Thilenius-Kolumne Wirtschaftsboom ohne Arbeit?

Die wachsende US-Wirtschaft wird den Arbeitsmarkt vorerst nicht nachhaltig stützen können. Trotz zu erwartender Rückschläge an der Börse sollte sich der mutige Anleger aber nicht von schwachen Arbeitsmarktdaten beirren lassen und in US-Aktien investiert bleiben.

Während die europäischen Wirtschaften derzeit stagnieren, regt sich in Amerika schon erfreuliches Wirtschaftswachstum. Das Bruttoinlandsprodukt der weltgrößten Volkswirtschaft hat im zweiten Quartal dieses Jahres ein Wachstum von 3,1 Prozent ausgewiesen. Das war etwas mehr als erwartet. Dies ist, gemessen an den Verhältnissen in Europa, außerordentlich erfreulich. Weniger erfreulich sind die neuen Arbeitsmarktdaten. Ziemlich unverändert liegt die Zahl der Erstanträge auf Arbeitslosenhilfe bei etwa 400.000 pro Woche. Analysten hatten mit nur 390.000 Anträgen gerechnet.

Hier zeichnet sich ab, dass die amerikanische Wirtschaft möglicherweise ein ordentliches Wachstum erzielt, das sich jedoch nicht oder jedenfalls noch nicht auf dem Arbeitsmarkt niederschlägt.

Dies könnte tatsächlich so eintreten. Einerseits ist die Entwicklung der Arbeitslosigkeit immer ein Spätindikator. Das bedeutet, dass erst die Wirtschaft wachsen muss und dann wieder Mitarbeiter eingestellt werden können. Steigendes Wirtschaftswachstum führt im Laufe der Zeit, in der Regel nach sechs bis neun Monaten auch zu höheren Beschäftigungsquoten. Von daher ist ein durchgreifender Abbau der Arbeitslosigkeit in diesem Jahr wenig wahrscheinlich.

Andererseits ist aber auch die Struktur der Arbeitslosigkeit zu beachten. Anders als in früheren Aufschwungphasen wie 1991, 1982, 1974 hat sich eine Verschiebung der Industrieproduktion ergeben. China ist die neue Fabrik der Welt. Viele Dinge, die bisher industriell in den USA oder auch in Europa oder in Japan gefertigt wurden, insbesondere nicht sehr anspruchsvolle Teile, werden zunehmend für wenig Geld in China hergestellt. Das bedeutet, dass die Arbeitslosigkeit im industriellen Bereich nicht so schnell abgebaut werden dürfte, wie in früheren Aufschwungphasen erwartet. Im Dienstleistungsbereich, der nicht so stark exportgefährdet ist, dürfte die Arbeit jedoch schneller wieder zunehmen.

Für den Investor bedeutet dies, sich nach den Wachstumszahlen des Wirtschaftswachstums auszurichten und sich nicht von dem sehr langsamen Abbau der Arbeitslosigkeit beirren zu lassen. Er sollte in den USA investiert bleiben.

Nach den kräftigen Kursanstiegen der vergangenen Monate nach dem Irak-Krieg muss er sich jedoch auf eine technische Reaktion gefasst machen, die noch in den Monaten September und Oktober eintreten und eine Kurskorrektur von ungefähr 500 Punkten im Dow Jones Index bringen könnte. Zum Jahresende hin dürfte diese Korrektur jedoch angesichts der guten wirtschaftlichen Daten wieder aufgeholt werden.

Für Neueinstiege bietet sich der Kauf von Indexzertifikaten auf den Dow Jones Index, den Standard&Poors 500 Index, oder für mutige und risikobewusste Investoren auch den Nasdaq Composite Index an.

Wer auf der sicheren Seite stehen möchte, wird die Hälfte des zur Verfügung stehenden Betrages jetzt investieren und die andere Hälfte solange auf dem Geldmarktfonds lassen, bis entweder noch im September und Oktober eine Korrektur stattfindet oder bis ab Oktober/November die jetzigen Höchststände wieder erreicht oder überschritten werden.

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