Japan Licht am Ende des Tunnels

Der wankende Riese in Fernost scheint wieder Tritt zu fassen. Erstmals nach über einem Jahr Durststrecke ist Nippons Wirtschaft im ersten Quartal 1999 wieder gewachsen.

Tokio - Die japanische Wirtschaft hat zwischen Januar und März überraschend stark zugelegt und die Regierung in ihrer Prognose bestätigt, daß die Rezession in diesem Jahr überwunden werden könnte. Das japanische Bruttoinlandsprodukt (BIP) legte im Vergleich zum Schlußquartal 1998 um real 1,9 Prozent zu, berichtete das Amt für Wirtschaftsplanung EPA. Auf Jahresbasis errechnet sich damit ein Wirtschaftswachstum von 7,9 Prozent. Tokios Aktienmarkt hatte die Bekanntgabe der positiven Konjunkturdaten mit einem Kurssprung um 2,9 Prozent vorweggenommen.

In den vorangegangen fünf Quartalen war die japanische Wirtschaftsleistung jeweils zum Vorquartal gesunken. In den ersten drei Monaten stiegen die Konsumausgaben dagegen erstmals nach drei Quartalen wieder um 1,2 Prozent. Der Verbrauch trägt zu 60 Prozent zur Wirtschaftsleistung bei. Auch der Wohnungsbau zog erstmals in drei Quartalen um 1,2 Prozent an. Die Kapitalaufwendung der Unternehmen kletterten sogar um 2,5 Prozent; das war der erste Anstieg in eineinhalb Jahren.

Experten bleiben skeptisch

Volkswirkte äußerten sich über die Wachstumsdaten eher zurückhaltend. Diese gäben nicht unbedingt die Umsatzentwicklung und die Stimmung in den Unternehmen wieder, sagte ein Fachmann. Zudem zeigten neue Daten über den Auftragseingang für Maschinen im April einen Rückgang von 13,8 Prozent im Vergleich zum Vorjahresmonat. Dies war der niedrigste Stand seit Juli 1987.

Trotz des zuletzt unerwartet starken Wachstums schrumpfte die zweitgrößte Volkswirtschaft der Welt im gesamten Haushaltsjahr 1998/99 (bis Ende März) um zwei Prozent. Das ist die schlechteste Konjunkturentwicklung seit Beginn dieser Erhebungsmethode im Jahre 1955. Den bis dahin schwersten Einbruch von 0,7 Prozent hatte Japan 1974 zur Zeit der Ölkrise erlitten.

Regierung gibt sich zuversichtlich

EPA-Chef Sakaiya bekräftigte seine Einschätzung, daß der Rückgang der Wirtschaftsleistung mittlerweile eindeutig gestoppt sei, die Konjunktur aber anfällig bleibe. Gründe dafür sind die hohe Arbeitslosigkeit und die Konsumflaute. Sakaiya räumte zudem ein, daß die Wirtschaft weiterhin auf die hohen Staatsausgaben für öffentliche Bauprojekte angewiesen sei.

EPA-Vizeminister Takafusa Shioya zeigte sich zuversichtlich, daß Japan das selbstgesteckte Ziel von 0,5 Prozent Wachstum im laufenden Geschäftsjahr (bis 31. März 2000) erreichen werde. Er sehe keinen Grund, warum die Effekte der Konjunkturprogramme bis Herbst wieder verpuffen sollten, sagte Shioya. Ob es weiterer Konjunkturpakete bedürfe, hänge von den Wirtschaftsdaten für das zweite Quartal ab.

Finanzminister Kiichi Miyazawa sprach vom "Licht am Ende des Tunnels". Gleichwohl müsse die Regierung wachsam bleiben. Zudem hätten die neuen Daten keine Auswirkungen auf die Debatte über ein weiteres Konjunkturprogramm.

Am Freitag will die Regierung ein Programm vorstellen, um die Rationalisierung der Unternehmen voranzutreiben und die Folgen der Arbeitslosigkeit zu mildern. Allgemein wird erwartet, daß zur Finanzierung dieser Maßnahmen im September ein Nachtragshaushalt vorgelegt wird.