Arbeitsmarkt Vier-Millionen-Marke geknackt

Erstmals seit einem halben Jahr ist die Zahl der Arbeitslosen wieder unter die Vier-Millionen-Marke gefallen. Trotzdem bieten die Berechnungen der Bundesanstalt für Arbeit wenig Anlaß zum Aufatmen.

Nürnberg - Der Rückgang ist nach den Worten des Präsidenten der Behörde, Bernhard Jagoda, in erster Linie auf die übliche saisonale Belebung vor allem im Baugewerbe sowie im Hotel- und Gaststättenbereich zurückzuführen. Die Konjunktur habe zu dieser Entwicklung nicht beigetragen. "Positive Impulse von der Konjunktur bleiben weiterhin aus", sagte Jagoda. Auch die Stellenmeldungen hätten im Mai im Vergleich zum Vorjahr nachgelassen.

Die Zahl der Arbeitslosen fiel im Mai aber erstmals seit November 1998 wieder unter die Vier-Millionen-Marke, berichtete die Nürnberger Bundesanstalt am Donnerstag. Ende Mai waren nach den Angaben 3.998.100 Menschen erwerbslos gemeldet, 147.200 weniger als im April. Die Arbeitslosenquote sank damit auf 10,2 Prozent. Im Mai des vergangenen Jahres hatte sie noch bei 10,9 Prozent gelegen.

Ohne die günstigen saisonalen Einflüsse wäre die Zahl der Arbeitslosen nach Berechnungen der Behörde allerdings im letzten Monat erneut um 11.000 gestiegen. Die SPD sprach von einer insgesamt erfreulichen, die Union dagegen von einer enttäuschenden Entwicklung.

Ostdeutschland hinkt weiter hinterher

Im Vergleich zum Mai vergangenen Jahres ging die Arbeitslosigkeit um 199.200 zurück. In Westdeutschland waren im vergangenen Monat 2,695 Millionen Menschen auf Stellensuche, 104.400 weniger als im April. In den neuen Bundesländern wurden 1,303 Millionen Arbeitslose registriert, 42.800 weniger als einen Monat zuvor. Die Quote in Ostdeutschland liegt mit 17,0 weiter deutlich höher als im Westen mit 8,6 Prozent.

Zugleich zog Jagoda eine positive Bilanz des Sofortprogramms zur Bekämpfung der Jugendarbeitslosigkeit. Seit Jahresbeginn hätten bundesweit bereits 141.800 Jugendliche eine Maßnahme begonnen, womit das Programm so gut wie ausgeschöpft sei. Das Programm habe dazu beigetragen, daß die Jugendarbeitslosigkeit sich im Mai im Vergleich zum Vorjahr um 12,9 Prozent verringert habe.

Weiter angespannt ist nach Worten Jagodas dagegen die Lehrstellensituation. Er schätzte, daß im Vergleich zum Vorjahr noch 10.000 zusätzliche Ausbildungsplätze gebraucht würden, um jeden Lehrstellenbewerber eine Stelle anbieten zu können. Ende Mai suchten insgesamt noch 307.900 Jugendliche einen Ausbildungsplatz, das waren 3,5 Prozent weniger als vor einem Jahr.

Opposition spricht von Scheinerfolg

Regierungsparten und Opposition bewerteten die Zahlen erneut unterschiedlich. Der stellvertretende Vorsitzende der CDU/CSU-Bundestagsfraktion, Hermann Kues, sprach von einem Scheinerfolg, da die Zahl der Erwerbslosen saisonbereinigt gestiegen sei. Der FDP-Wirtschaftspolitiker Paul Friedhoff meinte, die Zahlen ließen "keinerlei Zeichen einer Trendwende" erkennen.

Dagegen betonten die SPD-Abgeordneten Ulla Schmidt und Adi Ostertag, der Abbau der Arbeitslosigkeit komme weiter voran. Besonders erfreulich sei der Rückgang der Jugendarbeitslosigkeit. Auch die Deutsche Angestellten-Gewerkschaft bewertete die Arbeitsmarktzahlen als "eine gute Nachricht, aber kein Grund zum Jubeln".