ManU Sir Alex' Gewinnmaschine

Der englische Fußballmeister hat nach einer erfolgreichen Champions-League-Saison und dem Millionentransfer von Ausnahmefußballer David Beckham eine solide Bilanz vorgelegt. Angesichts der guten Zahlen müht sich die Vereinsleitung, Übernahmegerüchte zu zerstreuen.
Von Harald Grimm

Manchester/Hamburg - Manchester United (ManU)  hat erneut seine Ausnahmestellung im europäischen Sportgeschäft bewiesen. Der Vorsteuergewinn stieg im abgelaufenen Geschäftsjahr 2002/03 um 22 Prozent auf 39,3 Millionen Pfund, teilte der börsennotierte englische Fußballverein mit.

Zur Bilanzpräsentation am Dienstag spielte der Verein Gerüchte um eine Übernahme herunter. Es habe bislang keine diesbezüglichen Gespräche gegeben. "Kein Aktionär ist mit Übernahmegesprächen oder auch nur einem Platz im Aufsichtsrat an uns herangetreten", sagte Finanzchef Nick Humby.

Seit der Übernahme des Liga-Rivalen Chelsea FC durch den russischen Milliardär Roman Abramowitsch halten sich Spekulationen, dass auch der erfolgreichste englische Fußballklub der vergangenen zehn Jahre ins Visier von Großinvestoren geraten ist. Angeheizt wurden die Gerüchte von der Nachricht, dass auch Altaktionäre ihre Beteiligungen aufgestockt hätten. Dazu gehören die irischen Rennpferd-Besitzer John Paul McManus und John Magnier sowie der Eigentümer des US-amerikanischen Super-Bowl-Gewinners Tampa Bay Buccaneers, Malcolm Glazier.

Gewinn stieg über Analystenerwartungen

Die nun vorgelegten und überraschend guten Geschäftszahlen werden nach Ansicht von Merrill-Lynch-Analyst Andrew Burnett Manchester United für einen Jäger noch attraktiver machen. Der Verein sei Schuldenfrei, verfüge über Cashreserven in Höhe von 28 Millionen Pfund und überzeuge mit einem soliden Geschäftsmodell.

Nach Vereinsangaben legte der operative Gewinn vor Sondererträgen und Spieler-Transferzahlungen um 45 Prozent auf 50 Millionen Pfund zu. Analysten hatten nur mit 47,5 Millionen Pfund gerechnet. Der Gewinn je Aktie (EPS) erhöhte sich um 20 Prozent auf 11,5 Pence.

Die Jahresdividende will der Verein im Vergleich zum Vorjahr um 19 Prozent auf 2,5 Pence steigern. Zusätzlich soll eine Abschlussdividende in Höhe von 1,5 Pence ausgeschüttet werden.

"Großartige Zahlen"

"Das sind großartige Zahlen", sagte Andrew Lee, Analyst bei Dresdner Kleinwort Wasserstein. Der Verein werde das Ergebnis nur mit Mühe im kommenden Jahr erreichen.

Der Markt reagierte mit einem leichten Kursaufschlag. Am Mittag notierte das Papier mit 200,25 Pence nur um 0,12 Prozent höher.

Millionenverträge mit Nike und Vodafone

Manchester United gilt als reichster Fußball-Verein der Welt und hat zudem äußerst lukrative Sponsoringverträge abgeschlossen. ManU-Chef David Gill wies vor allem auf die Partnerschaften mit dem Ausrüster Nike  und dem Mobilfunkgiganten Vodafone  hin.

Die Gewinne aus den Transfererlöse sind trotz des Wechsels von Superstar David Beckham zu Real Madrid von 17,4 Millionen Pfund 2001/02 auf 12,9 Millionen Pfund gesunken. Allein für den blonden Mittelfeldregisseur erhielten die Engländer abzüglich aller Kosten 15,9 Millionen Pfund.

Vertragsverlängerung für Ferguson?

Ferguson verhandelt über Vertragsverlängerung

Die Spielergehälter sind nach Vereinsangaben um zwölf Prozent gestiegen und betragen damit 46 Prozent des Gesamtumsatzes. Das Lohnkosten/Umsatz-Verhältnis von ManU ist damit deutlich günstiger als das der englischen Liga-Rivalen.

Vater des sportlichen Erfolgs ist nach Ansicht vieler Fußballkenner Alex Ferguson. Der Trainer - von der Queen um seine Verdienste für den Fußball bereits geadelt - verhandelt derzeit über eine Verlängerung seines bis 2005 laufenden Vertrags und ist bereits.

"Wir möchten die Zusammenarbeit mit Ferguson fortsetzen, und er möchte auch weitermachen. Ich bin sicher, dass unsere Gespräche erfolgreich sein werden", sagte Gill.

Ferguson ist seit 1986 Trainer in Manchester und damit der dienstälteste Coach in der englischen Premier League. Unter seiner Regie gewann der Club in den vergangenen elf Jahren acht englische Meisterschaften sowie den Champions-League-Titel 1999 gegen Bayern München. In den vergangenen sieben Jahren hat der Verein jedes Jahr das Champions-League-Viertelfinale erreicht.

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