Tagesausblick Investoren bleiben ignorant

Die Wall Street ignoriert schwache Konjunkturdaten und dürfte daher den Handel in Frankfurt heute zunächst stützen. Erneut warnen die Bären vor der primär von hoher Liquidität getriebenen Aufwärtsbewegung. Sie erwarten eine Korrektur an den Börsen. Doch noch ist wenig davon zu sehen.

Frankfurt - Die Wall Street zeigt sich widerstandsfähiger als erwartet. Geringer als erwartet ausgefallene Umsatzzuwächse im amerikanischen Einzelhandel, schwache Daten zum USVerbrauchervertrauen und zum Teil enttäuschende Ergebnisse des Softwarekonzerns Oracle  steckte die weltgrößte Börse weg und schloss am Freitag noch im Plus, während der Dax  deutlich im Minus geschlossen hatte. Das dürfte am heutigen Montag den Handelsauftakt in Frankfurt stützen.

Sollten die Aktienmärkte zwischenzeitlich auch nach unten korrigieren, glaubt die Mehrheit der Aktienstrategen in den USA gleichwohl mittelfristig an weiter steigende Kurse. Einer Umfrage der Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung zufolge sehen die Experten noch fünf bis zehn Prozent Aufwärtspotenzial für die amerikanischen Aktienindizes.

"Der Markt ignoriert die Fundamentaldaten"

Der als Skeptiker und Bär bekannte Richard Berstein von Merrill Lynch führt die anhaltende positive Tendenz vor allem auf die nach wie vor hohe Liquidität im Markt zurück. "Leistungsdruck treibt die Fondmanager weiter dazu, langfristige Fundamentaldaten zu ignorieren und sich auf kurzfristige technische Indikatoren zu konzentrieren", zitierte die Zeitung Bernstein.

Dabei treibt auch andere Marktbeobachter die Frage um, ob nicht die Gewinne der Aktienmärkte mittlerweile die wirtschaftliche Realität überholt hätten. "Der Markt hat eine aggressivere Erholung eingepreist - nun müssen die Erwartungen angepasst werden", sagt etwa David Page, Volkswirt bei Investec.

Als Test für die Märkte dürften weitere zahlreiche Konjunkturdaten dienen, die in dieser Woche erwartet werden. Den Auftakt bilden heute unter anderem die Zahlen zur US-Industrieproduktion für die Monat August. Die Märkte erwarten hier noch ein kleines Plus von 0,3 Prozent gegenüber dem Vormonat. Alles was darunter liege, wäre eine Enttäuschung für die Börsianer und könnte die Märkte belasten heißt es. Zudem werden Daten zur amerikanischen Leistungsbilanz für das zweite Quartal und Daten zur Entwicklung der Lagerbestände für den Monat Juli erwartet.

Nein aus Schweden sollte Euro nicht belasten

Das Nein der Schweden zum Euro indes ist der Einschätzung von Volkswirten zufolge kein Misstrauensvotum gegen die Gemeinschaftswährung. "Die Schweden haben aus innenpolitischen Gründen mit Nein gestimmt. Zweifel an der Stabilität des Euro waren nicht der Grund für die Ablehnung", sagt etwa Martin Hüfner, Chefvolkswirt der Hypo-Vereinsbank. Die wirtschaftlichen Konsequenzen für den Euroraum seien daher gering. Er erwarte für Montag nur eine marginale Reaktion des Euro-Kurses.

Der Kurs des Euro hat sich am Montag deutlich über der Marke von 1,12 US-Dollar stabilisiert. Im frühen Handel kostete die europäische Gemeinschaftswährung 1,1259 Dollar und damit etwas weniger als am Freitagabend in New York. Der Dollar war 0,8877 Euro wert. Die Europäische Zentralbank (EZB) hatte den Referenzkurs am Freitag vor der Veröffentlichung enttäuschender US-Konjunkturdaten noch auf 1,1172 (Donnerstag: 1,1217) Dollar festgesetzt.

Telekom übernimmt polnischen Mobilfunkanbieter

Geschäftszahlen großer Unternehmen stehen am Montag nicht an. In den Fokus der Investoren könnten die Aktien der Deutsche Telekom  rücken. Der Konzern will die restlichen 51 Prozent des polnischen Mobilfunkanbieters PTC für rund 1,1 Milliarden Euro übernehmen. PTC gilt als profitabel und der polnische Mobilfunkmarkt als wachstumsträchtig. Negative Auswirkungen auf ihr Ergebnis erwartet die Telekom daher nach eigenen Angaben nicht.

Einen Blick werden die Investoren sicherlich auch auf die Papiere von France Telecom  werfen. Das Unternehmen ist von der französischen Wettbewerbsbehörde zur Zahlung eines Bußgeldes in Höhe von 40 Millionen Euro verurteilt worden. Der Konzern habe sich geweigert, Preise für Kunden zu senken, die Konkurrenzprodukte anböten, heißt es.

Die Börsen und Finanzmärkte in Japan sind am heutigen Montag wegen eines Feiertags geschlossen.

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