Tagesausblick Schwacher Dollar bereitet Sorgen

Nach der Bayern-Wahl wächst auch an der Börse die Hoffnung, dass der notwendige Reformenprozess in Deutschland jetzt an Tempo gewinnt. Sorgen bereitet Händlern indes der schwache Dollar. Sie sehen Autowerte unter Druck. Für den Dax-Aufsteiger Continental schlägt heute die Stunde der Wahrheit.

Hamburg - Die Bundesregierung wird ihre Arbeitsmarkt-Prognose nach oben korrigieren, schreibt die "Bild". Das heißt im Klartext: Die Zahl der Arbeitslosen wird im Jahresmittel bei 4,4 Millionen liegen. Das ist Wasser auf die Mühlen des triumphierenden Wahlsiegers aus Bayern.

So mancher Kommentator sieht in dem Freistaat Bayern bereits das "Gegenmodell zur Berliner Republik" ("Welt") und in Edmund Stoiber den künftigen Kanzlerkandidaten 2006. Doch so weit sind wir noch lange nicht. Ersteres wäre noch unter Beweis zu stellen. Und im zweiten Fall dürfte zumindest Hessens Ministerpräsident Roland Koch (CDU) noch Ansprüche anmelden.

Gleichwohl verknüpft sich mit dem in der Republik bislang einmaligen Wahlergebnis Bayerns die Hoffnung auch vieler Nicht-Wähler, dass der notwendige Reformprozess in Deutschland stärker vorangetrieben wird als bisher. Den "schwarzen Peter" indes sieht das "Handelsblatt" jetzt bei der CDU, die sich in einem beklagenswerten Zustand befinde und immer noch nicht wisse, ob sie in puncto Reformen nun verstärkt mit der Bundesregierung kooperieren oder "blockkierende Fundamentalopposition" sein wolle.

Letzteres sei wenig wahrscheinlich, glaubt Commzerbank-Stratege Ralph Solveen, da die nächste Bundestagswahl eben noch weit entfernt liege. Vielmehr gebe es für die CDU/CSU nun keine Ausrede mehr, sich den Reformvorschlägen der Bundesregierung nicht zu stellen, äußert sich Solveen gegenüber der "Welt" (Montagausgabe). Der Stratege erwartet nun konstruktive Lösungen. Ähnlich haben sich auch Experten von Dresdner Kleinwort Wasserstein oder Morgan Stanley gegenüber der Zeitung geäußert. Letztere haben ihre Wachstumsprognose für Deutschland in 2004 auf 2,1 Prozent angehoben.

Anleger schielen besorgt nach New York

Dennoch rechnen Händler wie Lang & Schwarz für diesen Montag zunächst einmal mit einem schwächeren Handelsauftakt in Frankfurt. Nach dem anhaltend kräftigen Kursanstieg in den vergangenen Wochen schielten die Anleger nun wieder auf die am 7. Oktober startende Berichtssaison in den USA. Denn im Vorfeld einer jeden Berichtssaison setzen Unternehmen die Märkte davon in Kenntnis, ob sie möglicherweise ihre Prognosen nicht einhalten können.

Belasten für den Handelsstart in Frankfurt käme hinzu, dass die asiatische Leitbörse in Tokio mit dicken Verlusten geschlossen hat. Der Nikkei gab am Montag 4,2 Prozent oder 463 Zähler nach. Der Index ging bei 10.475 Punkten aus dem Handel.

Wohin steuert die Conti-Aktie?

Angesichts weniger Unternehmensnachrichten dürften heute zunächst die Aktien des Dax-Aufsteigers Continental  in den Fokus der Anleger rücken. Die Papiere hatten in den vergangenen Wochen bereits deutlich zugelegt. Vorbörslich wurde das Papier bei Lang & Schwarz zwischen 24,60 und 24,80 Euro gehandelt. Am Freitag kostete die Aktie zum Börsenschluss 24,69 Euro. Die Aktie ersetzt die Titel des Finanzdienstleisters MLP  im Dax.

Schwacher US-Dollar setzt Autowerte unter Druck

Die erneuten Kursverluste des US-Dollar könnten nach Einschätzung von Börsianern am Montag vor allem die exportorientierten deutschen Aktienwerte unter Verkaufsdruck setzen.

"Die Dollar-Schwäche hat schon in Asien zu großen Abschlägen bei den Autowerten geführt", sagte Heino Ruland, Leiter Research/Sales beim Handelshaus Steubing. Sollte es auch in Deutschland zu größeren Kursverlusten kommen, könnte dies eine größere Korrektur einleiten, fügte er mit Blick auf die gut 60-prozentige Dax-Rallye der vergangenen Monate hinzu. Die im Dax gelisteten Aktien der deutschen Autobauer notierten im vorbörslichen Handel des Brokerhauses Lang & Schwarz jeweils rund ein Prozent im Minus.

Das G-7-Treffen hat nach Einschätzung von Händlern Anzeichen für eine anhaltende Schwäche des Dollar geliefert. Es gebe keinen Zweifel mehr daran, dass die Politik eines starken Dollar ein "Relikt einer anderen Ära" sei, heißt es bei den Strategen der National Australia Bank. Der Dollar stehe unter "erheblichem Druck". Am Morgen notierte die Gemeinschaftswährung bei 1,1425 Dollar.

Schering erhält EU-Zulassung für Lungenpräparat

Bewegung könnte auch in die Aktien des Berliner Pharmakonzerns Schering  kommen. Das Unternehmen hat für sein Lungenpräparat Ventavis die Zulassung in allen EU-Staaten erhalten. Die EU-Kommission habe Schering die Erlaubnis gegeben, Ventavis zu vertreiben, teilte der Pharmakonzern am Montag vor Handelsbeginn mit. In einigen EU-Ländern solle der Vertrieb des Inhalationspräparats gegen Lungenhochdruck noch in diesem Jahr starten. "Wir werden Ventavis so bald wie möglich Ärzten und Patienten in den EU-Ländern zur Verfügung stellen", hieß es.

Vorbörslich haben Aktien des Arzneimittelherstellers Stada  knapp behauptet tendiert. Das Unternehmen will noch in diesem Jahr frische Aktien ausgeben und damit seine Eigenkapital-Basis stärken. Mit zwei Tranchen von zusammen bis zu 6,9 Millionen Aktien sollen 250 bis 350 Millionen Euro in die Kassen fließen.

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