Die Trinkaus-Kolumne Lieber fünf Minuten feige ...

... als ein Leben lang tot. So stand es einst auf einer Schulbank, auf der ich mein Mittelstufendasein fristete. Für die Anhänger von Hightech-Werten könnte in der nächsten Zeit eine Variante dieses Spruchs Wirklichkeit werden, frei nach dem Motto: "Lieber eine Zwischenrallye verpassen als am Jahresende ein großes Minus verbuchen."
Von Klaus Lüpertz

Die abgelaufene Woche sah die Aktienmärkte im Schwitzkasten des Treffens der wichtigsten Finanzminister und Notenbankchefs in Dubai am vergangenen Wochenende. China und Japan wurden mehr oder minder direkt zur Aufwertung ihrer Heimatwährungen gegenüber den anderen relevanten Weltwährungen aufgefordert.

Hintergrund dafür waren diverse Studien (zum Beispiel vom IWF), die besagten, dass bei einem anhaltenden US-Leistungsbilanzdefizit eine weitere Abwertung des Greenback drohe. Diese wiederum würden für den Fall, dass die genannten Währungen dann immer noch fixe Wechselkurse aufweisen, zu Lasten des Euro gehen.

Öl ins Feuer gegossen wurde durch die Statements der Vertreter Chinas und Japans. In beiden Ländern sehe man kurzfristig nicht die Notwendigkeit zu einem solchen Schritt, hieß es.

Milliardenschwere Stützungskäufe

China praktiziert weiterhin eine Anbindung der eigenen Währung an den US-Dollar, viele andere asiatische Länder, darunter Japan, Singapur, Thailand und auch Korea, stützen die eigene Valuta durch Interventionen. Allein die Notenbanken Chinas und Japans intervenierten in den vergangenen zwölf Monaten jeweils im Volumen von circa 100 Milliarden Dollar.

Die Börse reagierte sofort mit der logischen Gedankenkette: Wenn es denn so kommt, dann sind europäische Konjunkturhoffnungen nur noch Makulatur. Parallel dazu müssten die Unternehmensgewinnschätzungen und konsequenterweise natürlich auch die Aktienkurse nach unten korrigiert werden.

Genau das geschah an den Märkten. Darüber hinaus muss bei einem weiteren Schwächeln des US-Dollars befürchtet werden, dass auch die US-Aktien weiter unter Druck kommen, denn die Attraktivität von US-Anlagen für ausländische Investoren sinkt gleichermaßen wie der Außenwert der Währung. Zeitgleich werden Europas Exporte in das Land der unbegrenzten Möglichkeiten auch wieder teurer.

Die Folgen des schwachen Dollars

Dadurch sinken Wettbewerbsfähigkeit, Umsatz und letztendlich auch Ertrag bei Nicht-US-Firmen. Der Ruf des US-Finanzministers nach einer Politik des starken US-Dollars verhallte nahezu ungehört in der Wüstennacht.

An der Aktienbörse wurden vor allem Werte mit hohem Beta, und dazu zählen Technologieaktien nun einmal, besonders abgestraft. Zu den weiteren Verlierern gehörten vor allem Werte der Branchen, die seit dem Tiefpunkt am 12. März zu den Outperformern zählten: Zykliker, Unternehmen mit vergleichsweise schlechter Bilanzqualität und Small & Mid Caps.

Gefahr für Tech-Werte

Weitere Produktivitätsgewinne kaum zu erwarten

Ich glaube auch, dass die jüngste Entwicklung noch etwas anhalten wird. Die zahlreichen nach oben revidierten Gewinnschätzungen der jüngeren Vergangenheit preisen für mich deutlich zu viel Konjunkturoptimismus ein.

Die Wahrheit ist doch: Produktivitätsgewinne wie in der vergangenen Zeit, die sich auf circa sieben Prozent annualisieren, sind kaum noch machbar, denn: Der Treiber hinter der bisherigen Entwicklung waren Kostensenkungen.

Konjunkturszenario mit weiter niedrigen Zuwachsraten

Diese Schraube ist allerdings fast am Anschlag und kann sich nur weiterdrehen lassen, wenn andere volkswirtschaftliche Konsequenzen akzeptiert werden. Warum? Ganz einfach. Spart man bei den Zulieferern, fehlt es dort an Umsatz und Ertrag. Drückt man die Arbeitslöhne, ist weniger Geld für den Konsum da.

Ob eine dieser Maßnahmen also in ihrer Gesamtheit hilft? Das ist zu bezweifeln. Produktivitätsgewinne und gegebenenfalls höhere Margen sind nur durch reale Umsatzsteigerungen machbar. Vor unserem aktuellen Konjunkturszenario mit weiterhin niedrigen Zuwachsraten in 2004 erscheinen diese aber mehr Wunsch denn Wirklichkeit zu sein.

Das wird vor allem die Tech-Werte wieder stark treffen. Gerade in diesen Sektor ist über die vergangenen Wochen wieder viel, wenn nicht sogar viel zu viel Zuversicht eingepreist worden. Auf die Gefahr hin, dass ich mich wiederhole: Die Zeit ist noch nicht reif für Tech-Investments im großen Stil. Lieber fünf Minuten feige ...

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