Deutsche Post "Ein warmer Regen"

Der Logistikkonzern bereitet seine Banktochter für die Börse vor. Bereits im ersten Halbjahr 2004 könnte die Erstnotiz erfolgen. Analysten erwarten Einnahmen in Milliardenhöhe. Finanzminister Eichel soll leer ausgehen.

Bonn/Frankfurt am Main - Es ist eine ungewohnte Nachricht geworden: Ein Unternehmen will an die Börse gehen. Es handelt sich dabei auch nicht um ein X-beliebiges, sondern ein überaus respektables und auch profitables Haus - die Deutsche Postbank AG. In einem Jahr, im Herbst 2004, sollen Anleger ihre Aktien kaufen können. Dies könnte für andere Börsenpläne ein Signal sein, und dem Dax  wird mit der größten Privatkundenbank in Deutschland ein neuer Kandidat winken.

An den Vorbereitungen zur Börseneinführung wird nach dem grünen Licht der Aufsichtsräte ab sofort bei dem Bankinstitut, und der Eigentümerin Deutsche Post  mit Hochdruck gearbeitet. Die Postbank sei ein "schlafender Finanzriese" und ein "absolut unterbewertetes Juwel", sagte Post-Vorstandschef Klaus Zumwinkel bei der Ankündigung des Börsengangs am Montag in Bonn.

Zumwinkel rechnet grob mit einem Erlös von 2,5 Milliarden Euro aus dem Börsengang der hundertprozentigen Tochter. Eine Sonderausschüttung für den Bund als Post-Mehrheitsaktionär soll es dabei nicht geben. Der Logistikkonzern will mindestens 50 Prozent plus eine Aktie an der Postbank behalten.

"Guter Zeitpunkt für den Börsengang"

"Der Herbst nächsten Jahres wäre ein guter Zeitpunkt für den Börsengang", sagte Zumwinkel am Montag in Bonn, nachdem die Aufsichtsräte von Post und Postbank grünes Licht für einen Börsengang innerhalb der nächsten 18 Monate gegeben hatten. Die erwarteten Milliarden-Erlöse sollten je zur Hälfte für den Abbau der Verschuldung und den Aufbau des europäischen Logistik-Netzes verwendet werden. Die Rating-Agentur Standard & Poor's (S&P) bekräftigte unterdessen ihre Bonitätseinschätzung für die Postbank. Die Post-Aktie verlor bis zum Nachmittag 0,61 Prozent auf 14,68 Euro.

Auch der Chef der Postbank, Wulf von Schimmelmann sieht einen günstigen Zeitrahmen für die Aktienplatzierung. An den Börsen gebe es "einen Silberstreif am Horizont", die Kurse hätten angezogen. "Die Anleger sind dabei, ihre fast panische Angst vor Aktien zu verlieren".

Der Start der Postbank-Aktie könnte der größte Börsengang in Deutschland seit Anfang 2001 werden. Die Bank ist mit mehr als zehn Millionen Kunden die größte Filialbank Deutschlands und hatte Ende 2002 gut 10.200 Mitarbeiter. Der Gewinn vor Steuern legte im vergangenen Jahr um gut 16 Prozent auf 399 Millionen Euro zu.

Zumwinkel: Keine Sonderausschüttung für Eichel

Zumwinkel und von Schimmelmann, sprachen - basierend auf einem Gesamtwert der Postbank von gut fünf Milliarden Euro - von einem theoretischen Erlös in Höhe von rund 2,5 Milliarden Euro. Davon wolle die Post etwa die Hälfte in die Verbesserung ihres Ratings investieren, um wieder eine "AA"-Note statt nur "A" zu erreichen und ihre Finanzierungskosten damit zu senken. Sonderausschüttungen an den Bund zum Stopfen von Haushaltslöchern soll es nicht geben.

"Der Bund wird über eine Erholung des Börsenkapitals der Post profitieren und erst dann Geld erlösen, wenn er Post-Aktien verkauft", sagte Zumwinkel. Der Bund hält derzeit noch rund 50 Prozent an der Post direkt, weitere 18 Prozent sind bei der staatlichen KfW geparkt.

Die Post strebt eine breite Streuung der Postbank-Aktien an, will also keinen neuen Großaktionär ins Boot holen. Bei dem Börsengang sollen zwei Investmentbanken die Federführung erhalten, das Auswahlverfahren läuft aber noch. Die Papiere sollen ausschließlich in Frankfurt notiert werden. Hauptsitz der Postbank soll Bonn bleiben.

Börsengang soll "zügig, aber sorgfältig" geplant werden

Postbank-Chef: Werden zügig, aber sorgfältig vorgehen

Postbank-Chef Schimmelmann sagte, sein Institut werde sich noch stärker auf das Privatkundengeschäft konzentrieren. "Wir haben uns vorgenommen, unsere Aufgaben zügig, aber mit der gebotenen Sorgfalt zu erledigen", sagte Schimmelmann. Unter Zeitdruck stehe die Post aber nicht.

Dabei senkt die Postbank ihre Kosten weiter und ist auf Kurs für ein weiteres Rekordergebnis. Schimmelmann stellte für 2003 einen Gewinnanstieg im prozentual zweistelligen Bereich in Aussicht. Damit dürfte die Bank in diesem Jahr mindestens 440 Millionen Euro vor Steuern verdienen. Bei der Risikovorsorge für faule Kredite werde es allerdings einen Anstieg geben, ergänzte Schimmelmann. 2002 hatte die Postbank für faule Kredite eine Risikovorsorge in Höhe von 137 Millionen Euro gebildet.

Analysten: Post wird fast die Hälfte der Anteile ausgeben

Im Gegensatz zu Post-Chef Zumwinkel schätzen die meisten Analysten den Wert der Postbank auf rund vier Milliarden Euro und rechnen damit, dass der Logistikkonzern nahezu die Hälfte der Anteile am Kapitalmarkt platzieren wird. Damit wäre die Postbank der größte Börsengang seit dem der Deutschen Börse  Anfang 2001.

"Das wäre natürlich ein warmer Regen, um die Schulden zu reduzieren", sagte SES Research-Analyst Klaus Linde zum Emissionserlös. Derzeit habe die noch mehrheitlich zum Bund gehörende Post rund zwei Milliarden Euro Verbindlichkeiten, wobei der Preis für die Übernahme des US-Logistikers Airborne Express noch nicht berücksichtigt sei. Dieser werde den Schuldenstand um eine weitere Milliarde Euro erhöhen.

Die Post dürfte durch den Börsengang zudem ihre Kriegskasse auffüllen, um weitere Akquisitionen zu finanzieren. "Vor dem Hintergrund des 2007 auslaufenden Briefmonopols gibt es Pläne zur Expansion - unter anderem in Dänemark, Österreich und der Schweiz", erläuterte Analyst Linde.

S&P bekräftig "A"-Rating

Die Rating-Agentur S&P bekräftigte indes ihre Einschätzung für beide Unternehmen, weil die Post Mehrheitseigner bleiben werde und die Postbank weiter die Infrastruktur des Konzerns nutzen könne. Die langfristigen Verbindlichkeiten werden von S&P jeweils mit der sechsthöchsten Note "A" bewertet und haben einen negativen Ausblick. Damit liegen die Noten im Bereich der oberen Mittelklasse. Ratings messen die Fähigkeit eines Schuldners, seinen laufenden Verpflichtungen nachzukommen.

Stellenstreichungen sind geplant

Für die rund 10.000 Postbank-Beschäftigten verheißen die Börsen-Pläne hingegen nicht nur Gutes. Im Interesse des "share holder value" wird noch stärker auf Rentabilität, Ertrag und Kosten geachtet werden, wie Zumwinkel offen ankündigte. Rund ein Viertel der Stellen soll wegfallen.

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