T-Online Nach schwarz kommt rot

Durch Sonderfaktoren erzielt Europas größter Internet-Anbieter im dritten Quartal und damit früher als erwartet ein positives Nettoergebnis. Vorstandschef Holtrop hebt die Jahresprognose an. Doch das vierte Quartal wird wieder negativ sein.

Frankfurt - Der größte europäische Internet-Anbieter T-Online  hat erstmals schwarze Zahlen geschrieben und das früher als erwartet. Allerdings ist das positive Ergebnis des dritten Quartals nicht allein auf steigende Umsätze zurückzuführen, sondern auch auf einen Wertzuwachs bei der Beteiligung Comdirect .

Durch den binnen Jahresfrist rund verdoppelten Aktienkurs der 21-prozentigen Beteiligung an der Direktbank konnte T-Online einen Wertzuwachs von 34 Millionen Euro verbuchen. Nach den IAS-Bilanzvorschriften muss bei nachhaltigen Veränderungen im Beteiligungsbesitz unmittelbar eine Ab- oder Zuschreibung vorgenommen werden.

Wegen dieses einmaligen Umstandes werde das Nettoergebnis im vierten Quartal wieder negativ sein, sagte Vorstandschef Thomas Holtrop während einer Telefonkonferenz am heutigen Dienstag. Nichtsdestotrotz hat die Tochter der Deutsche Telekom  ihre Prognose für das operative Geschäft im Gesamtjahr angehoben.

Ebitda zwischen 310 und 320 Millionen Euro erwartet

"Wir erwarten in diesem Jahr ein Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) von 310 bis 320 Millionen Euro", so Holtrop. Darin seien Erlöse aus Beteiligungsverkäufen nicht enthalten. Bisher war ein Ebitda von 250 bis 300 Millionen Euro erwartet worden. Auf Quartalsbasis ist das Ebitda in den Monaten Juli bis September leicht auf 81 Millionen Euro nach 80 Millionen Euro im zweiten Quartal gestiegen.

Damit erwirtschaftete T-Online nunmehr das zwölfte Quartal in Folge ein höheres Ebitda als im vorhergehenden Vierteljahr. Der Umsatz kletterte ebenfalls moderat auf 452,7 von 449 Millionen Euro im Vorquartal. Als Gründe für die Entwicklung nannte der T-Online-Chef die gestiegene Rohertragsmarge sowie die "Entwicklung des Segments 'übriges Europa'".

110 Prozent mehr Kunden bei der Tochter Ya.com

Damit meint Holtrop die T-Online-Töchter in Frankreich und Spanien. Im Vorjahresvergleich stieg die Kundenbasis bei Breitbandzugängen beim französischen Online-Provider Club Internet um 80 Prozent, bei der spanischen Schwestergesellschaft Ya.com um 110 Prozent an. Damit erwirtschaften die ausländischen Unternehmen 9,2 Prozent des Gesamtumsatzes - ein Plus von 42 Prozent.

Auch in Deutschland sind die Erlöse zweistellig angestiegen, mit 20 Prozent allerdings nichts ganz so stark wie im 'übrigen Europa'. Statt 377 Millionen Euro in 2002, setzten die Darmstädter im dritten Quartal dieses Jahres 453 Millionen Euro um. Den Angaben des Finanzvorstands Rainer Beaujean zufolge, werden die geschätzten Gesamterlöse in 2003 bei 1,9 Milliarden Euro liegen.

Zu den für die Darmstädter erfolgreichen Ergebnissen hat auch das schöne Sommerwetter beigetragen. Weil die T-Online-Kunden wegen des ungewöhnlich heißen Wetters und der Urlaubszeit weniger im Internet unterwegs waren, wurden auch die von der Deutschen Telekom eingekauften Netzkapazitäten weniger genutzt. Dadurch sei der Materialaufwand zum Umsatz gesunken, was die Rohertragsmarge nochmals nach oben getrieben habe, so Holtrop.

DSL-Marktanteil in Höhe von 75 Prozent

DSL-Marktanteil in Höhe von 75 Prozent

Dazu komme eine weiter gestiegene Kundenzahl, so Finanzchef Beaujean. T-Online konnte im dritten Quartal dieses Jahres auf 12,9 Millionen zahlende Kunden verweisen. Gegenüber dem Vorjahr ist das ein Plus von mehr als einer Million Nutzern, gegenüber dem Vorquartal, eine Steigerung von 230.000 Kunden - ein Viertel davon surft über Breitbandzugänge im Netz. In Deutschland habe T-Online einen DSL-Marktanteil von rund 75 Prozent, so Beaujean.

Auch wenn die Zuwächse im Breitbandmarkt geringer werden, verweist Holtrop auf die steigende Beliebtheit der Hochgeschwindigkeitszugänge. "Wir treten nun in die zweite Breitbandphase ein", so der T-Online-Vorstand.

Während es den Kunden in der ersten Phase nur um die reine Surfgeschwindigkeit gegangen sei, verlangten die Nutzer nun auch entsprechende Anwendungen. Deshalb hat T-Online laut Holtrop in den vergangenen Monaten zahlreiche Inhaltedienste wie Musicload, Video-on-Demand und einen Fußball-Bundesligakanal gestartet.

60.000 Antiviren-Pakete innerhalb von drei Tagen verkauft

Zahlen zu den einzelnen Bereichen wollten die Darmstädter aber nicht nennen. Außer einem Beispiel: Wegen des im Sommer grassierenden Blaster/Lovsan-Virus wurde nach Angaben des Unternehmens besonders ein entsprechendes Sicherheitspaket nachgefragt. Allein innerhalb von drei Tagen habe sich das Programm mehr als 60.000-mal verkauft, hieß es.

Solche Faktoren würden sich auch im Konzernergebnis niederschlagen, so Holtrop. So hat das Konzernergebnis von T-Online in den Monaten Juli bis September drei Millionen Euro betragen - nach einem Verlust von 292 Millionen Euro im gleichen Quartal 2002. Mittlerweile kann der Internetprovider auch auf eine ordentliche Summe bei den Barreserven verweisen: Laut Beaujean verfügt T-Online über vier Milliarden Euro.

"Organisches oder anorganisches Wachstum"

Was mit dem Geld angestellt werden soll, ließ er aber nur indirekt durchblicken. So erwarten Holtrop und Beaujean bald eine Marktbereinigung, nicht nur auf dem deutschen Internetzugangsmarkt. "Diese werden wir für weiteres Wachstum nutzen", so der T-Online-Chef, "organisch oder auch anorganisch."

Die im TecDax notierten T-Online-Aktien lagen gegen Mittag noch mit 1,2 Prozent im Minus. Zu Handelsbeginn hatte der Wert mehr als drei Prozent verloren. Peter Lüdke, Aktienhändler bei Merck Finck, sagte, die Investoren nähmen Gewinne mit. Analysten zeigten sich vom Nettogewinn positiv überrascht, da sie frühestens im vierten Quartal mit dem Erreichen der Gewinnschwelle gerechnet hatten.

Heine Ruland, Marktanalyst beim Broker Steubing, sagte, "man darf aber nicht vergessen, dass die US-Konkurrenten schon gezeigt haben, dass das Online-Geschäft zuletzt wieder besser gelaufen ist.