Fed-Zinsentscheid Wachstum mit Warnsignal

Die US-Wirtschaft dürfte im zweiten Halbjahr so kräftig wachsen wie seit dem Boomjahr 1999 nicht mehr. Eine Zinssenkung wird von der Fed am Dienstag nicht erwartet - aber deutliche Worte dazu, wie die USA ein "Wachstum ohne Jobs" verkraften können.

Washington - Das erwartet hohe Wachstumstempo der amerikanischen Konjunktur dürfte die Währungshüter der US-Notenbank (Fed) davon abhalten, die Zinsen weiter zu drücken. Beobachter erwarten nach der Sitzung des Offenmarktausschusses der Fed am Dienstag keine Veränderung des Zinsniveaus von derzeit 1,0 Prozent.

Entscheidend für die Aktienmärkte dürfte die Einschätzung der Währungshüter zur Konjunkturentwicklung sein. Volkswirte halten ein Wachstum der US-Konjunktur von mehr als vier Prozent im zweiten Halbjahr für möglich, da die Kriegsausgaben und die Steuergeschenke der Bush-Administration das Wirtschaftswachstum zumindest auf kurze Sicht stimulieren.

Auf eine konjunkturelle Erholung dürften auch die Konjunkturdaten hindeuten, die am heutigen Montag bekannt gegeben werden. Sowohl bei der Kapazitätsauslastung (plus 0,2 Prozent) als auch bei der Industrieproduktion im August (plus 0,3 Prozent) erwarten Volkswirte eine leichte Steigerung im Vergleich zum Vormonat.

Wachstum von mehr als vier Prozent erwartet

Ein Wachstum von mehr als vier Prozent wäre das deutlichste Quartalswachstum seit 1999. Das durchschnittliche Wachstum pro Quartal während der vergangenen zwei Jahre betrug in den USA zwei Prozent.

Die Fed hatte letztmals im Juni die Zinsen auf 1,0 Prozent gesenkt - den niedrigsten Stand seit 45 Jahren. Zahlreiche Volkswirte gehen davon aus, dass Fed-Chef Alan Greenspan vor der US-Präsidentenwahl im November 2004 die Zinsen nicht erhöhen wird.

Wachstum ohne Jobs - Produktivität gestiegen

Als Wermutstropfen bleibt allerdings, dass der Aufschwung noch nicht am Arbeitsmarkt angekommen ist. Unternehmen sind weiter sehr zögerlich, neue Arbeitskräfte anzustellen, so dass die Arbeitslosenquote trotz der konjunkturellen Aufwärtszeichen bei rund sechs Prozent geblieben ist. Die deutliche Steigerung der Produktivität in den Unternehmen sorgt dafür, dass eine Erholung der Nachfrage nicht unbedingt zu einem höheren Personalbedarf führt.

Die USA haben zwar bereits vor zwei Jahren die Rezessionsphase überwunden, doch in vielen Unternehmen werden weiterhin Menschen entlassen. Allein in diesem Jahr wurden in den USA fast eine halbe Million Arbeitnehmer gefeuert. Ein Wachstum ohne Jobs könnte sich als nur kurzfristiges Wachstum erweisen, da die Impulse von der Nachfrageseite ausbleiben. Sollte die Arbeitslosenquote bei sechs Prozent bleiben, besteht das Risiko, dass spätestens im Jahr 2004 die privaten Konsumausgaben zurückgehen.

Zu weiteren Zinssenkungen bereit

Alan Greenspan hatte im Juli ungewohnt deutlich signalisiert, dass die Fed die Leitzinsen zur Konjunkturbelebung für eine beträchtliche Zeit auf niedrigem Niveau belassen will. "Der FOMC (Offenmarktausschuss der Fed) steht bereit, seine sehr lockere geldpolitische Haltung so lange beizubehalten wie nötig, um eine befriedigende Wirtschaftsleistung zu bekommen", hatte Greenspan bei seiner mit Spannung erwarteten Anhörung vor dem Finanzdienstleistungs-Ausschuss des Repräsentantenhauses in Washington gesagt.

Sollte das Wachstum der weltgrößten Volkswirtschaft nicht kräftig an Fahrt gewinnen, stehe die Fed zu weiteren Zinssenkungen bereit. "Bei einem Schlüsselzins von derzeit 1,00 Prozent könnten weitere deutliche Lockerungen der Geldpolitik anstehen, wenn der FOMC derartige Schritte für notwendig erachtet", sagte Greenspan vor den Parlamentariern.

Der Euro tendierte einen Tag vor der Fed-Sitzung kaum verändert bei 1,1267 US-Dollar. Das schwedische Nein zum Euro hat den Kurs der Gemeinschaftswährung kaum beeinträchtigt.

US-Leitzinsen: Nur ein kleiner Schritt Kreditzinsen: Die Mär von der Made im Speck


Die Zinsschritte der EZB im Überblick Die Zinsschritte der Fed im Überblick

Verwandte Artikel

Die Wiedergabe wurde unterbrochen.