Porsche Der Weg wird holprig

Der Cayenne zieht den Sportwagenhersteller durch schwieriges Gelände. Der schwache Ausblick allerdings drückt die Aktie kräftig. Einzelne Analysten und Händler sprechen von einer Gewinnwarnung.

Frankfurt - Der neue Geländewagen Cayenne hat die Absatzeinbußen der Sportwagenmodelle Boxster und 911 wettgemacht und Porsche  2002/03 zum neunten Rekordjahr in Folge verholfen. Finanzvorstand Holger Härter gab sich in Interviews mit Nachrichtenagenturen für das neue Geschäftsjahr allerdings eher pessimistisch, worauf die Porsche-Aktie am Dienstag um mehr als acht Prozent einbrach.

Durch mehr als 20.000 seit Dezember ausgelieferte "Cayenne" stieg der Konzernumsatz des Stuttgarter Sportwagenbauers 2002/03 (zum 31. Juli) um 15 Prozent auf etwa 5,6 Milliarden Euro, wie Porsche auf der Internationalen Automobil-Ausstellung (IAA) am Dienstag mitteilte. Mit einem Zuwachs von 23 Prozent auf 66.803 (2001/02: 54.234) verkaufte Autos übertraf Porsche trotz eines Einbruchs im Sportwagenabsatz die Zielmarke von 65.000.

Für das laufende Geschäftsjahr bremste Härter allerdings die Wachstumseuphorie: "Um die 70.000" Autos sollen verkauft werden. Vorstandschef Wendelin Wiedeking hatte im Juli von bis zu 75.000 gesprochen.

Konkrete Ertragszahlen will Porsche erst im November nennen. "Deutlich zugelegt hat auch das Ergebnis vor Steuern - trotz der Kosten für Produktionsanlauf und weltweite Markteinführung des Cayenne", erklärte der Sportwagenbauer zunächst nur. "Sie werden sehr schöne Ergebniszahlen sehen", blieb auch Härter vage. "Wir haben weiterhin sehr konservativ bilanziert." 2001/02 hatte der Konzern mit 829 Millionen Euro einen erneuten Rekordgewinn vor Steuern ausgewiesen.

Aufschwung in den USA noch nicht in Sicht

Sorgen macht sich Porsche noch um den erwarteten Aufschwung auf seinem wichtigsten Markt, den USA, wo der Sportwagenabsatz zuletzt besonders stark einbrach. 2003/04 werde schwieriger als das abgelaufene Geschäftsjahr, warnte Härter. Vor allem dank des kleineren Cayenne, dessen Motor Volkswagen  zuliefert, sei ein weiterer Zuwachs bei Umsatz und Absatz zu erwarten, äußerte der Sportwagenbauer zwar Zuversicht. Der Finanzvorstand wollte sich dennoch auf eine erneute Gewinnsteigerung noch nicht festlegen.

"Es gibt eine Chance, unsere Profitabilität erneut zu erhöhen, aber es gibt Risiken, die uns zögern lassen", erklärte Härter. "Wir wären über ein stabiles Ergebnis sehr glücklich." Porsche habe die üblichen Sparziele in der Verwaltung noch verschärft.

Porsche gibt sich zu Beginn des Geschäftsjahres regelmäßig zurückhaltend, um seine Ziele später zu übertreffen. "Es sieht nicht schlecht aus", sagte Vorstandschef Wiedeking zum Geschäft im August. Die neuen Nischenmodelle - darunter der 612 PS starke und 330 km/h schnelle Carrera GT - dürften positiven Einfluss auf das Ergebnis haben.

Analyst spricht von Gewinnwarnung

Händler und Analysten fassten Härters Äußerungen dennoch als Warnung auf. Jürgen Pieper, Autoanalyst bei der Privatbank Metzler, sagte: "Die Erwartungen waren zu hoch. Der Markt ist verwöhnt, daher ist diese Gewinnwarnung auf fruchtbaren Boden gefallen." Ein Händler erklärte: "Gerade weil Porsche zuletzt ein Rekordergebnis nach dem anderen eingefahren hat, werden andere Maßstäbe angelegt." Der Kurs der im General Standard notierten Vorzugsaktie rutschte in der Spitze um 8,5 Prozent auf 376,65 Euro.

Angesichts der eher konservativen Ergebnisprognose stellte Härter gegenüber der Nachrichtenagentur vwd allerdings klar, dass das primäre Ziel von Porsche niemals die Optimierung der Umsatzrendite war. Vielmehr gehe es darum, den Cash-Flow optimal zu gestalten und eine gute Gesamtkapitalrendite zu erwirtschaften. Diese sei zweistellig, bereinigt etwa um Rückstellungen liege sie sogar im 20-Prozent-Bereich, sagte der Finanzvorstand.

30.000 Cayenne im Visier

Der seit Dezember erhältliche Cayenne wurde bis Ende Juli 20.603 Mal verkauft und übertraf deutlich die Schätzungen von Analysten, die mit etwa 16.000 Geländewagen kalkuliert hatten.

Dagegen brach der Sportwagenabsatz um 14,8 Prozent auf 46.200 Einheiten ein. Porsche habe "der schwachen Konjunktur auf den Hauptmärkten USA und Deutschland Tribut zollen" müssen, teilte der Konzern mit. Produziert wurden 73.284 (55.050) Autos. Die Cayenne-Verkaufszahlen könnten 2003/04 bis auf 30.000 Einheiten steigen. Das sei nach der Einführung des Sechszylinder-Cayenne "durchaus erreichbar", sagte Härter.

Die Entscheidung über die vierte Baureihe lässt weiter auf sich warten. "Das ist nicht so weit, dass wir schon darüber reden könnten", sagte Vorstandschef Wiedeking. "Wir wollen aber nicht stürmisch und um jeden Preis wachsen." Härter sagte, der Vorstand werde sich nicht unter Druck setzen lassen.

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