vorgelegt. Immerhin zwölf Unternehmen haben die Erwartungen der Märkte leicht übertroffen, errechnete die Nachrichtenagentur Reuters. Heute legt der Finanzkonzern Münchener Rück  seine Daten vor. Am Donnerstag folgt dann Tui . ThyssenKrupp  setzt am 4. November den Schlusspunkt.

Nach fünf Quartalsverlusten in Folge wird die Münchener Rück nach Einschätzung von Analysten heute wieder einen Nachsteuergewinn ausweisen. Als Gründe für die deutliche Ergebnisverbesserung beim weltgrößten Rückversicherer sehen Experten rückläufige Abschreibungen auf den Wertpapierbesitz, gesunkene Steuerrückstellungen und Verbesserungen im operativen Geschäft.

Für das dritte Quartal 2003 rechnen die Analysten im Durchschnitt mit einem Ergebnis nach Steuern von 421 Millionen Euro, nachdem im Vorjahr ein Verlust von 859 Millionen Euro und im zweiten Quartal ein Minus von 365 Millionen Euro verbucht worden war. Bei den Bruttoprämien erwarten die Analysten eine Steigerung gegenüber dem Vorjahresquartal mit 9,16 Milliarden auf 9,61 Milliarden Euro.

Und auch Europas größter unabhängiger Finanzdienstleister AWD  legt heute seine Neun-Monats-Zahlen vor. Es wird erwartet, dass sich der bisherige positive Trend fortgesetzt hat und die Holding ein deutliches Plus bei Umsatz und Ertrag ausweist. Im ersten Halbjahr hatte der AWD seinen Umsatz um 25,1 Prozent auf 261,8 Millionen Euro gesteigert. Das Ergebnis vor Zinsen und Steuern (Ebit) war noch deutlicher um 47,6 Prozent auf 24,8 Millionen Euro nach oben geklettert.

Erneut ansteigender Ifo-Index erwartet

Die Stimmung in der deutschen Wirtschaft dürfte indes im November erneut gestiegen sein. Experten gehen davon aus, dass der Ifo-Geschäftsklimaindex sich weiter verbessert hat. Nach ihren Schätzungen könnte der Index von 94,3 Punkten im Oktober auf 95,0 Punkte gestiegen sein. Dies wäre der siebte Anstieg in Folge. Der Ifo-Index gilt als einer der wichtigsten Frühindikatoren der deutschen Wirtschaft. Das Institut ermittelt den Geschäftsklimaindex einmal monatlich aus einer Umfrage unter 7000 Unternehmen.

Wall Street: US-Technologiebörse legte kräftig zu

Die Vorgaben der Wall Street indes sind nicht schlecht. Der Dow Jones  schloss mit 1,2 Prozent im Plus bei 9747 Zählern und damit kaum verändert gegenüber dem Handelsschluss in Frankfurt. Die US-Technologiebörse Nasdaq Composite  allerdings machte nach der Schlussglocke in Frankfurt noch Dampf. Der Index ging mit einem Plus von 2,8 Prozent bei 1947 Zählern aus dem Handel. Hier gewannen vor allem Chipwerte aufgrund aussichtsreicher Studien für die Branche hinzu.

Die Börse in Tokio hat am Dienstag nach einem verlängerten Wochenende fest geschlossen. Der Nikkei notierte in Folge der positiven Vorgabe der Wall Street vom Vortag ein Plus von 1,1 Prozent bei 9960 Punkten. Kurzzeitig hatte der Index wieder die psychologisch wichtige Marke von 10.000 Punkten überwunden.

US-Verbrauchervertrauen dürfte höher ausfallen

Gegen 16 Uhr (MEZ) erwarten die Märkte neue Nachrichten zum Vertrauen der Verbraucher in den USA, die etwa für rund zwei Drittel der Wirtschaftskraft der weltgrößten Volkswirtschaft verantwortlich zeichnen. Marktbeobachter gehen davon aus, dass der Index des Verbrauchervertrauens November auf 84,8 von zuvor 81,1 Punkte gestiegen sein wird. Zudem gibt es am Nachmittag neue Zahlen zu dem Verkauf bestehender Häuser im Monat Oktober.

Wohin steuert der Euro nach dem Brüsseler Beschluss?

Mit Spannung werden die Börsianer heute auf die Entwicklung des Euro verfolgen. Händler indes erwarten, dass die Gemeinschaftswährung Verluste verzeichnen wird, nachdem die Finanzminister der Eurogruppe im Streit um eine Verschärfung der Defizitverfahren gegen Deutschland und Frankreich eine Einigung erzielt haben, derzufolge die beiden Staaten zunächst nicht mit Sanktionen rechnen müssen. "Wie mühsam dieser Formelkompromiss erzielt wurde, spricht wieder einmal nicht für die Glaubwürdigkeit der Währungsunion", kommentiert ein Händler.

Deutschland und Frankreich hatten sich in der Nacht zu Dienstag gegen die EU-Kommission durchgesetzt. Die Finanzminister der zwölf Euroländer einigten sich nach einem knapp neunstündigen Sitzungsmarathon auf einen Kompromiss, der deutlich hinter den Sparempfehlungen der EU-Kommission zurückbleibt.

Währungskommissar Pedro Solbes zeigte sich enttäuscht von der Entscheidung und schließt den Gang vor den Europäischen Gerichtshof nicht aus.

Bundesfinanzminister Hans Eichel sagte, dass Deutschland sein um konjunkturelle Einfüsse bereinigtes Defizit im kommenden Jahr lediglich um 0,6 Prozent senken müsse. Die EU-Kommission hatte in ihren Empfehlungen einen Abbau um 0,8 Prozent gefordert, was zusätzliche Einsparungen von bis zu sechs Milliarden Euro bedeutet hätte. 2005 soll das konjunkurelle Defizit um weitere 0,5 Prozent abgebaut werden.

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