Mannheimer Stellenabbau soll aus der Krise führen

Der angeschlagene Versicherer speckt ab und sucht damit den Weg aus der Krise. 120 Stellen sollen wegfallen, Kündigungen schließt das Unternehmen nicht aus. Ein Vorstandsmitglied hat seinen Schreibtisch bereits geräumt.

Hamburg/Mannheim - Die in die Finanzkrise geratene Mannheimer Holding  ordnet sich neu und wird 130 Stellen abbauen. Zudem sollen 120 weitere Beschäftigte ab 1. Oktober nur noch für die Auffanggesellschaft Protektor arbeiten.

Insgesamt will die Mannheimer Versicherung ab 2004 jährlich 20 Millionen Euro einsparen und so die im Konzern verbleibenden 800 Stellen sichern, teilte das Unternehmen am Montag in einer Pressemitteilung mit.

Der bisherige Finanzvorstand Ulrich Lichtenberg wird das Unternehmen zum 1. Oktober verlassen, hieß es weiter. Im Zusammenhang mit dem Zusammenbruch der Lebensversicherungssparte ermittelt die Staatsanwaltschaft gegen Lichtenberg und andere Manager (wir berichteten).

Sozialplan in Zusammenarbeit mit dem Betriebsrat

Holding-Chef Lothar Stöckbauer sagte, die Mannheimer sei in ihrem Kerngeschäft, der Schaden- und Unfallversicherung, in 2003 gut vorangekommen. Durch den Wegfall der Lebensversicherung bestehe gleichwohl "Anpassungsbedarf".

Umsetzungen, Frühverrentungen und freiwillige Aufhebungsverträge sollen die Zahl der betriebsbedingten Kündigungen "auf ein unvermeidbares Maß" beschränken. Ein Sozialplan werde in Zusammenarbeit mit dem Betriebsrat erstellt.

365.000 Verträge sollen verkauft werden

Die Mannheimer hatte Mitte September die Verhandlungen zur Übertragung der Lebensversicherungsbestände auf die Protektor AG beendet. Die Auffanggesellschaft will die rund 365.000 Verträge sanieren und spätestens nach zwei Jahren verkaufen. Die Finanzaufsicht (BaFin) prüft derzeit die Vereinbarungen zwischen Protektor und der Mannheimer Holding.

Sollte die BaFin den Verträgen zustimmen, muss die Mannheimer Holding 193 Millionen Euro aus möglichen künftigen Überschüssen an Protektor abführen. Die Übertragungsbilanz wies eine Unterdeckung in dieser Höhe der Mannheimer Leben aus.

Das Neugeschäft wurde eingestellt

Die Lebensversicherungssparte war infolge riskanter Aktienspekulationen des ehemaligen Holding-Chefs Hans Schreiber in eine finanzielle Schieflage geraten. Die deutsche Versicherungswirtschaft hatte sich nicht einvernehmlich auf ein Rettungskonzept einigen können.

Daraufhin hatte das von der Branche gegründete Notinstitut Protektor die Kunden der Mannheeimer Leben übernommen. Das Neugeschäft ist eingestellt worden.

Die Aufgaben des ausscheidenden Finanzvorstandes Lichtenberg wird Klaus Bohn übernehmen, hieß es in der Mitteilung weiter. Er ist bereits für die Mannheimer Krankenversicherung und die Online-Lebensversicherung "mamax" verantwortlich. Weitere Veränderungen soll es im Bereich der dezentralen Vorstände geben, weil die Zweigniederlassungen zum Januar 2004 aufgelöst werden.

Da über die Zukunft von "mamax" und der Mannheimer Asset Management noch nicht endgültig entschieden sei, wolle die Holding die abschließende Struktur im Detail erst in den kommenden Wochen festlegen.

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