Münchener Rück Vorstand beugt sich dem Druck

Der designierte Vorstandschef Nikolaus von Bomhard will die Kapitalbasis früher stärken als geplant. Damit dürfte der Streit mit den Ratingagenturen um eine bessere Bewertung der Bonität aber noch nicht beigelegt sein.

Monte Carlo - Im Streit um eine bessere Bewertung ihrer Kreditwürdigkeit gibt die Münchener Rück  dem Druck der Ratingagenturen nach. Der Konzern will seine Eigenmittel schneller als geplant aufstocken. Das sagte der designierte Vorstandschef Nikolaus von Bomhard dem Handelsblatt (Mittwochausgabe). "Wir wollen den Fahrplan zur Stärkung unserer Kapitalausstattung beschleunigen", erklärte er. Ziel sei es, in den AA-Bereich zurückzukehren.

Wie und um welche Summe die Eigenmittel wieder aufgefüllt werden sollen, ließ von Bomhard offen. In erster Linie denke er aber an eine Erhöhung aus dem operativen Ergebnis und aus den Erträgen aus Kapitalanlagen sowie "soweit nötig eine Ergänzung durch sonstige Kapitalmaßnahmen". Da der Konzern allem Anschein nach ein gutes drittes Quartal erwartet, erlaube ihm dies, "den verkürzten Fahrplan einzuhalten".

Eine Kapitalerhöhung sei nur eine von mehreren Optionen, die der Münchener Rück zur Stärkung der Bilanz offen stünden, hatte von Bomhard bereits am Vortag auf einer Branchenkonferenz im französischen Monte Carlo gegenüber verschiedenen Nachrichtenagenturen erklärt.

Streit um die Kapitalstärke des Konzerns

Welche Maßnahme der Konzern auch immer ergreife, die Gesellschaft könne jedoch damit nicht bis Ende 2004 warten, sagte von Bomhard. Ursprünglich hatte sich der größte Rückversicherer der Welt diesen Termin gesetzt, um das nach Ansicht der Ratingagenturen zu niedrige Kapital aufzustocken.

Das vorzeitige Aufstocken der Eigenmittel kann vor diesem Hintergrund dann auch als eine Art vorläufiges Friedensangebot insbesondere an die Rating-Agentur Standard & Poor's (S&P) interpretiert werden. Erst kürzlich war zwischen der Münchener Rück und S&P ein Streit um die Kapitalstärke des Konzerns entbrannt. Nur um die Rating-Agenturen zufrieden zu stellen, werde die Münchener Rück nicht ihr Kapital erhöhen, hatte Controlling-Vorstand Jörg Schneider noch Ende August erklärt.

Von "AA-" auf "A+" heruntergestuft

S&P hatte am Vorabend der Präsentation der Quartalszahlen das langfristige Emittenten- und Finanzstärke-Rating der Münchener Rück von zuvor "AA-" auf "A+" heruntergestuft und weitere Kapitalmaßnahmen angemahnt. Bereits im Frühjahr hatte die Münchener Rück über zwei Anleihen 3,4 Milliarden Euro am Kapitalmarkt aufgenommen.

Schlechtere Einschätzungen der Kreditwürdigkeit durch die Rating-Agenturen erhöhen die Refinanzierungskosten der Versicherer und wirken dadurch als Wettbewerbsnachteil. Ein Rating misst die Fähigkeit eines Schuldners, seinen laufenden Verpflichtungen nachzukommen.

Alles nur eine Frage der Methode?

Kapitalbedarf: Alles nur eine Frage der Methode?

Die Münchener Rück  hatte im zweiten Quartal 2003 trotz deutlicher Verbesserungen im operativen Geschäft wegen hoher Rückstellungen für mögliche Steuerbelastungen das fünfte Quartal in Folge unter dem Strich einen Verlust - diesmal von 365 Millionen Euro - ausgewiesen.

Von Bomhard bezeichnete die Auseinandersetzung mit S&P indes in dem Bericht als "einen rein sachlichen Methodenstreit". Die Diskussion allerdings sei in dieser Frage noch nicht beendet. Vielmehr werde sie noch an Fahrt gewinnen, weil Aufsichtsbehörden in der EU, vor allem die in Großbritannien, eher den Standpunkt der Rückversicherer teilten.

"Alle Rückversicherer diskutieren eigene Modelle"

Der designierte Chef der Münchener Rück erklärte in diesem Zusammenhang, dass alle Rückversicherer eigene Modelle hätten, ihren Kapitalbedarf zu errechnen. Der Vorstand der Swiss Reinsurance  bestätigte dem Bericht zufolge diese Praxis. "Alle großen Rückversicherer diskutieren eigene Modelle mit den Ratingagenturen." Doch davon dringe nur wenig an die Öffentlichkeit.

Die Münchener Rück etwa kommt nach eigenen Berechnungen auf einen geringeren Kapitalbedarf als nach dem Modell von S&P, das sich rein auf Beitragseinnahmen und Schadenaufwendungen konzentriere, erklärte von Bomhard. Der so genannte Methodenstreit hat allerdings auch einen anderen knallharten ökonomischen Hintergrund.

Unerwartet hohe Versicherungsschäden als auch der drastische Wertverfall der Aktienanlagen der Rückversicherer hatten in den vergangenen Jahren die Finanzpolster dieser Konzerne extrem geschmälert.

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