Tagesausblick Am Scheideweg

Der Dax wird sich weiter konsolidieren, meinen viele Marktbeobachter. Als Gründe werden der überraschend starke Euro und unsichere Konjunkturaussichten genannt. Zwei US-Indizies geben Aufschluss, in welche Richtung sich die US-Wirtschaft entwickeln könnte.

Frankfurt am Main - Nach starken Verlusten in den vergangenen Wochen sind die Kurse am deutschen Aktienmarkt auch am Montag weiter gefallen, wenn auch nur leicht. Aber ganz offensichtlich ist die Schwächeperiode an den Aktienbörsen noch nicht ausgestanden. Dabei gehen die Meinungen der Analysten auseinander, ob die Anleger lediglich Gewinne mitnehmen oder ob hinter der Entwicklung andere Gefahren für den wirtschaftlichen Aufschwung, vor allem in Amerika, stehen.

Der Deutsche Aktienindex Dax  hat am Montag knapp im Minus geschlossen. Vor allem starke Kursabschläge bei SAP  und Bankentitel belasteten das Börsenbarometer. Versicherungswerte wurden stärker nachgefragt. Der Index verlor zum Börsenschluss 0,04 Prozent auf 3323,38 Zähler. Zuvor hatte er bis auf 3364,58 Punkte angezogen. Der Mdax  stieg um 0,75 Prozent auf 4015,63 Punkte. Der TecDAX gewann 0,48 Prozent auf 487,80 Punkte.

Händler führten die Verluste auf einen festeren Euro zurück. "Deutschland ist ein Exportland und daher abhängig von der Währung", sagte der Leiter des Wertpapierhandels Fidel Helmer von Hauck & Aufhäuser.

Die Wall Street hat am Montag mit einer freundlichen Tendenz geschlossen. Der Dow Jones  für 30 Industriewerte stieg um 0,7 Prozent oder 67 Punkte auf 9380. Als Gründe nannten Händler steigende Halbleiterumsätze und positive Aussagen zur Umsatzentwicklung von Wal-Mart . Der S&P-500-Index  erhöhte sich um ein Prozent oder zehn Zähler auf 1007. Der Nasdaq-Composite  stieg um 1,8 Prozent oder 32 Zähler auf 1825.

Sun: Überraschender Verlust

Eine unerwartete Nachricht teilte der Computerhersteller Sun Microsystems  nachbörslich mit. Der Konzern hat im vierten Quartal wegen einer Steuerrückstellung einen Verlust von 1,05 Milliarden Dollar erlitten. Ein geringer Gewinn war vom Unternehmen erwartet worden. Außerdem prognostiziert das Unternehmen für das vierte Quartal einen deutlich höheren Verlust als die Analysten bisher angenommen hatten. Die Aktie verlor nachbörslich deutlich an Wert.

US-Einkaufsmanagerindex im Blick

Gespannt warten die Händler am heutigen Dienstag vor allem auf zwei Meldungen aus den USA. So ist die Veröffentlichung des Konjunkturbarometers der Chicagoer Einkaufsmanagerindex angekündigt. Dieser gilt als wichtiger Vorlaufindikator für den landesweiten Einkaufsmanagerindex. Daneben ist die Bekanntgabe des Index des US-Verbrauchervertrauens, der Hinweise auf das zukünftige Kaufverhalten der Verbraucher gibt, angekündigt. Konsumausgaben machen rund zwei Drittel der Wirtschaftsleistung der USA aus.

Nicht weniger aufmerksam werden die Händler die Daten zum EU-Geschäftsklima und Verbraucherstimmung (August/September) sowie die Verbraucherpreise in der Eurozone (September) abwarten.

EuGH urteilt über VW-Beihilfen

Von der Unternehmenseite her wird dürfte das Urteil des Europäischen Gerichtshof (EuGH) in Sachen Volkswagen  große Aufmerksamkeit erregen. Das Gericht hat über die Rechtmäßigkeit von Millionenbeihilfen von VW-Werken in Sachsen zu entscheiden. Erwartet wird auch ein Urteil über die Möglichkeit von Unternehmen, in einem EU-Land Rechtsformen aus anderen Mitgliedsländern zu nutzen und damit Vorschriften zur Mitbestimmung oder Haftung und Gläubigerschutz zu umgehen.

Ford will weiter Stellen abbauen

Die angekündigte Allianz zwischen den Fluggesellschaften KLM  und Air France  ist offenbar unterdessen ins Stocken geraten. ie Gespräche befinden sich in einer "wichtigen Phase", teilte die niederländische KLM am Dienstag in Amsterdam mit. Ein Sprecher sagte: "Wir haben nie ein Datum oder einen Zeitplan für den Abschluß der Gespräche genannt."

Negative Nachrichten gibt es vom angeschlagenen Automobilhersteller Ford . Der Konzern will sich in Deutschland bis zum Jahresende von 1700 Beschäftigten trennen. Der Abbau soll durch ein Pensions- und Abfindungsprogramm stattfinden.

Vivendi braucht frisches Geld

Frisches Geld will sich der Medien- und Telekomkonzern Vivendi Universal SA  besorgen. Der Konzern wolle eine 615-Millionen-Euro schwere Wandelanleihe über seinen Anteil an der spanischen Pay-TV-Gruppe Sogecable begeben, hieß es in einer Mitteilung. Der Emissionserlös solle zur teilweisen Zurückzahlung der 1999 emittierten Wandelanleihe OCEANE auf eigene Aktien mit einem Gesamtvolumen von 1,7 Milliarden Euro verwendet werden.

Zurück zu der Börsenentwicklung: Insgesamt scheint die Stimmung am Markt weiter belastet zu sein. Der traditionell schwache Monat September hat zu vielen Kursrückgängen geführt. Allerdings gelten auch die zwei ersten Oktoberwochen als schwache Perioden an den Aktienmärkten. So gesehen dürfen sich die Investoren gerade in diesem Zeitraum zurückhalten. Der Dax wird sich wohl auch in naher Zukunft konsolidieren.

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