Viag Intercom Kapazität vom schärfsten Konkurrenten

Über 900 Millionen Mark zahlt der Handy-Neuling an die Telekom, um die Löcher im eigenen Mobilfunknetz zu stopfen. Wer künftig Viag wählt, telefoniert mit dem schärfsten Konkurrenten T-Mobil.

München - Mit der Taktik, Löcher im eigenen Mobilfunknetz über den Schweizer Konkurrenten Swisscom zu stopfen, kam der Handy-Neuling in Konflikt mit der Telekom. Jetzt setzte sich die Telekom durch: Bevor das Geschäft in fremde Hände geht, nährt der Ex-Monopolist seine Konkurrenten gegen Bares lieber selbst.

Dennoch bezeichnete Maximilian Ardelt, Vorsitzender der Geschäftsführung der Viag Interkom GmbH & Co, München, den National Roaming-Vertrag mit der Telekom als "Win-Win-Situation". Es wird erwartet, daß die Kartellbehörden noch in diesem Monat grünes Licht geben, sagte Ardelt am Mittwoch in München.

Natürlich sei T-mobil nach wie vor einer der schärfsten Wettbewerber, aber das Roaming-Abkommen für den ländlichen Raum mache sehr viel Sinn für beide Seiten. Die Telekom habe Einnahmen von über 900 Millionen Mark, während Interkom etwa eine Milliarden Mark an Investitionen einspart und gut zwei Jahre früher als geplant über einen echten, flächendeckenden Service verfügt.

Das ganze werde gegenüber der bisherigen Lösung via Swisscom komfortabler, weil das Netz je nach Verfügbarkeit automatisch gewechselt wird und der bisherige Preissplitt entfällt. Der Vertrag mit der Telekom läuft neun Jahre, für die ein Minutenpaket gekauft wurde. Die Folgeregelung sieht die Abrechnung per Minute vor.

Ardelt bezeichnete die Telekom als "idealen Partner", denn die alte Post habe eine Flächendeckung von 95 Prozent realisiert. Die Viag Interkom liegt laut Ardelt im Wettbewerb mit den beiden Komplettanbietern auf dem deutschen Markt, Telekom und Arcor, "ganz gut" und werde sich behaupten. Der Umsatz liege 1999 bei 1,3 Milliarden Mark nach 380 Millionen Mark im Jahr zuvor, wobei etwa die Hälfte aus dem Großkundengeschäft komme. An den Planungen für Investitionen habe sich nichts geändert. Auch solle 2001 wie angekündigt der Break-even erreicht werden.

Ab ersten Juli 1999 geht Viag Interkom im unteren Marktsegment, dem Standardhaushalt, mit dem neuen Produkt Genion an den Markt, das die Vorteile von Festnetz- und Mobilfunk in einem Gerät verbindet. Nach dem 22. Juli teile die Regulierungsbehörde voraussichtlich die Frequenzen für point-to-multipoint-Richtfunkverbindungen zu, womit der mittlere Segment der typischen ISDN-Kunden mit Internetanschluß erreicht werden sollen. Dies sei ein relativer preiswerter Ersatz für die Kupferleitungen der Telekom. Genutzt werden die Mobilfunkstationen. Da für das Erreichen des Endkunden nicht gezahlt werden müsse, eröffne sich Spielraum im Preissystem.

Ardelt kündigte weiter innovative prepaid-Produkte an, die "fast keinen" Aufwand für die Gesellschaft haben. Als "negative Story", an der hart gearbeitet wurde, bezeichnete der Vorsitzende der Geschäftsführung das Billing-System. Hier habe es massive IT-Probleme gegeben. Ende dieses Monats seien jedoch die Probleme bei der Rechnungsstellung an die Kunden abgearbeitet.