US-Konjunktur Greenspan warnt vor Protektionismus

Die von der US-Regierung angekündigten Importbarrieren hat Notenbankchef Alan Greenspan scharf kritisiert. Die Schutzzölle gefährdeten sogar den Abbau des US-Defizits.

Washington - US-Notenbankchef Alan Greenspan hat vor neuem Protektionismus gewarnt. Eine Einschränkung des Freihandels könne einen krisenlosen Abbau des riesigen Leistungsbilanzdefizits der USA gefährden, sagte Greenspan auf der Währungskonferenz des Cato-Instituts am Donnerstag in Washington. Die US-Regierung hatte diese Woche Einfuhrquoten für Textilien aus China angekündigt, weil die chinesischen Exporte erheblich zugenommen hatten. Außerdem befinden sich die USA unter anderem mit der EU wegen der bereits seit längerem erhobenen Schutzzölle auf Stahlimporte im Streit.

Am Horizont tauchten immer mehr Wolken eines aufkommenden Protektionismus auf, sagte Greenspan. "Im Hinblick auf die Leistungsbilanzungleichgewichte können die Kosten solch protektionistischer Initiativen die Flexibilität der globalen Wirtschaft bedeutend beeinträchtigen. Es ist deshalb absolut erforderlich, schleichenden Protektionismus zu stoppen und umzukehren."

Entgegen der Ankündigung des Cato-Instituts, dessen Konferenzthema "Die Zukunft des Euro" war, äußerte sich Greenspan nicht über die Erfolgsaussichten der europäischen Währung. "Das überlasse ich lieber anderen Analysten", sagte Greenspan. Wenn Notenbanken in aller Welt ihre Reserven in Zukunft neben dem Dollar stärker auch in Euro hielten, helfe das bei einer problemlosen Anpassung der Leistungsbilanz-Ungleichgewichte, sagte der Notenbankchef. Nach Greenspans Angaben werden rund 65 Prozent der weitweiten Währungsreserven in Dollar und 15 Prozent in Euro gehalten.

US-Leistungsbilanzdefizit wächst und wächst

Das große Leistungsbilanzdefizit der USA - inzwischen auf einem historischen Hoch von fünf Prozent des Bruttoinlandsprodukts - ist nach Auffassung Greenspans auf lange Sicht nicht zu halten. Bislang seien zwar keine Anzeichen zu sehen, dass die Finanzierung des Defizits Probleme bereite. Nach wie vor fließe ausländisches Kapital in die USA, weil Investoren bessere Renditen als anderswo erwarteten.

"Sollte der Anstieg (des Defizits) sich aber fortsetzen, habe ich kaum Zweifel, dass irgendwann in der Zukunft Anpassungen in Gang gesetzt werden", sagte Greenspan. "Wenn die Globalisierung fortschreitet und damit ein noch flexibleres internationales Finanzsystem entsteht, lehrt die Geschichte, dass die derzeitigen Ungleichgewichte mit wenig Aufhebens ausgeglichen werden." Voraussetzung sei ein möglichst offenes internationales Wirtschafts- und Handelssystem, das nicht von protektionistischen Maßnahmen behindert werde.

China bereitet Importzölle auf US-Waren vor

Der Handelsstreit zwischen den USA und der Volksrepublik China verschärfte sich unterdessen am Donnerstag weiter. Die Volksrepublik kündigte an, als Reaktion auf die US-Importstahlzölle ihrerseits Importzölle auf einige Rohstoffprodukte aus den USA zu erheben.

Bundeskanzler Gerhard Schröder forderte die USA auf, ihre Strafzölle auf Stahlimporte aufzuheben und damit einer Aufforderung der Welthandelsorganisation (WTO) zu folgen. Nach Angaben von US-Außenminister Colin Powell wird Bush über diese Frage bald entscheiden.

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