Euro Mit stärkerem Dollar-Kurs zurückgefallen

Der Euro ist am Donnerstag mittag nach einem Anstieg auf über 1,05 Dollar wieder zurückgefallen, nachdem sich der Kurs des Dollar gegen den Yen verbessert hatte.

Frankfurt/Main - Im Referenzkursverfahren der Öffentlichen Banken wurde der Euro mit 1,0456 Dollar festgestellt, nach 1,0467 Dollar am Mittwoch. Inflationsbefürchtungen in den USA, Spekulationen auf eine konjunkturelle Erholung in Japan und Hoffnungen auf ein bevorstehendes Ende des Krieges um den Kosovo hatten am Donnerstag vormittag für heftige Kursbewegungen im internationalen Devisenhandel gesorgt.

Der Dollar hatte zunächst gegenüber dem Yen massiv unter Druck gestanden, nachdem das japanische Bruttoinlandsprodukt im ersten Quartal 1999 um 1,9 Prozent gestiegen war. Händler erklärten, viele Marktteilnehmer, die die wirtschaftliche Situation in Japan bislang eher pessimistisch eingeschätzt hätten, würden nun in den Markt zurückkehren und Yen kaufen. Der Anstieg des BIP habe deutlich über den Erwartungen von Händlern und Analysten gelegen und eine Rezessionsphase von fünf Quartalen mit rückläufigen Zahlen beendet. Der Dollar war daraufhin bis auf 117,59 Yen abgesackt.

Nach Aussagen von Händlern profitierte der Euro im Vormittagshandel vor allem von der Dollar-Schwäche. Die europäische Gemeinschaftswährung stieg auf ein zwischenzeitliches Hoch von 1,0522 Dollar, fiel dann aber mit dem zum Yen wieder steigenden Dollar zurück. Gerüchte um ein Eingreifen der Bank von Japan zugunsten des Dollar hievten die US-Währung zwischenzeitlich um gut zwei Yen auf 119,92 Yen nach oben. Gegen 13.15 Uhr MESZ notierte die US-Währung um 119,04 Yen.

Haruhiko Kurada, ranghoher Mitarbeiter des japanischen Finanzministeriums sagte in Tokio, ein zu starker Yen sei sowohl für Japans Wirtschaft als auch für die Weltwirtschaft nicht wünschenswert. Gerüchte, wonach die Bank von Japan zugunsten des Dollar interveniert haben sollte, wollte Kurada nicht kommentieren. Dementieren könne er die Gerüchte jedoch ebenfalls nicht. Am Makt war die Rede davon, daß die Bank von Japan den Dollar bei Kursen von 119 Yen gestützt habe. Der Anstieg des Dollar bremste den Euro aus. Die Gemeinschaftswährung fiel fast parallel dazu unter 1,05 Dollar.

Als weitere Gründe für den zwischenzeitliche Anstieg des Euro nannten Händler den offenbar bevorstehenden Beginn des serbischen Truppenabzugs aus dem Kosovo. Technisch orientierte Analysten hielten für den Euro eine Rückkehr über die Marke von 1,05 Dollar für möglich, sollte sich der Euro in den nächsten Tagen über der Unterstützungszone von 1,0370/80 Dollar klar behaupten. Der kurze Ausflug über die 1,05 Dollar-Marke sei nur der Anfang einer größeren Korrektur, die bis auf 1,0750 Dollar gehen könnte, sagte ein Händler voraus.

Am Vormittag hatten erneut mehrere hochrangige Vertreter der Europäischen Zentralbank (EZB) verbale Schützenhilfe für den Euro geleistet. EZB-Vizepräsident Christian Noyer bekräftigte in Wien Äußerungen von EZB-Präsident Wim Duisenberg, der kürzlich erklärt hatte, daß der Euro ein klares Aufwärtspotential habe.

Außerdem sprach sich Noyer laut Redetext strikt gegen ein Wechselkursziel für den Euro aus. Im Umgang mit einer der wichtigsten Währungen der Welt sei es unvorstellbar, Preisstabilität womöglich durch mittelfristige Wechselkurs-Ziele zu erreichen. Dennoch berücksichtige die EZB die Entwicklung des Euro-Kurses bei ihrer Politik, betonte Noyer.

Der Chefvolkswirt der EZB, Otmar Issing, sagte in Athen, die Schwäche des Euro sei in erster Linie auf zyklische Unterschiede zwischen der Euro-Zone und den Vereinigten Staaten zurückzuführen. Es sei zu erwarten, daß sich diese Unterschiede mit der Zeit abschwächen und damit ein klares Potential für Korrektur-Bewegungen im Euro/Dollar-Kurs schaffen würden.

Gold wurde in London am Donnerstag im Morgen-Fixing auf einem neuen 20-Jahres-Tief festgestellt. Die Feinunze lag bei 258,35 Dollar, nach 261,30 Dollar am Mittwoch nachmittag. Marktgerüchte, nachdem eine oder mehrere Zentralbanken Goldverkäufe planten, hätten den Kurs weiter gedrückt.