Teldafax Getuschel um Fusion mit Debitel

Die Marburger Telefongesellschaft und der Mobilfunker Debitel stehen angeblich kurz vor der Verschmelzung. In den kommenden Tagen soll die Entscheidung fallen.

München - Außer mit Debitel verhandele Teldafax noch mit MCI Worldcom, berichtet die "Süddeutsche Zeitung" (Freitagsausgabe). Fusionsverhandlungen mit der France Télécom seien an unterschiedlichen Preisvorstellungen gescheitert. Unter den verbleibenden Kandidaten gäben Insider Debitel die besten Chancen, weil es als führender Mobilfunk-Service-Provider die große Lücke im Spektrum der Teldafax-Leistungen schlösse.

Erst kürzlich war Debitel, eine Tochter von DaimlerChrysler und Metro, an die Börse gegangen, um sich mit Aktien als "Tauschwährung" für eine Fusion zu versorgen. Der Vorstandsvorsitzende Joachim Dreyer hält nach eigenen Worten nach einem Partner Ausschau, mit dessen Hilfe das Unternehmen schnell die kritische Größe von täglich 15 Millionen Minuten im Festnetzgeschäft erreichen kann.

Teldafax, das dieses Gesprächsvolumen bieten kann, sucht seinerseits den Einstieg ins Mobilfunkgeschäft und hat den Zusammenschluß mit einem "internationalen Unternehmen" angekündigt. Nach Ansicht des Analysten Holger Grawe von der WestLB passen die beiden Firmen zusammen "wie Tasse und Untertasse".

Der bereits bekannte Plan für einen Zukauf oder eine Fusion bestehe weiter, bestätigte Teldafax Finanzvorstand Henning Klose am Donnerstag nach der Hauptversammlung. Vorstandschef Gerhard Lenz ergänzte, Teldafax wolle künftig die gesamte Palette an Telekommunikationsprodukten anbieten und habe dabei auch den Markt für Mobiltelefone und Ortsgespräche im Blick.

Klose hatte bereits im Mai einen bedeutenden Zusammenschluß durch Zukauf oder Fusion binnen vier bis sechs Wochen angekündigt. "Wir sind noch im Plan", bekräftigte er das Vorhaben. Teldafax wolle im Mobilfunkbereich expandieren.

Lenz betonte, Teldafax strebe keine große Expansion im Ausland an; als weltweit drittgrößter Telekom-Markt biete Deutschland viel Wachstum. Weiter sagte er, das Unternehmen wolle sich zum Komplettanbieter im Telefonbereich entwickeln. Im Laufe des Jahres werde die Zahl der Einwahlpunkte von derzeit 24 auf 174 ausgeweitet, zudem würden eigene Glasfaserstrecken in Betrieb genommen. 1999 seien Investitionen über 84 Millionen Mark geplant, vor allem ins Ferngesprächsnetz.

Für 1999 erwartet die Telefongesellschaft den Angaben zufolge einen Gewinn je Aktie zwischen 1,60 Mark und 2,00 Mark, nach 0,48 Mark im vergangenen Jahr. Teldafax hatte 1998 bei einem Umsatz von 264 Millionen Mark ein Betriebsergebnis von 18 Millionen Mark erzielt. Im ersten Quartal 1999 lag der Umsatz bei 169 Millionen Mark, das Betriebsergebnis bei 19 Millionen Mark.