Karstadt-Quelle In der Oberliga mitspielen

Der neue Konzern will vor allem im Versandgeschäft und in der Touristik wachsen. Bis 2002 soll sich das Ergebnis vor Steuern deutlich erhöhen. Karstadt-Chef Walter Deuss leitet den neuen Konzern, Schickedanz-Manager Urban übernimmt die Warenhäuser.

Essen - In der künftigen Karstadt Quelle AG dürfte der Versandhandel in ein bis zwei Jahren voraussichtlich das größte Geschäftsfeld sein. Das erwartet Karstadt-Chef Walter Deuss. Er wird den neuen Konzern Karstadt Quelle leiten. Das Warenhaus-Geschäft, das in eine eigene AG ausgegliedert wird, übernimmt Wolfgang Urban vom Vorstand der Schickedanz Holding-Stiftung & Co KG.

Derzeit trenne die Karstadt-Tochter Neckermann und das Schickedanz-Unternehmen Quelle "nur Minimales" vom europäischen Marktführer Otto, hieß es auf der Bilanzpressekonferenz in Essen. Auch im Tourismus wolle die zu Karstadt gehörende C&N den Abstand zum Branchenprimus Hapag-Lloyd deutlich verringern, der "nicht allzu groß" sei.

Nach dem derzeitigen Stand wird der Bereich Warenhäuser mit einem Anteil von 39,4 Prozent an der künftigen Karstadt Quelle AG nur knapp vor dem Versandhandel liegen, der auf 39,1 Prozent kommt. Die Sparte Tourismus macht unter Konsolidierung der C&N 10,1 Prozent aus, während der sonstige stationäre Handel auf 6,7 und die Dienstleistungen auf 4,7 Prozent kommen.

Weltweit in der Oberliga

Unter Einbeziehung aller Bereiche wird das neue Unternehmen nach den Worten von Deuss der deutlich führende Handels- und Dienstleistungskonzern in Europa und auch weltweit klar in der Oberliga angesiedelt sein. Er bekräftigte, daß bei der Fusion Arbeitsplätze verlorengehen, doch werde sich dies "in Grenzen halten".

Bereits in diesem Jahr soll der Umsatz um fünf Prozent auf 32,8 Milliarden Mark wachsen. Für die Jahre 2000 und 2001 plant Karstadt Quelle dann 34,4 Milliarden sowie 36,1 Milliarden Mark Umsatz. 2002, im vierten Jahr der Fusion, soll der Umsatz 36,8 Milliarden Mark erreichen.

Das Ergebnis vor Steuern soll in diesem Jahr um 37,4 Prozent auf 705 Millionen Mark wachsen. Im Jahr 2002 ist ein Vorsteuerergebnis von rund 1,42 Milliarden Mark geplant. Bei der Umsatzrendite rechnet der fusionierte Konzern für 2002 mit 3,8 Prozent, während für die Eigenkapitalrendite die Zielmarke 15 Prozent ausgegeben ist.

Schickedanz bekommt zwei Vorstandsposten

Dem Vorstand der geplanten Karstadt Quelle AG sollen zwei Schickedanz-Manager angehören. Der Aufsichtsrat des Warenhauskonzerns berief Wolfgang Urban vom Vorstand der Schickedanz Holding-Stiftung & Co KG in das Führungsgremium. Er soll zudem die künftige Karstadt Warenhaus AG leiten, unter deren Dach das auszugliedernde Warenhausgeschäft des Essener Unternehmens kommen soll. Der Vorstandsvorsitzende der zu Schickedanz gehörenden Quelle AG, Willi Harrer soll ebenfalls in die Führungsmannschaft des fusionierten Konzerns aufrücken.

Von Karstadt-Seite sollen Reinhard Koep und Werner Piotrowski, der die Neckermann Versand AG leitet, in den Vorstand von Karstadt Quelle kommen. Urban wurde vom Aufsichtsrat mit Wirkung zum 15. Juni auf fünf Jahre als Vorstandsmitglied bestellt. Koep wird außerdem dem Führungsgremium der Karstadt Warenhaus AG angehören, das ferner die bisherigen Karstadt-Vorstände Manfred Ciesielski, Heinz Plagge und Karl-Heinz Schmidt umfassen wird.

An der fusionierten Karstadt Quelle AG wird die Schickedanz Holding-Stiftung & Co KG, Fürth, mit 47,7 Prozent beteiligt sein. Der Streubesitz werde sich auf 34,4 Prozent verringern. Die Allianz wird 10,8 Prozent der Anteile halten, die Dresdner Bank 7,1 Prozent. An der Karstadt AG ist Schickedanz derzeit mit 26,8 Prozent beteiligt, der Versicherungskonzern mit 15,1 und das Kreditinstitut mit 10,0 Prozent. Der Streubesitz beträgt 48,1 Prozent.

Warenhäuser weiter schwach, Touristik rettet die Zahlen

Karstadt startete mäßig erfolgreich ins neue Jahr. Von Januar bis Mai die Einnahmen bei den Warenhaustöchtern Karstadt und Hertie nominal um 1,3 und flächenbereinigt um 0,1 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum zurück. Die Touristiksparte weist allerdings hohe Zuwächse auf: Bei den gebuchten Reisen erzielte die neue Tochter C&N ein Plus von 11,6 Prozent, während die Einnahmen aus Veranstaltererlösen um 12,3 Prozent zulegten. Im Versandgeschäft kam die Neckermann AG nominal auf minus 0,1 und bereinigt auf plus 0,2 Prozent; die wesentlichen Auslandstöchter legten 13,6 Prozent zu.