Rating-Streit S&P schießt zurück

Die Ratingagentur Standard & Poor's (S&P) wehrt sich gegen Angriffe. Politik und Unternehmen sollten nicht versuchen, die Bonitätswächter mit regulatorischen Schnellschüssen einer Kontrolle zu unterwerfen.

Frankfurt - Unter der Beschneidung der analytischen Freiheit der Agenturen leide zwangsläufig die Qualität der Bonitätseinschätzung, sagte der Geschäftsführer von S&P Deutschland, Torsten Hinrichs, im Gespräch mit der "Börsen-Zeitung" (Freitagausgabe) weiter. In der Folge drohe Kapital dorthin abzuwandern, wo sich Risiken besser einschätzen ließen. Das schade der deutschen Wirtschaft.

Nationale Alleingänge hält Hinrichs aus den gleichen Gründen für gefährlich. In der aktuellen Diskussion, die auch auf politischer Ebene geführt wird, wurde S&P bislang nicht eingebunden. Das würde sich Hinrichs allerdings ebenso wünschen wie den Einstieg in die Sachdiskussion, heißt es in dem Bericht weiter.

Münchener Rück: Aufstufung so schnell nicht in Sicht

Mehrere Dax-Konzerne haben in der Vergangenheit die Ratingagenturen wegen intransparenter Ratings kritisiert - zuletzt die Münchener Rück und ThyssenKrupp . Zuvor hatte Standard & Poor's im August das langfristige Emittenten- und Finanzstärke-Rating des weltgrößten Rückversicherers auf "A+" von zuvor "AA-" gesenkt. Der Konzern hatte die Abstufung vehement kritisiert, erwägt aber seither verschiedene Möglichkeiten zur Stärkung seiner Kapitalbasis.

Gleichwohl werden die S&P-Experten die Bonität der Münchener Rück so schnell nicht wieder heraufstufen. "Ich glaube nicht, dass sich unser Rating kurzfristig ändern wird", hatte der Geschäftsführer von S&P Deutschland, Torsten Hinrichs, bereits am Mittwoch in einem Reuters-Interview erklärt. Selbst wenn demnächst eine Kapitalerhöhung kommen sollte, bleibe es zunächst bei einem "soliden" A+. Denn auch nach so einem Schritt müsse die Münchener Rück über Ertragswachstum weiter ihre Kapitalbasis verbessern, gab Hinrichs zu verstehen.

Im Februar hatten die Experten von Standard & Poor's das Rating von ThyssenKrupp wegen der Pensionsverpflichtungen auf den sogenannten "Ramsch-Status" (Junk) gesenkt. ThyssenKrupp-Chef Ekkehard Schulz hatte seinerzeit den Schritt als "nicht nachvollziehbar" bezeichnet.

"Unkontrollierte Machtstruktur im Weltfinanzsystem"

Auch das Deutsche Aktieninstitut (DAI), der Bundesverband der Deutschen Industrie (BDI) und die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) hatten sich kritisch zur Intransparenz der Ratings geäußert. So hatte BaFin-Chef Jochen Sanio die Rating-Agenturen noch im Juni als die "größte unkontrollierte Machtstruktur im Weltfinanzsystem" bezeichnet. Zudem war die Forderung nach vermehrter staatlicher Kontrolle und der Einrichtung einer Schiedsstelle laut geworden.

"Ratings können nie ganz transparent sein"

Zu dem Vorwurf mangelnder Transparenz der Ratings hatte Hinrichs gegenüber Reuters erklärt, solche Beurteilungen könnten nie ganz transparent gemacht werden. Denn einerseits bekämen die Rating-Agenturen von den betroffenen Unternehmen vertrauliche Informationen. Vor allem aber bestehe jedes Rating aus einem quantitativen und einem qualitativen Teil.

Während der quantitative Teil messbare Größen wie Ertrag und Kapitalstärke beurteile, befasse sich der qualitative Teil mit schwieriger zu beurteilenden Faktoren. Dazu zählten etwa das Marktumfeld oder strategische Möglichkeiten des Unternehmens. "Hier ergibt sich automatisch ein Grad an Intransparenz, der vom Markt auch so gesehen wird", so Hinrichs.

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