Samstag, 19. Oktober 2019

Ahold Aktie steigt nach Milliardenverlust

Sonderabschreibungen nach einem Bilanzskandal haben dem niederländischen Einzelhandelskonzern Ahold für 2002 einen Milliardenverlust beschert. Trotz der Ungewissheit über eine Kapitalerhöhung zeigen sich die Märkte erleichtert. Die Aktie schließt mit einem dicken Plus.

Zaandam - Auf seine Geschäftsbereiche in Spanien, Argentinien und den USA nahm Ahold nach niederländischem Bilanzierungsrecht Abschreibungen von 1,3 Milliarden Euro vor. Nach US-Recht stellte der Konzern sogar eine Abschreibung von 2,7 Milliarden Euro auf seine US-Lebensmittelsparte in Aussicht, die ihre Gewinne zu hoch ausgewiesen und so den Bilanzskandal ausgelöst hatte. Wegen der geschwächten Kapitalbasis - das Eigenkapital des Konzerns hat sich bis Ende 2002 halbiert - wird an den Finanzmärkten eine baldige Kapitalerhöhung erwartet.

Trotz der negativen Zahlen schlossen die Titel Börsen-Chart zeigen des weltweit drittgrößten Einzelhandelskonzerns mit kräftigen Kursgewinnen. Im EuroStoxx 50 schloss die Aktie sieben Prozent fester auf 8,81 Euro und führte damit den Index an.

"Die Zahlen spiegeln die vollen Auswirkungen der Entdeckungen dieses Jahres auf die finanzielle Verfassung der Firma wieder", sagte Ahold-Chef Anders Moberg am Donnerstag. "Sie unterstreichen auch Aholds grundlegende Stärke. Wir haben starke Vermögenswerte, viele solide Geschäftsbereiche und einen soliden Cashflow." Dennoch sei es unbedingt nötig, im gesamten Unternehmen Veränderungen vorzunehmen.

Ahold hatte die Veröffentlichung der Zahlen für das Jahr 2002 mehrfach verschoben. Anfang Juli hatte das Unternehmen eine interne Buchprüfung abgeschlossen und dabei Fehlbuchungen von knapp einer Milliarde Euro, vor allem bei seiner Tochter U.S. Foodservice, festgestellt. Daraufhin wurden die Geschäftszahlen überarbeitet.

Für das Jahr 2002 wies Ahold nun einen Nettoverlust von 1,208 Milliarden Euro aus. Der operative Gewinn vor Sonderbelastungen habe 2,145 Milliarden Euro betragen. Den Nettoumsatz bezifferte der Konzern mit 62,7 Milliarden Euro. Ahold ist der weltweit drittgrößte Einzelhandelskonzern nach Wal-Mart Börsen-Chart zeigen und Carrefour Börsen-Chart zeigen.

Experten erwarten die Ausgabe neuer Aktien

Zu etwaigen Kapitalmaßnahmen will sich der Konzern erst Mitte Oktober äußern. Analysten erwarten, dass Ahold neue Aktien ausgibt, um seine Eigenkapitalquote zu verbessern. In Bankenkreisen hieß es, der Konzern werde wohl einen Erlös von sechs Milliarden Euro aus dem Verkauf von Vermögenswerten, Einsparungen, einer Kapitalerhöhung und möglicherweise einer Wandelanleihe anstreben. Das Eigenkapital gab Ahold per Ende Dezember 2002 mit 2,6 Milliarden Euro an. Im September 2002 waren es noch 5,8 Milliarden Euro, mehr als doppelt so viel. Die Schuldenlast bezifferte Ahold per Ende 2002 mit netto 11,59 Milliarden Euro.

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