Märkte Verzweiflung!

Schlechte Konjunkturdaten aus Übersee trüben die Hoffnung auf einen raschen Wirtschaftsaufschwung in den USA. Die Aktienmärkte in New York und Frankfurt tauchen ab. Der Dax verliert in der Spitze mehr als drei Prozent.

New York/Frankfurt am Main - Nach einem spürbaren Aufwärtstrend in den vergangenen Monaten droht die Konjunkturerholung in den USA allmählich ins Stocken zu geraten. Am Dienstag vorgelegte Wirtschaftsdaten deuteten auf gebremste Geschäfte der Industrie und ein eingetrübtes Konsumklima hin.

Volkswirte äußerten die Befürchtung, dass sich das Wachstumstempo der weltgrößten Volkswirtschaft abgeschwächt haben könnte. Die Finanzmärkte reagierten enttäuscht auf die deutlich schwächer als erwartet ausgefallenen Daten.

Die Börsen auf beiden Seiten des Atlantiks sowie der Dollar verzeichneten heftige Kursverluste. "Die Hoffnung auf eine Zwischenerholung können wir damit wohl begraben", sagte ein Marktteilnehmer in Frankfurt.

Euro steigt über die Marke von 1,17 Dollar

Der Dax  verlor am Nachmittag in der Spitze 3,6 Prozent auf 3202 Zähler. An der New Yorker Wall Street gab der Dow Jones  rund 1,60 Prozent ab, während der Nasdaq Composite  um mehr als zwei Prozent leichter notierte.

Alle Indizes konnten zum Abend ihre Verluste nur leicht verringern. So stand der Dax gegen 18.40 Uhr noch mit 2,9 Prozent im roten Bereich.

Der Euro verteuerte sich im Vergleich zum US-Dollar und kostete gegen am Abend 1,1666 Dollar, hatte aber am Nachmittag bereits die Marke von 1,17 Dollar klar durchbrochen. Die Europäische Zentralbank (EZB) hatte zuvor den Referenzkurs auf 1,1652 (Montag: 1,1413) Dollar festgesetzt. Der Dollar kostete damit 0,8582 (0,8762) Euro.

Einkaufsmanager zeigen sich deutlich skeptischer

Der Konjunkturindex der Einkaufsmanager aus dem Großraum Chicago ging im September überraschend stark zurück. Er fiel auf 51,2 von 58,9 Punkten im August, wie die Vereinigung der Chicagoer Einkaufsmanager mitteilte. Von Reuters befragte Volkswirte hatten einen geringeren Rückgang auf 57,0 Punkte erwartet.

Das Barometer gilt als wichtiger Vorlaufindikator für den landesweiten Einkaufsmanagerindex, der am Mittwoch erwartet wird. Werte über 50 Punkte signalisieren ein Geschäftswachstum im Verarbeitenden Gewerbe des Großraums Chicago, Werte darunter zeigen einen Rückgang an.

In den vergangenen Monaten hatten Daten eine Erholung der US-Industrie vom schwersten Branchenabschwung seit zwei Jahrzehnten signalisiert. Während der Krise hatte sich die Beschäftigung im verarbeitenden Gewerbe auf das Niveau gegen Ende der 50er Jahre reduziert. Eine Trendwende ist bisher nicht in Sicht. So fiel der Chicagoer Teilindex für die Beschäftigung im September deutlich auf 45,3 (51,2) Zähler und deutet damit auf einen Arbeitsplatzabbau hin.

US-Verbraucher fürchten sich vor Arbeitslosigkeit

Die angespannte Lage am Arbeitsmarkt lastet weiterhin auf der Stimmung der Konsumenten. Der vom privaten Forschungsinstitut Conference Board ermittelte Index zum Verbrauchervertrauen ging im September auf 76,8 (81,7) Punkte zurück, wie das Institut mitteilte. Analysten hatten den Index dem gegenüber im Schnitt mit 81,8 Punkten erwartet.

Der Einbruch des Verbrauchervertrauens und der Rückgang des Chicagoer Einkaufsmanagerindexes "erzählen uns, dass die US-Wirtschaft mittlerweile mit einem langsameren Tempo läuft als noch in diesem Sommer", sagte Volkswirt John Lonski von Moody's Investors Service. "Von dem Ausgabenschub durch die Steuersenkungen haben ausländische Hersteller stärker profitiert als die heimische Industrie in den USA", ergänzte er.

Zunehmende Konkurrenz aus Niedriglohn-Ländern

Die US-Unternehmen sehen sich einer zunehmenden Konkurrenz aus Niedriglohn-Ländern ausgesetzt. Das gilt vor allem für die Wettbewerber aus China, die aus Sicht der USA zudem von unfairen Exportvorteilen durch den künstlich niedrig gehaltenen Außenwert der chinesischen Währung profitieren.

"Die Leute könnten wegen der Beschäftigungssituation ihren Glauben an eine starke Erholung verlieren", sagte Stephen Stanley von RBS Greenwich Capital Markets. Neuen Aufschluss über die Stellenentwicklung gibt am Freitag der Arbeitsmarktbericht der Regierung für September.

Der Verbrauchervertrauensindex gilt als wichtiger Indikator für die künftige Entwicklung der Konsumausgaben, die rund zwei Drittel der US-Wirtschaftsleistung ausmachen. Wie Daten aus den vergangenen Monaten zeigen, hat sich die eingetrübte Stimmung aber bislang nicht auf das tatsächliche Kaufverhalten niedergeschlagen.

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